EM 2000 - Deutschland am Boden

EM 2000 - Deutschland am Boden

Bei der Europameisterschaft 2000 stand Deutschland am "tiefsten Tiefpunkt", ohne einen einzigen Sieg schied man in der Vorrunde aus und durfte dabei zusehen, wie Frankreich erstmals als Weltmeister auch Europameister wurde.

Europameister: Noch nie zuvor war einer europäischen Mannschaft gelungen, was die Franzosen bei der Europameisterschaft 2000 schafften: "Les Bleus" sicherten sich als erster Weltmeister auch den Titelt auf dem Kontinent. "Der französische Fußball ist zum Meister des runden Balls geworden", schrieb die Zeitung "France-Soir"

Die Franzosen sorgten auch für die größten Spannungsmomente des Turniers: Zwei Mal setzten sich die Franzosen durchs Golden Goal durch: Im Halbfinale gegen Portugal verwandelte Zinedine Zidane in der 117. Minute einen Handelfmeter in der Verlängerung zum 2:1 – und im Finale gegen Italien war es David Trezeguet, der in der 103. Minute die Franzosen auf den europäischen Thron schoß. Den Ausgleich hatte Sylvain Wiltord wenige Sekunden vor dem Schlusspfiff in der vierten Minute der Nachspielzeit erzielt.

Spieler des Turniers: Das Turnier in Belgien und den Niederlanden war an großen Spielern auf dem Zenit ihrer Schaffenskunst nicht eben arm: Luis Figo bei den Portugiesen, Tierry Henry bei den  Franzosen. Aber einer überstrahlte alle: Zinedine Zidane.

Der Mittelfeldregisseur stand im Zentrum des französischens Spiels. Der Juventus-Star spielte konstant brilliant – und bestach in entscheidenden Momenten durch Effizienz: Gegen Spanien verwandelte er im Viertelfinale einen Freistoß, gegen Portugal im Halbfinale besagten Elfmeter und führte sein Team mit diesem Tor ins Finale.

Deutsche Mannschaft im Turnier: Der "tiefste Tiefpunkt", von dem Rudi Völler drei Jahre später in seiner berühmten „Weißbier“-Rede mit Waldemar Hartmann sprach, war für den DFB bereits bei der Euro 2000 erreicht. Bundestrainer Erick Ribbeck reiste ohne taktisches Konzept, ohne Stammformation und mit einem Lothar Matthäus an, der seinen Leistungszenit überschritten hatte.

Ein Weitschusstor von Mehmet Scholl in der 28. Minute gegen Gruppen-Außenseiter Rumänien zum 1:1-Endstand – mehr Zählbares brachte die deutsche Mannschaft nicht zustande bei dieser EM. Gegen England unterlag die DFB-Elf mit 0:1 – und am letzten Spieltag erfolgte dann die finale Demütigung. Gegen eine portugiesische B-Elf verlor Deutschland chancenlos mit 0:3. "Ich habe schon viel erlebt in meiner Karriere, aber das war das Bitterste. Ich schäme mich", gestand Torhüter Oliver Kahn damals.

Aufreger des Turniers: Teamchef Erich Ribbeck sollte während des Trainingslagers auf Mallorca kurz vor Turnierbeginn durch eine Spielerrevolte abgelöst und durch Lothar Matthäus ersetzt werden. Nach Informationen des Fachblatts "Kicker" wollte eine einflussreiche Spielergruppe – vor allem Akteure von Bayern München und Bayer Leverkusen - Ribbeck wegen mangelnder Fachkompetenz absetzen.

Letzter Auslöser für die am Ende erfolglose Spielerrevolte sollen die ersten Trainingseinheiten auf Mallorca gewesen sein, bei denen Ribbeck tagtäglich ein anderes System ausprobiert habe und von einer klaren taktischen Grundausrichtung kurz vor EM-Beginn nichts zu sehen gewesen sei.

Am Ende wurde die Aktion allerdings nicht vollzogen. Erich Ribbeck trat am Tag nach dem EM-Aus von sich aus zurück.

Stand: 17.04.2016, 21:00

Darstellung: