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Fußball | UEFA Russland bewirbt sich um Fußball-EM 2028 und 2032

Stand: 23.03.2022 21:46 Uhr

Der russische Fußballverband bewirbt sich um die Ausrichtung der Europameisterschaften 2028 und 2032.

Die UEFA bestätigte den Eingang der Interessensbekundung am Mittwoch (23.03.2022) kurz nach Ablauf der Bewerbungsfrist für die beiden Turniere. Russische Medien hatten bereits zuvor über die Pläne berichtet. Russland war Gastgeber der Weltmeisterschaft 2018, 2021 fanden mehrere Spiele der Europameisterschaft in der Großstadt St. Petersburg statt.

Die UEFA hatte russische Teams nach dem Angriff auf die Ukraine gesperrt und auch die russische Nationalmannschaft von der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2022 in Katar ausgeschlossen. Nicht suspendiert wurde dagegen der russische Verband, einer Bewerbung stand deshalb vorerst nichts im Wege. Nun teilte die UEFA mit, "bei Bedarf" die Rechts- und Sachlage neu zu bewerten mit Blick auf Russlands Interessenerklärung, EM-Ausrichter zu werden.

Djukow spricht von "negativem Trend"

Russlands Verbandspräsident Alexander Djukow, zugleich Mitglied im UEFA-Exekutivkomitee und Vorstandsvorsitzender des russischen Erdölkonzerns Gazprom Neft, wurde von der britischen Tageszeitung "Telegraph" gefragt, wie er die Chancen angesichts des Kriegs in der Ukraine einschätze. "Die Situation ist sehr dynamisch. Jetzt gerade gibt es einen negativen Trend, der sich aber auch wieder ändern kann", sagte Djukow. "Wir wissen, dasss unsere Chancen jetzt geringer sind. Aber wenn es eine Chance gibt, sollten wir es versuchen. Es ist nie zu spät, auszusteigen."

Kritik aus Großbritannien

David Bernstein, ehemaliger Vorsitzender des englischen Fußballverbands FA, nannte Russlands Bewerbung "so sonderbar, dass man sich fragt, ob noch etwas anderes dahintersteckt." Der "Telegraph" zitiert Bernstein weiter: "Es ist extrem seltsam, dass sie sich blamieren mit etwas, das klar zum Scheitern verurteilt ist." Jim Joyce, ehemaliger Präsident des irischen Fußballverbandes und FIFA-Vizepräsident, sagte mit Blick auf die vielen Kriegsopfer: "Russlands Bewerbung sollte sofort zurückgewiesen werden."

Die Interessenten haben nun bis zum 12. April 2023 Zeit, ihre Bewerbungen auszuarbeiten. Im September 2023 wird die UEFA die Gastgeber der beiden EM-Turniere 2028 und 2032 bekannt gegeben.

EM 2028: Britisch-irische Bewerbung als Favorit

Neben Russland bewirbt sich auch die Türkei um die EM 2028. Klarer Favorit ist aber die gemeinsame Bewerbung von England, Wales, Schottland, Nordirland und Irland. Die fünf Verbände hatten sich gegen eine zunächst angepeilte Bewerbung um die WM 2030 entschieden, nachdem sich der Machtkampf zwischen FIFA und UEFA im Streit um den möglichen Zwei-Jahres-Rhythmus der WM verschärft hatte.

Auch für die EM 2032 gibt es einen Favoriten. Italien hatte sein Interesse an der EM 2028 zurückgezogen und setzte auf das Turnier 2032. So ging der Verband FIGC der favorisierten Bewerbung aus dem Vereinigten Königreich und Irland aus dem Weg und verschaffte sich zugleich Zeit, die Infrastruktur zu modernisieren. Russland und die Türkei sind Italiens Konkurrenten.