96-Clubchef Martin Kind

Abstimmung über DFL-Investor Hannover 96 - Mutterverein drängt Kind zum "Nein"

Stand: 10.12.2023 16:38 Uhr

Der Vorstand des Hannover 96 e.V. will Geschäftsführer Martin Kind anweisen, gegen den Einstieg eines Investors bei der DFL zu stimmen. Kind befürwortet das Geschäft. Der Fall berührt vor allem die 50+1-Regel.

Kind, seit Jahrzehnten mächtigster Mann beim Zweitligisten und Geschäftsführer der ausgelagerten Kommanditgesellschaft von Hannover 96, gilt als Befürworter des Investoreneinstiegs, über den die 36 Klubs der DFL am Montag (11.12.2023) abstimmen werden.

Auf Kinds "Ja" darf die Geschäftsführung der DFL zählen, aber der Mutterverein von 96 fährt ihr nun in die Parade. In einem Schreiben, das der Sportschau vorliegt, heißt es: "Der Vorstand des Hannoverschen Sportvereins von 1896 e.V. hat in diesem Zusammenhang Herrn Martin Kind angewiesen, das Rede- und Stimmrecht für Hannover 96 ausschließlich dahingehend auszuüben, dass der Abschluss grundsätzlich abgelehnt wird."

Sollte von der DFL nicht sichergestellt werden, dass Kind der Weisung folge, fordere der Verein die Verschiebung der Abstimmung, heißt es in dem Schreiben weiter.

DFL: Der Mutterverein hat "uneingeschränktes Weisungsrecht"

Vor dem Hintergrund der 50+1-Regel birgt das Schreiben Zündstoff, denn die DFL stellte 2022 noch einmal fest, dass der Hannover 96 e.V. ein "uneingeschränktes Weisungsrecht gegenüber der Geschäftsführung der Hannover 96 Management GmbH hat", also gegenüber Kind.

Auf Anfrage der Sportschau teilte die Hannover 96 KGaA mit, dass sie sich zum Abstimmungsverhalten bei der Vollversammlung der DFL nicht äußern werde. Ein Sprecher bestätigte lediglich, dass Kind in Frankfurt anwesend sein werde. Von der DFL gibt es noch keine Stellungnahme.

Verein kritisiert Kind: Keine Informationen zum Deal bereitgestellt

Der Vorstand des Muttervereins erhebt in dem Schreiben den Vorwurf, der 79 Jahre alte Kind habe wichtige Informationen zum Investorenthema für sich behalten oder tue das bis heute. Wörtlich heißt es: "Dem Mutterverein wurden die entsprechenden Unterlagen erst vor wenigen Tagen, und auch nur als Ergebnis einer Weisung, zur Verfügung gestellt. Die Aufsichtsratsmitglieder der Profigesellschaft haben die Unterlagen bisher gar nicht erhalten."

Auch ein Gespräch zwischen den Parteien, die seit Jahren im Konflikt liegen, habe es nicht gegeben.

Sollte von der DFL nicht sichergestellt werden, dass Kind der Weisung folge, fordere der Verein die Verschiebung der Abstimmung, heißt es in dem Schreiben weiter. Damit spielt der Verein auf die geplante geheime Abstimmung an, bei der niemand nachvollziehen könnte, wie Kind abstimmt. Andersherum: Der Mutterverein fordert eine Verschiebung des Votums, sollte nicht offen abgestimmt werden. 

Die 50+1-Regel besagt, dass die Mehrheit der Anteile eines Vereins immer in den Händen der Mitglieder liegen soll. Der Einfluss von Investoren wird somit begrenzt.