Kimmich: "Bin kein Corona-Leugner und kein Impfgegner"

Joshua Kimmich während dem Spiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim

Fußball | Corona

Kimmich: "Bin kein Corona-Leugner und kein Impfgegner"

Von Chaled Nahar

Joshua Kimmich startete eine Initative für Zusammenhalt und erhielt Preise für sein Engagement in der Corona-Krise. Nun steht der Fußballer des FC Bayern in der Kritik: Er ließ sich bislang nicht gegen Covid-19 impfen, doch die Impfungen gelten als Ausweg aus der Pandemie.

"Ja, das stimmt", sagte Kimmich bei "Sky" auf die Frage, ob er nicht gegen Covid-19 geimpft sei. "Weil ich einfach für mich persönlich Bedenken habe, gerade was fehlende Langzeitstudien angeht", sagte Kimmich am Samstag (23.10.2021) zur Begründung. Er sei sich seiner Verantwortung bewusst, halte sich an die Maßnahmen und werde "alle zwei, drei Tage" getestet.

Kimmich sagte ausdrücklich, dass er das Coronavirus nicht leugne und auch kein Impfgegner sei. "Ich sage nicht kategorisch, dass ich mich nicht impfen lasse. Es ist sehr gut möglich, dass ich mich impfen lassen werde", sagte Kimmich. Dies könne auch "bald geschehen".

Kimmich ist keine Ausnahme, ungeimpfte Fußballer gibt es immer noch in der Bundesliga. Im August kam es bei Mainz 05 zu einem größeren Ausbruch, bei dem bekannt wurde, dass zahlreiche Spieler im Kader nicht geimpft waren. Bei Kimmich aber ist es eine besondere Situation - die Kritik in sozialen Netzwerken entbrannte in einem anderen Zusammenhang.

Hintergrundgespräch zu Kimmich: "Absolut paradox"

Sportschau 24.10.2021 01:34 Min. Verfügbar bis 24.10.2022 ARD


Initiative von Kimmich für Zusammenhalt in der Krise

Denn Kimmich hatte mit seinem Mannschaftskollegen Leon Goretzka die Initiative "We kick Corona" ins Leben gerufen. Dabei ging es um gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Initative sammelte Spenden und versprach finanzielle Unterstützung, wo sie gebraucht würde. "Nur wenn wir als Gesellschaft jetzt zusammenstehen, Vernunft und Verantwortung zeigen und füreinander da sind, schaffen wir es aus dieser Krise", sagte Kimmich damals.

Im Oktober 2020 zeichnete Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) die Initiatoren mit dem Bayerischen Sportpreis in der Kategorie "beispielhaftes Engagement zur Bewältigung der Corona-Pandemie" aus, weitere Auszeichnungen folgten. Doch nun wird bekannt, dass gerade Kimmich bislang auf eine Impfung verzichtete - obwohl Impfungen als der Ausweg aus der Krise gelten.

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Hohe Impfquote schützt die Gemeinschaft

Dass Impfungen das wirkungsvollste Mittel sind, ist wissenschaftlich unbestritten, nur eine hohe Impfquote sorgt für einen Schutz der Gemeinschaft. "Jeder einzelne von uns kann dafür sorgen, dass sich das Corona-Virus nicht weiter ausbreitet, aber nur gemeinsam können wir unseren Teil zur Gesundung der Gesellschaft beitragen", heißt es auf der Website der Initiative, die Kimmich mit ins Leben rief. Ausdrücklich zur Impfung rief die Initiative allerdings nicht auf.

Kimmich sagte aber am Samstag: "Wir haben an UNICEF gespendet, die Impfstoff zur Verfügung stellt." Dies trage dazu bei, dass sich Menschen impfen lassen können, wenn sie es denn wollen, sagte Kimmich. Seine Initative twitterte dazu Anfang September: "Corona ist dauerhaft nur in den Griff zu bekommen, wenn überall auf der Welt ausreichend Impfstoff verabreicht werden kann".

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Kimmichs Bedenken um "fehlende Langzeitstudie"

Kimmich trug nun als seine persönlichen Bedenken vor, dass ihm "Langzeitstudien" fehlten. Das WDR-Wissenschaftsmagazin "Quarks" berichtete im September jedoch, dass es "im Prinzip keine Langzeitfolgen von Impfungen" gebe - wohl aber von Corona-Infektionen.

Quarks berichtete auch zur Herstellung der Vakzine: "Bevor ein Impfstoff auf den Markt kommt, muss er eine mehrstufige Testphase durchlaufen. Die Forschenden müssen nachweisen können, ob die Impfstoffkandidaten sicher und wirksam sind." Zudem gäbe es verschiedene Gründe, warum die Corona-Impfstoffe vergleichsweise schnell zugelassen wurden.

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Kimmich besucht Kinderpalliativstation - ungeimpft

Im Zusammenhang mit der fehlenden Impfung wurde in sozialen Netzwerken zudem ein Besuch Kimmichs am vergangenen Dienstag (19.10.2021) in einem Krankenhaus kritisiert. Bei einem PR-Termin besuchte er im Münchner Klinikum Großhadern eine Kinderpalliativstation. Der Vorwurf: Der nicht notwendige Besuch bedeutete möglicherweise eine Gefährdung von Patientinnen und Patienten.

Die Regeln oder Einschränkungen für Besuche in Krankenhäusern oder Pflegeneinrichtungen waren in der Krise oft ein großes Thema. Denn Menschen mit Vorerkrankungen sind besonders gefährdet. Kimmich verwies ohne Bezugnahme auf diesen Termin aber darauf, dass er bei den Bayern regelmäßig getestet werde.

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Für die Fans stand ein Impfbus vor dem Stadion

Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamdzic wollte sich nicht zu Kimmich äußern, betonte aber, dass der FC Bayern und er persönlich "Impfungen empfehlen". Beim Spiel gegen Hoffenheim (4:0) stand zum sechsten Mal ein "Impfbus" vor dem Stadion der Bayern, in dem sich Fans impfen lassen konnten.

Jan-Christian Dreesen, stellvertretender Vorsitzender des Klubs, sagte einer Mitteilung zufolge: "Es ist uns wichtig, auch auf diesem Weg einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten, dass endlich wieder ein Leben wie vor Corona möglich ist, denn sich impfen zu lassen, ist dafür der beste Weg. Die Impfquote unserer Stadionbesucher ist generell vorbildlich."

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Stand: 23.10.2021, 21:53

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