Union Berlin Spieler Kevin Behrens und Freiburgs Noah Weisshaupt kämpfen um den Ball

Fernduell um die Königsklasse Union oder Freiburg - einer schreibt Geschichte

Stand: 26.05.2023 10:52 Uhr

Wer sichert sich den letzten Startplatz in der Champions League? Die Entscheidung fällt am Samstag im Fernduell zwischen Union Berlin und dem SC Freiburg (ab 15.30 Uhr live im Audio-Livestream bei sportschau.de). Beide Mannschaften könnten damit ihre herausragenden Spielzeiten krönen.

Von Luis Hartmann

Der Kampf um die europäischen Plätze wird in diesem Jahr fast zur Randnotiz. Die Meisterschaft wird seit Jahren wieder am letzten Spieltag entschieden und auch das Karussell im Tabellenkeller kann sich noch drehen. In diesem Schatten kämpfen Union Berlin (Samstag um 15.30 Uhr gegen Bremen) und der SC Freiburg (Samstag um 15.30 Uhr gegen Frankfurt) im Fernduell um Platz vier und damit um die Teilnahme an der Königsklasse. Für beide Vereine wäre es die Premiere in der Champions League und der größte Erfolg der Vereinsgeschichte.

Erst am 32. Spieltag standen sich beide Teams im direkten Duell gegenüber. Da erwischten die Unioner den besseren Tag. Nach dem 4:2-Heimsieg standen sie schon mit einem Bein in der Champions League. Doch nach Unions 2:4-Niederlage in Hoffenheim und Freiburgs 2:1-Sieg gegen Wolfsburg am vorletzten Spieltag ist wieder alles offen: Beide Mannschaften stehen bei 59 Punkten, Union hat dank der besseren Tordifferenz (+12, Freiburg +8) die Nase knapp vorne.

Erneute Rekordsaison für Union

Bei Union geht es seit dem Aufstieg vor vier Jahren nur bergauf: Elfter, Siebter, Fünfter – und jetzt Vierter? Mit 59 Punkten ist auch die Rekordmarke des letzten Jahres geknackt. "Die Saison kann uns keiner nehmen. Aber wir können Königsklasse spielen. Es geht darum den letzten Schritt zu machen", sagt Union-Trainer Urs Fischer. Er will die richtige Mischung aus Anspannung und Vorfreude finden: "Es geht um viel, aber wir brauchen eine Lockerheit, sonst verkrampfst du."

Dass das letzte Spiel vor heimischer Kulisse stattfindet, wird den Berlinern sehr recht sein. Noch kein Heimspiel hat Union in dieser Saison verloren, saisonübergreifend sind es sogar 22 Spiele in der Alten Försterei. "Das Heimspiel hilft uns. Unser Publikum treibt uns an", sagt Fischer.

Bremen kommt mit Füllkrug und Extra-Motivation

Gegner Bremen hat den Klassenerhalt zwar letzte Woche gesichert, doch Werder reist mit Extra-Motivation an: Stürmer Niclas Füllkrug will die Spitze der Torjägerliste verteidigen.

In die Karten spielen könnte dem Nationalspieler, dass Union zum Saisonende ein wenig die Luft ausgeht: Aus den letzten sieben Partien konnten die Berliner nur acht Zähler mitnehmen. Trotzdem rangierten die Köpenicker an fast allen Spieltagen in den Top Vier - umso bitterer wäre der Absturz auf Rang fünf.

Streich: "Die Jungs wollen mehr"

Unions Leid wäre in dem Fall Freiburgs Freude. Auch sie spielen eine herausragende Saison: Es ist die beste unter Trainer Christian Streich. Nur die Saison 1994/1995 unter Volker Finke war erfolgreicher und brachte den dritten Platz, der aber damals noch nicht für die Champions-League-Qualifikation reichte. Streich "kann damit leben", wenn es auch dieses Jahr nicht klappt. Die Einstellung seiner Spieler ist jedoch eine andere: "Die Jungs wollen mehr", sagte Streich.

Beflügelt sind die Freiburger vom vergangenen Spieltag: "Das war wie ein Märchen", erklärte Streich. Der Sieg samt Tor von Rekord-Joker Nils Petersen, der zum Saisonende seine Karriere beendet, sorgten für Bilderbuch-Szenen nach dem Abpfiff. Käme Petersen noch einmal von der Bank und schösse den SC womöglich in die Champions League, wäre das Märchen perfekt.

Christian Streich (Trainer SC Freiburg) auf PK

Christian Streich (Trainer SC Freiburg) auf der Pressekonferenz vor Eintracht Frankfurt zum Fernduell um die Champions League gegen Union Berlin. mehr

Auf die Breisgauer wartet mit einem Auswärtsspiel in Frankfurt die nominell schwerere Aufgabe als für Union. Die heimstarken Frankfurter wollen für das DFB-Pokalfinale (3. Juni 2023) im Rhythmus bleiben und sich im Bestfall noch Platz sieben sichern. Dementsprechend unwahrscheinlich ist es, dass die Freiburger mit einem Kantersieg noch aus eigener Kraft über die Tordifferenz an Union vorbeiziehen.

Erfahrung mit Last-Minute-Entscheidungen

Beide Teams kennen sich mit knappen Entscheidungen am letzten Spieltag aus. Die Freiburger hatten auch in der vergangenen Saison bis zum Schluss Chancen auf die Champions League – zogen aber gegenüber Leipzig den Kürzeren. Union sicherte sich in den letzten beiden Jahren jeweils am letzten Spieltag den Europapokal: vor zwei Jahren die Conference League und letztes Jahr die Europa League.

Im Erfolgsfall wäre Union die erste deutsche Mannschaft, die sich für alle drei europäischen Wettbewerbe qualifizieren konnte. Unabhängig davon, wer es am Ende schafft: Sowohl Union Berlin als auch der SC Freiburg wären der fünfzehnte deutsche Teilnehmer in der Königsklasse und würden damit Historisches für die Vereinsgeschichte leisten.