Biathlet Arnd Peiffer (l) und IOC-Präsident Thomas Bach

Olympia | IOC Meinungsfreiheit: Peiffer kritisiert Bachs ungewöhnlichen Vergleich

Stand: 03.02.2022 13:34 Uhr

IOC-Präsident Thomas Bach hat vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele über Meinungsfreiheit gesprochen - und Kritik von Sportschau-Experte Arnd Peiffer kassiert.

Bach sagte zu den Regeln des IOC, die Athleten während Wettkämpfen und Siegerehrungen politische Meinungsäußerungen verbieten: "Wenn ein Schauspieler in einem Theater Hamlet spielt, fragt sich auch keiner, ob er während des Stücks politische Meinungen äußern kann."

Biathlon-Olympiasieger und Sportschau-Experte Arnd Peiffer kritisierte Bach daraufhin. Bach mache sich "zum Komplizen eines Systems, das Menschenrechte nicht achtet", sagte der 34-Jährige im NDR-Interview: "Ich denke da an die Uiguren, an Hongkong und an die fehlende Meinungsfreiheit. Menschen, die sich frei äußern, oder Aktivisten werden mundtot gemacht. Und es gibt auch Leute, die verschwinden. Thomas Bach argumentiert immer, die Olympischen Spiele seien unpolitisch. Das ist aus meiner Sicht Augenwischerei." Vielmehr könne China samt seines Systems bei den Spielen nun "die eigene Stärke betonen. Die Athleten spielen da nur eine Statistenrolle."

Kritik am IOC

Zuvor hatte bereits das Sportler-Bündnis Global Athlete scharfe Kritik am IOC geübt und Verständnis geäußert für das Schweigen von Aktiven. China habe bewiesen, "dass es Meinungsfreiheit nicht schützt", sagte Global-Athlete-Generaldirektor Rob Koehler der "FAZ": "Warum sollte ein Sportler seine Meinung sagen, wenn er wenig bis keinen Schutz genießt? Würden Sie Ihrem Kind empfehlen, in China für Meinungsfreiheit zu kämpfen? Ich denke nicht."

DOSB-Präsident Thomas Weikert hingegen sagte, er würde sich als Olympia-Teilnehmer kritisch zu den Menschenrechtsverletzungen im Gastgeberland China äußern. "Wäre ich als Athlet in Peking dabei, hätte ich keine Angst, in einem Interview meine Meinung zu sagen", sagte Weikert bei "Spox": "Ich fliege mit Respekt vor der Lage nach China, das würde ich schon sagen. Aber ich würde mich als Athlet bei Olympischen Spielen grundsätzlich erstmal immer auf den Sport konzentrieren - das gilt auch, wenn die Spiele in Frankreich wären."

Treffen mit Peng Shuai?

Außerdem bekräftigte Bach seine Pläne für ein Treffen mit der Tennisspielerin Peng Shuai während der Spiele: "Ich bin sehr froh darüber und Peng Shuai auch dankbar dafür".

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Morgenmagazin, 03.02.2022 07:38 Uhr

Für das Treffen werde die 36-Jährige in die streng abgeschlossene Corona-Blase für die Olympia-Beteiligten kommen, sagte Bach. "Wenn alle Prozeduren dafür abgeschlossen sind, werden wir uns treffen", fügte der 68-Jährige hinzu.

Die frühere Weltranglisten-Erste im Tennis-Doppel hatte Anfang November im sozialen Netzwerk "Weibo" Vorwürfe wegen eines sexuellen Übergriffs durch einen chinesischen Spitzenpolitiker veröffentlicht. Der Post wurde bald danach gelöscht.

Seither äußerten Sportler, Politiker und Menschenrechtler Sorge um ihr Wohlergehen. Peng Shuai hatte später bestritten, die Vorwürfe erhoben zu haben. Das Interview wirkte jedoch gestellt. Bach hatte im vergangenen Jahr in einer umstrittenen Video-Schalte mit Peng Shuai gesprochen. Seither habe es weitere Kontakte mit der Chinesin gegeben, hieß es zuletzt vom IOC.

Johannes Herber ist Ex-Basketballnationalspieler und Geschäftsführer von Athleten Deutschland. Im Interview mit WDR Aktuell äußert er sich zu den aktuellen Geschehnissen im Fall Peng Shuai.

Dr. Mareike Ohlberg ist Asien-Expertin am German Marshall Fund in Berlin. Sie bewertet das Nicht-Handeln des IOC im Fall der vermissten Tennisspielerin Peng Shuai aus China als "feige". Auch die Gesellschaft habe es verpasst, größeren Druck auszuüben.

Der Dachverband war jedoch dafür kritisiert worden, die konkreten Vorwürfe von Peng Shuai nicht zu benennen und stattdessen auf eine "stille Diplomatie" zu setzen. Bach wehrte sich gegen die Kritik. Man müsse Peng Shuai respektieren und herausfinden, wie sie selbst die Situation sehe. Ob es weitere Ermittlungen in der Sache geben solle, müsse die Entscheidung der Tennisspielerin sein.