IOC: Vermisste Peng Shuai führt Video-Telefonat mit Thomas Bach

IOC-Präsident Thomas Bach

Vermisste Tennisspielerin

IOC: Vermisste Peng Shuai führt Video-Telefonat mit Thomas Bach

Die vermisste Tennisspielerin Peng Shuai hat nach Angaben des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ein Video-Telefonat mit IOC-Präsident Thomas Bach geführt und darin erklärt, dass es ihr gut gehe und sie in Sicherheit sei.

Dem IOC zufolge soll das Telefonat von Peng Shuai mit Bach am Sonntag (21.11.2021) stattgefunden haben. Neben Bach nahmen demnach die Vorsitzende der IOC-Athletenkommission Emma Terho und das chinesische IOC-Mitglied Li Lingwei an dem Gespräch teil, das 30 Minuten gedauert haben soll.

Es gab keine weiteren Informationen darüber, unter welchen Umständen das Gespräch stattgefunden hat, ob die Tennisspielerin frei und ohne Einflussnahme sprechen konnte oder ob Fragen nach den Bedingungen gestellt wurden.

Peng Shuai dankt "für Sorge um ihr Wohlergehen"

Peng Shuai dankte den IOC-Angaben zufolge dem IOC für die Sorge um ihr Wohlergehen. "Sie erklärte, dass sie in Sicherheit und wohlauf in ihrem Haus in Peking lebe, aber dass sie ihre Privatsphäre respektiert haben möchte", zitierte das IOC die Chinesin. Wie das IOC mitteilte, lud IOC-Präsident Thomas Bach am Ende des Gesprächs Peng Shuai zu einem Abendessen ein, sobald er im nächsten Januar in Peking für die Olympischen Winterspiele ankommt. Sie habe die Einladung angenommen.

Peng Shuai hatte Anfang November im sozialen Netzwerk Weibo einen chinesischen Spitzenpolitiker des sexuellen Übergriffs beschuldigt. Seither wurde die Chinesin nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen. Zahlreiche Sportlerinnen, Sportler und Verbände äußerten ihre Sorge um Shuais Sicherheit. Ob das Telefonat mit dem IOC-Präsidenten diese Sorge beruhigt, ist unklar.

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Staatsmedien veröffentlichten Videos und Fotos der Spielerin

Peng Shuai

Chinesische Staatsmedien hatten am Wochenende mehrere Videos in Umlauf gebracht, in denen angeblich Peng Shuai beim Abendessen mit Freunden zu sehen ist. Ein am Sonntag veröffentlichtes Video soll sie bei der Eröffnung eines Jugend-Tennisturniers in Peking zeigen. Zu sehen ist, wie sie zusammen mit anderen Gästen namentlich aufgerufen und vom Publikum mit Applaus begrüßt wird. Sie winkt und lächelt kurz, ergreift aber nicht selbst das Wort. 

Bereits zuvor hatte das chinesische Staatsfernsehen auf Twitter angeblich aktuelle Fotos des Tennisstars verbreitet. Unter anderem WTA-Chef Steve Simon war das zu wenig.

WTA-Chef: "Dieses Video alleine ist nicht ausreichend"

"Dieses Video alleine ist nicht ausreichend", hatte Steve Simon, Chef der internationale Damentennis-Organisation WTA, den Restaurant-Clip kommentiert. "Während es positiv ist, sie zu sehen, bleibt es unklar, ob sie frei ist und ihre eigenen Entscheidungen treffen kann." Es werde damit nicht klar, ob sie ohne Zwang handeln könne.

Er sorge sich weiterhin um ihre Gesundheit und Sicherheit und darüber, dass ihr Vorwurf eines sexuellen Übergriffs offensichtlich zensiert werde, sagte Simon. Wegen der Affäre droht die WTA mit dem kompletten Rückzug der Tennis-Tour aus China.

DTB-Präsident von Arnim fordert deutlichere Zeichen

Auch der Präsident des Deutschen Tennis-Bundes Dietloff von Arnim setzte sich für eine transparente und umfassende Aufklärung ein. "Ein Tweet ist sicher nicht ausreichend. Es ist nur ein kleines Zeichen", sagte er in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. "Es ist unglaublich, dass sowas passiert. Da müssen wir uns für den Menschen einsetzen."

Weltweit wurde in den vergangenen Tagen Aufklärung im Fall der früheren Nummer eins der Doppel-Weltrangliste gefordert, zum Beispiel von der IOC-Athlenkommission und dem IOC selbst. Auch das Weiße Haus unter US-Präsident Joe Biden äußerte sich "zutiefst besorgt". Auch die Vereinten Nationen drängen auf eine Aufklärung. "Wir möchten betonen, dass es wichtig ist, zu wissen, wo sie ist und wie es ihr geht", sagte Liz Throssell, die Sprecherin des UN-Menschenrechtsbüros am Freitag in Genf.

nch/dpa | Stand: 21.11.2021, 18:08

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