Premier League ohne Gehaltsverzicht: "Da fehlen einem die Worte"

Fabinho (li.), Kevin De Bruyne

Versammlung am Freitag

Premier League ohne Gehaltsverzicht: "Da fehlen einem die Worte"

Von Marcus Bark

Die Premier League berät, wann und wie wieder Fußball gespielt werden soll. Dass die Spieler noch nicht auf Geld verzichten, kritisieren Politiker scharf.

Gary Lineker versuchte es mit eher plattem als britischem Humor. "Eine gute Nachricht: Der April hat einen Tag weniger als der März", twitterte der ehemalige Weltklassestürmer und heutige Fernsehmoderator. In der Sendung "Match of the day", die er in der BBC präsentiert, wird er in den kommenden Wochen zusammen mit Experten Rankings erstellen, am Samstag (04.04.2020) etwa die "Top Ten" der Torhüter.

Zahlungen von mehr als 800 Millionen Euro stehen aus

Einen Tag vorher werden die 20 Klubs der Premier League darüber sprechen, wann und wie es weitergehen soll. Aktuell sind die Partien, genau wie die in der Bundesliga, bis zum 30. April ausgesetzt. Eines der möglichen Szenarien, so die Zeitung "Independent", sei die Fortführung und Beendigung an einem zentralen Ort in England. Die Mannschaften sollten unter strengen hygienischen Bedigungen dort zusammengezogen, sämtliche Spiele im Fernsehen übertragen werden.

"Zentrale Liga-Camps sind logistisch sehr schwer umsetzbar" Sportschau 02.04.2020 06:06 Min. Verfügbar bis 02.04.2021 Das Erste

Das Interesse, die ausstehenden neun Spieltage und zwei Nachholpartien auszutragen, ist immens groß. Es geht um sehr viel Geld. Zahlungen von umgerechnet mehr als 800 Millionen Euro stehen von den Inhabern der Medienrechte aus. Dass die Einnahmen aus dem Verkauf von Eintrittskarten aus dieser Saison wegfallen werden und vermutlich teilweise rückerstattet werden müssen, ist auch in England jedem klar.

Starre Position der Gewerkschaft

In einem anderen Punkt hinkt die finanzstärkste Liga der Welt allerdings hinterher: Während die Mehrheit der Bundesligisten, der FC Barcelona, Juventus Turin und viele andere europäische Klubs schon längst mitgeteilt haben, dass ihre Fußballprofis auf Teile ihres Gehalts verzichten, stocken entsprechende Verhandlungen in England. Das liegt vor allem an der Spielergewerkschaft PFA.

Wie mehrere englische Medien berichten, hat die PFA (Professionel Footballers' Association) ihren Mitgliedern empfohlen, nur Stundungen zuzustimmen, aber keinem Verzicht. Darüber, so habe Gewerkschaftsboss Gordon Taylor in den Verhandlungen mit Vertretern der vier englischen Profiligen gesagt, könne später immer noch gesprochen werden, schreibt der "Guardian".

Steuergeld für sonstige Mitarbeiter

Die Profifußballer und die PFA ziehen sich wegen ihren starren Haltung den Groll vieler Engländer zu. Vor allem auch, weil einige Klubs der Premier League mitteilten, dass sie Mitarbeiter in Zwangsurlaub geschickt haben. Sie fallen dadurch unter ein wegen der Coronakrise auferlegtes staatliches Programm. Die öffentliche Hand übernimmt laut "Coronavirus Job Retention Scheme" bis zu 80 Prozents eines Gehalts, allerdings gedeckelt bei 2.500 britischen Pfund, das sind etwa 2.850 Euro.

"Da fehlen mir die Worte", sagte Julian Knight, der Vorsitzende eines auch für den Sport zuständigen Ausschusses im britischen Unterhaus laut BBC. Knight reagierte damit auf die Weigerung der üppig bezahlten Fußballer, auf Gehalt zu verzichten, während vergleichsweise geringverdienende Mitarbeiter der Klubs von Steuergeldern alimentiert werden. "Das zeigt den wirtschaftlichen Wahnsinn im englischen Fußball und seine moralische Leere", so Knight, der für die Konservativen im Parlament sitzt.

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"Die Spieler müssten die Last tragen", forderte Londons Bürgermeister Sadiq Khan in der BBC: "Ich bin stets der Meinung, dass die, die am wenigsten haben, die meiste Hilfe erhalten sollten."

Weitere Verhandlungen

In einer gemeinsamen Erklärung teilten die Premier League, die EFL (Zusammenschluss der drei anderen Profiligen), Spieler- und auch Trainergewerkschaft mit, dass die Verhandlungen fortgeführt werden sollen. Bis zur Vollversammlung der Premier League am Freitag könnte es dann ein konkretes Ergebnis geben.

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Stand: 02.04.2020, 12:30

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