FIFA-Vizepräsident tritt wegen diskriminierender Äußerungen zurück

Greg Clarke ist wegen diskriminierender Äußerungen bei FA und FIFA zurückgetreten.

Fußball

FIFA-Vizepräsident tritt wegen diskriminierender Äußerungen zurück

Von Chaled Nahar

Greg Clarke ist als Vizepräsident des Fußball-Weltverbands FIFA zurückgetreten. Zuvor hatte er bereits den Vorsitz des englischen Verbandes FA abgegeben. Clarke hatte sich vor dem britischen Parlament mehrfach diskriminierend geäußert.

In den Kommentaren in England wurden Clarkes Sätze als "prähistorisch" bezeichnet. Er sprach von "farbigen Fußballern" und erklärte damit weiße Fußballer zu einer "nicht-farbigen" Norm. Mädchen hätten Angst vor dem Ball, Menschen aus Südasien "andere Karriereinteressen" als die aus der Karibik, und Homosexuelle hätten "eine Lebensentscheidung getroffen". All diese Sätze voller Diskriminierung, Pauschalurteilen und Klischees formulierte er am Dienstag (10.11.2020) in einer Befragung durch das britische Parlament.

Kurz darauf äußerte Clarke zwar sein Bedauern über die Wortwahl, doch es folgte das nunmehr Unvermeidliche: Der 63-Jährige trat als Vorsitzender der Football Association (FA) zurück, Peter McCormick übernimmt das Amt vorübergehend. Doch Clarke ist nicht nur in England wichtig.

UEFA verliert kurzfristig eine Stimme im FIFA-Rat

Am Donnerstag bestätigte die UEFA auf Anfrage der Sportschau, dass Clarke "mit sofortiger Wirkung" nicht mehr UEFA-Repräsentant im FIFA-Rat sei. "Das haben UEFA-Präsident Aleksander Ceferin und Clarke in einem Telefongespräch gemeinsam beschlossen", hieß es. Clarke selbst habe den Rücktritt vorgeschlagen. Damit verliert Clarke gleichzeitig sein Amt als Vizepräsident des Weltverbands.

Zwischenzeitlich hatte Clarke dem britischen Sender "Sky" gesagt, dass er zumindest bei der FIFA im Amt bleiben wolle, bis die UEFA am 2. März 2021 bei ihrem in der Schweiz stattfindenden Kongress einen Nachfolger wählen kann. Damit sollte die UEFA nicht eine ihrer neun Stimmen im FIFA-Rat verlieren. Dieses Gremium ist das mächtigste im Weltfußball. Es trifft Entscheidungen, die von großer Tragweite seien können, gerade auch was umstrittene Themen wie die neue Klub-WM angeht. Zwischen der FIFA und der UEFA tobt seit Jahren ein Machtkampf. Für die UEFA gibt es nun eine Lücke im FIFA-Rat.

Nachfolger nur eine Zwischenlösung

Das UEFA-Exekutivkomitee muss nun einen Vertreter berufen, der Clarkes Sitz im Rat interimsweise bis zum UEFA-Kongress einnimmt. Das Amt des Vizepräsidenten der FIFA bleibt bis dahin auf jeden Fall unbesetzt. Die nächste Sitzung des Exekutivkomitees ist bisher allerdings erst für Anfang Dezember vorgesehen. Grundsätzlich benennt die UEFA drei Vizepräsidenten der FIFA, einer davon muss den Statuten zufolge aus den vier "Heimatländern" des Fußballs kommen, also England, Wales, Schottland oder Nordirland. Diese Position hatte Clarke inne.

Im FIFA-Rat sitzen 37 Menschen. Neben den drei Vizepräsidenten vertreten sechs weitere Menschen die UEFA, darunter mindestens eine Frau. Am 2. März 2021 sind beim UEFA-Kongress neben Clarkes Sitz fünf weitere Sitze im Rat turnusgemäß zu besetzen, allerdings können sich Funktionäre auch zur Wiederwahl stehen. Auch der DFB steht dann auf dem Wahlzettel.

FIFA-Rat: DFB hofft auf Rückkehr

"Peter Peters kandidiert für einen der fünf zu wählenden europäischen Sitze im Rat des Weltverbandes FIFA", hatte der DFB am 23. Oktober mitgeteilt. Auch der DFB schickt damit einen seiner Vizepräsidenten ins Rennen. Der deutsche Verband ist schon länger ohne Stimme im FIFA-Rat. Nach dem Rücktritt von Reinhard Grindel übernahm der Franzose Noel le Graet 2019 diesen Posten - und gab ihn nicht wieder her.

"Mir ist bewusst, dass ein Wahlerfolg keineswegs sicher ist - auch vor dem Hintergrund, dass dem DFB in den vergangenen Jahren auf internationaler Ebene die personelle Kontinuität gefehlt hat", sagte Peters der Mitteilung des DFB zufolge. Damit spielte er auf die außerplanmäßige Rückzüge des DFB durch Grindel und Wolfgang Niersbach an. Diese sollen bei UEFA und FIFA weniger gut angekommen sein.

FIFA: "Er hat die richtige Entscheidung getroffen"

Auf Greg Clarkes Worte reagierte die FIFA kühl. "Wir haben die Nachricht zu Clarkes Rücktritt erhalten und akzeptieren sie. Wir denken, dass er unter den Umständen die richtige Entscheidung getroffen hat", teilte der Weltverband auf Anfrage der Sportschau mit. "Wir danken ihm für seine Arbeit und wünschen das Beste für die Zukunft." Bei "Sky" sagte Clarke, der seine Funktionärskarriere einst bei Leicester City begann, er habe seine Zeit im Fußball genossen. "Ich werde zurück in die freie Wirtschaft gehen."

In England wird Clarke kritisiert, institutionellen Rassismus im Verband nie ernsthaft bekämpft zu haben. Für die Nachfolge in der FA sind bereits zahlreiche Namen im Gespräch, die andere Zeichen setzen könnten. Die FA gilt allerdings als konservativ - ein Nachfolger, der Clarke inhaltlich nahe steht, ist daher keinesfalls ausgeschlossen.

Stand: 12.11.2020, 14:29

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