St. Pauli drückt den HSV auf Platz vier

Daniel-Kofi Kyereh (r) von FC St. Pauli jubelt nach seinem Treffer zum 1:0

FC St. Pauli - Hamburger SV 1:0

St. Pauli drückt den HSV auf Platz vier

Von Christian Hornung

Mit einem Gewaltschuss kurz vor Schluss hat St.-Pauli-Stürmer Daniel Kyereh den Hamburger SV im Derby von den Aufstiegsplätzen der 2. Fußball-Bundesliga geschossen. Am Ende lagen die Nerven beim HSV blank.

Nach dem 1:0 (0:0) am Montag (01.03.2021) in der Hamburger "Stadtmeisterschaft" ist St. Pauli jetzt Elfter und nach dem fünften Sieg in Serie vorerst ohne Abstiegssorgen. Den Siegtreffer erzielte Daniel Kyereh in der 88. Minute. Dem HSV hingegen droht nach jetzigem Stand ein weiteres Jahr in der Zweitklassigkeit - Bochum, Kiel und Fürth belegen am Ende des 23. Spieltags die drei Aufstiegsränge.

"Mit Abstand das schönste Tor"

"Ich habe darauf spekuliert, dass der Ball da irgendwo runterkommt", sagte St. Paulis-Siegtorschütze Kyereh. "Es war mit Abstand das schönste Tor in meiner Karriere." Und HSV-Trainer Daniel Thioune sagte: "Ich will mich gar nicht in Inhalten verlieren. Es fühlt sich nicht gut an, die Enttäuschung ist sehr groß."

Daniel Thioune: "Die Enttäuschung ist sehr groß"

Sportschau 01.03.2021 00:31 Min. Verfügbar bis 01.03.2022 ARD


Gefahr durch Kittels Freistöße

In den ersten 20 Minuten sah es allerdings noch anders aus - da wurde St. Pauli so richtig durchgeschüttelt. Allerdings ausschließlich nach Standards, doch die hatten es in sich: Schon in der 2. Minute hämmerte Sonny Kittel einen Freistoß aus über 30 Metern mit seiner überragenden Schusstechnik an die Latte - Dejan Stojanovic im Tor der Kiez-Kicker konnte dem Ball nur ein paar Stoßgebete hinterherschicken.

Zehn Minuten später gab es das gleiche Duell, diesmal lagen rund 24 Meter zwischen Torwart und Schütze. Wieder probierte es Kittel direkt, wieder platzierte er die Kugel hervorragend, doch diesmal lenkte Stojanovic den Ball noch um den rechten Pfosten.

Jung verpasst die Führung

Der dritte Kittel-Freistoß hätte dann die Führung eigentlich bringen müssen. Doch Gideon Jung köpfte die maßgerecht servierte Hereingabe aus fünf Metern per Aufsetzer an die Latte (22.) - das war aus dieser Position eindeutig zu wenig.

St. Pauli wachte erst mit etwas Verspätung auf. Doch dann wurde es auch auf der anderen Seite richtig gefährlich. Erst verpasste Rodrigo Zalazar (17.) mit einem prächtigen Schrägschuss nur knapp das rechte Eck, dann scheiterten Guido Burgstaller und Omar Marmoush an mangelnder Präzision und HSV-Keeper Sven Ulreich (23./29.).

Torschütze Kyereh: "Mit Abstand das schönste Tor in meiner Karriere"

Sportschau 01.03.2021 00:33 Min. Verfügbar bis 01.03.2022 ARD


Aytekin nimmt Elfmeter zurück

Richtig großes Glück hatte der HSV neun Minuten nach Wiederanpfiff. Zalazar kam nach einem Abklatscher von Ulreich zum Abschluss, Jung rauschte ihm mit beiden Beinen voraus in die Knochen. Zunächst deutete Deniz Aytekin, der sein Schiedsrichter-Comeback nach einer Achillessehnen-Verletzung gab, auf den Elfmeterpunkt. Erstaunlicherweise griff dann der VAR ein, Aytekin ging zur Seitenlinie - und nahm seine Entscheidung sehr zügig zurück. Vermutlich wertete er die Szene als "Pressschlag", womit er allerdings falsch lag, auch wenn Jung minimal den Ball touchiert hatte: Elfmeter für St. Pauli und Gelb-Rot für den HSVer wären korrekt gewesen.

In der Folge verlagerte sich das bis dahin packende Geschehen immer mehr ins Mittelfeld. Die Torraumszenen wurden weniger, erst in der 69. Minute testete Burgstaller mit einem Schrägschuss nochmal die Reflexe von Ulreich, die aber in ausreichendem Maße vorhanden waren.

Thioune geht volles Risiko

In den Schlussminuten suchte HSV-Trainer Daniel Thioune nochmal das volle Risiko, brachte mit Bobby Wood und Manuel Winzheimer zwei frische Stürmer. Doch der Schuss ging komplett nach hinten los. In der 88. Minute bediente Zalazar den eingewechselten Luca Zander, dessen Ablage Daniel Kyere per Vollspann unter die Latte jagte. Und am Ende kam es noch schlimmer: Kapitän Leibold sah nach einer Tätlichkeit in der Nachspielzeit gegen Burgstaller die Rote Karte - diesmal hatte sich der VAR zu Recht eingeschaltet.

Für den HSV wird es nicht leichter, im Gegenteil. Am 8. März wartet gleich das nächste Montags-Topspiel, diesmal gegen Holstein Kiel. St. Pauli muss zwei Tage vorher beim Karlsruher SC antreten.

Statistik

Fußball · 2. Bundesliga · 23. Spieltag 2020/2021

Montag, 01.03.2021 | 20.30 Uhr

Wappen FC St. Pauli

FC St. Pauli

Stojanovic – Ohlsson, Ziereis (28. Reginiussen), Lawrence, Paqarada (78. Buballa) – Benatelli – Becker (87. L.-M. Zander), Zalazar Martinez – Kyereh – Burgstaller, Marmoush (87. Matanovic)

1
Wappen Hamburger SV

Hamburger SV

Ulreich – Vagnoman, G. Jung (59. van Drongelen), Ambrosius, Leibold – Heyer (90.+1 Narey) – Dudziak (86. Wood), Kinsombi (90.+1 Meißner) – Jatta (86. Wintzheimer), Terodde, Kittel

0

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Kyereh (88.)

Strafen:

  • gelbe Karte Ziereis (2 )
  • rote Karte Leibold (90.+5/Tätlichkeit)
  • gelbe Karte Marmoush (2 )
  • gelbe Karte G. Jung (3 )
  • gelbe Karte Reginiussen (1 )
  • gelbe Karte Benatelli (4 )
  • gelbe Karte Burgstaller (2 )

Schiedsrichter:

  • Deniz Aytekin (Oberasbach)

Vorkommnisse:

  • Das Spiel fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Foulelfmeter (St. Pauli) nach Videobeweis zurückgenommen (55.). Rote Karte für Leibold (Hamburg) nach Videobeweis (90.+5).

Stand der Statistik: Montag, 01.03.2021, 22:32 Uhr

red/sid/dpa | Stand: 01.03.2021, 22:28

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2. Bundesliga | Tabelle

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1.VfL Bochum3060
2.Greuther Fürth2954
3.Hamburger SV2950
4.Fort. Düsseldorf2949
5.1. FC Heidenheim3048
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16.SV Sandhausen2828
17.VfL Osnabrück3027
18.Würz. Kickers3020
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