Schalkes Schatten fällt so langsam auch auf Grammozis

Trainer Dimitrios Grammozis stellt sich beim FC Schalke 04 der Kritik.

Trainer gerät in die Kritik

Schalkes Schatten fällt so langsam auch auf Grammozis

Von Jörg Strohschein

Der Abstieg hängt den Anhängern des FC Schalke 04 noch in den Kleidern. Und jetzt ist auch noch der Saisonstart in der zweiten Liga misslungen. Trainer Dimitrios Grammozis gerät zunehmend in die Kritik.

Auf dem Trainingsplatz ist nicht viel davon zu erkennen, in welch komplizierte Lage sich Dimitrios Grammozis und der FC Schalke 04 in kürzester Zeit manövriert haben. Der Coach gibt seinen Spielern klare Anweisungen, wirkt energisch, zielsicher und voller Elan.

Danach ist davon beim 43-Jährigen dann aber nicht mehr so viel übrig. Grammozis ist unter Druck geraten, befindet sich in der Defensive, in einer dauerhaften Abwehrhaltung. Der Grund dafür ist der schwache Saisonstart seines Teams.

Vier Punkte aus vier Partien, acht Gegentore, dazu ein Totalausfall seiner Spieler am vergangenen Spieltag bei Jahn Regensburg (1:4). Hinzu kommen unglückliche Äußerungen des Fußballlehrers, als er nach der Pleite von einer "zusammengewürfelten Truppe" redete, die noch "Zeit" brauche. Von der Aufbruchsstimmung am Berger Feld ist jedenfalls nicht mehr viel zu spüren.

30 Transfers und das alte Problem?

Die Anhänger des Klubs fühlen sich in die Vorsaison versetzt, in der die Mannschaft von allen guten Geistern und Ergebnissen verlassen schon früh dem Abstieg entgegentaumelte. Dabei spielt es auch kaum eine Rolle, dass mindestens 30 Transfers von Sportdirektor Rouven Schröder dem Team ein völlig neues Gesicht gegeben haben.

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Dieses Trauma sitzt tief bei den Schalker Fans, die, bedingt durch die Corona-Pandemie, nie richtig Gelegenheit hatten, den Niedergang in der Gelsenkirchener Arena aufzuarbeiten und ihren Frust gegenüber der Mannschaft und dem Trainer loszuwerden. Grammozis ist noch einer der wenigen Verbliebenen auf Schalke, der Teil dieser traumatischen Zeit ist. Er hatte die Mannschaft in aussichtsloser Lage in der Bundesliga-Rückrunde übernommen und mit ihr den Abstieg besiegelt.

15 Partien verantwortet der Ex-Profi nun saisonübergreifend beim S04, zehn Niederlagen, drei Remis und zwei Siege sind seine ernüchternde Bilanz. "Wenn die Ergebnisse nicht stimmen, dann weiß ich, dass das nicht schön ist für uns", sagt Grammozis über sich und sein Trainierteam.

Schonfrist für Grammozis

Eine mangelnde Zweikampfquote, eine bislang nicht erkennbare Spielidee und ein zu geringer Einsatz im Vergleich zu den gegnerischen Teams kennzeichneten zuletzt das Spiel der Grammozis-Elf.

Die Besonderheiten der 2. Liga mit ihrer Ausgeglichenheit erfordern jedoch dauerhafte Einsatzbereitschaft. "Klare Worte sind von uns gefallen. Ich weiß, dass wir Zeit brauchen, um diese Automatismen reinzubekommen. Wir müssen den Spagat schaffen, uns zu verbessern aber gleichzeitig auch Ergebnisse erzielen", sagt Grammozis.

Es ist eine neue Erfahrung für den Coach, der bislang eine Art Schonfrist auf Schalke hatte - und nun erstmals für die schlechten Ergebnisse verantwortlich gemacht wird. In den zu Ende gehenden Erstliga-Zeiten wollte ihm niemand die große Schuld an dem Untergang zuschieben - zu viel war schon bei seinen Vorgängern schiefgegangen. Aber nun ist diese Schonfrist zu Ende.

Und so bekunden auch schon erste Spieler ihren Unmut. "Das auf die Zeit zu schieben und dass wir mehr Zeit brauchen, ist ein bisschen zu billig und ein bisschen zu einfach", sagte Torhüter Ralf Fährmann sichtlich gefrustet nach der Regensburg-Pleite.

Das Schalker Umfeld wird unruhig

Bei seiner ersten Trainer-Profistation bei Darmstadt 98 war es Grammozis gelungen, eine zerstrittene Mannschaft innerhalb von 16 Monaten zusammenzufügen und sie von einem Abstiegskandidaten zu einem Aufstiegsaspiranten zu formen. Im rund 300 Kilometer entfernten Gelsenkirchen fehlt es noch an dieser Harmonie innerhalb des Teams und auch der dringend benötigen Hierarchie. Doch die Zeit wird langsam knapp für Grammozis. "Wir sind nicht zufrieden und keinem ist irgendwas egal auf Schalke", sagt Sportdirektor Schröder, der erst kam, als Grammozis schon da war.

Sportvorstand Peter Knäbel hatte den Coach eingesetzt und trotz der misslungenen Kehrtwende in der Vorsaison weiter beschäftigt. Schröder hätte wohl einen anderen Trainer verpflichtet. Nun wird die Lage auch angesichts des chronisch besonders nervösen Umfelds immer kritischer. Die Frage nach der Zukunft Grammozis’ umschifft der 45 Jahre alte Schröder. "Zum Thema Jobgarantie möchte ich mich gar nicht äußern. Die Gedanken habe ich nicht", sagt er. "Aber klar ist: Wir müssen hier alle liefern."

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Am Samstagabend empfangen die Schalker Fortuna Düsseldorf (Live-Ticker ab 20.15 Uhr). "Es gilt, bestimmte Fragen gegen Düsseldorf zu beantworten. Wir wollen variabel sein, das haben wir noch nicht gesehen“, sagt Schröder - wohl vor allem in Richtung des Trainers.

Grammozis ist (noch) der Überzeugung, in Ruhe weiterarbeiten und seine Vorstellungen umsetzen zu können. "Wir dürfen jetzt nicht alles infrage stellen. Wir sind auf einem guten Weg", sagt Grammozis und setzt auf die kommenden beiden Wochen. "In der Länderspielpause müssen wir den Feinschliff machen, und dann werden wir gestärkt aus der Pause herauskommen."

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red/dpa/sid | Stand: 27.08.2021, 09:54

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