Fußball | Bundesliga Krisenduell Gladbach gegen Hertha - Zauberer dringend gesucht

Stand: 10.03.2022 12:07 Uhr

Borussia Mönchengladbach und Hertha BSC haben einen großen Namen, aber noch größere Probleme. Nun spielen sie in der Bundesliga gegeneinander, es gilt: verlieren verboten. Über Trainerdiskussionen und die Sehnsucht nach ein wenig Zauber.

Von Tim Beyer

Mit Fredi Bobic möchte man gerade eher nicht tauschen. Als Bobic, 50, im vergangenen Sommer als Geschätsführer Sport bei Hertha BSC antrat, hatten sie damit in Berlin große Hoffnungen verbunden. Schließlich hatte Bobic zuvor in ähnlicher Position sehr erfolgreich bei Eintracht Frankfurt gearbeitet. Natürlich, die Hertha hatte einige chaotische Jahre hinter sich, aber war sie nicht auch ein "Big City Club"?

Ein Dreivierteljahr ist Bobic am Werk, es war keine ganz einfache Zeit. Vor dem 26. Spieltag steht die Hertha auf Relegationsrang 16, sie hat in diesem Jahr noch kein Spiel gewonnen. Der Trend ist gerade kein Berliner, und einen "Big City Club" hatte man sich auch anders vorgestellt. Zuletzt, als der Klub mit 1:4 ausgerechnet gegen Frankfurt verloren hatte, war da nur noch Häme. Die mitgereisten Fans sangen: "Oh, wie ist das schön."

Friedrich ist weg, Korkut darf bleiben - vorerst zumindest

Natürlich ist anschließend über den Trainer Tayfun Korkut, 47, spekuliert worden. Bobic und Korkut kennen sich noch aus gemeinsamen Zeiten beim VfB Stuttgart, seit Ende November arbeiten sie in Berlin zusammen. Der Start war mit sieben Punkten aus vier Spielen kein schlechter, anschließend aber verfiel die Mannschaft in alte Muster, und Korkut hat man oft hadern sehen.

Sein Punkteschnitt liegt aktuell bei 0,75 - und doch darf er weitermachen, zumindest bis zum Spiel gegen Borussia Mönchengladbach am Samtag (12.03.2022).

Zuvor hatte Bobic eine Krisensitzung anberaumt, ohne Korkut. Er hatte die Spieler in die Pflicht genommen, am Dienstag trat Bobic dann vor die Presse. Er sagte, er habe weiter das "komplette Vertrauen" in Korkut, doch punkten müsse die Hertha am Wochenende gegen Gladbach schon.

Friedrichs Abschied ist einer, über den diskutiert wird

Ob Arne Friedrich, 42, das auch so gesehen hat, darüber wird nun fleißig diskutiert. Friedrich war bis Montagabend Sportdirektor der Berliner, seinen Abschied zum Saisonende hatte er zuvor bereits angekündigt. Nun ging er lieber früher. Friedrich sagte: "Aus verschiedenen Gründen ist in den vergangenen Monaten bei mir jedoch das Gefühl entstanden, dass mein Einfluss bei wichtigen sportlichen Entscheidungen nicht mehr ausreichend gegeben ist, um meinen Aufgaben als Sportdirektor gerecht zu werden."

Bobic sucht den Zauberer

Nur wenige Stunden, nachdem Friedrich seinen Abschied bekanntgegeben hatte, stand der Trainer Korkut auf dem Trainingsplatz inmitten seiner Spieler und setzte zu einer Rede an, wie man sie von ihm noch nicht gehört hatte. Korkut tritt in der Öffentlichkeit eher zurückhaltend auf, er ist kein Mann für die Schlagzeilen. Diesmal schrieb er doch welche.

Er wolle nun keine Ausreden mehr hören, sagte Korkut, sie seien schließlich keine Jugendmannschaft. "Ich will am Wochenende zur Hölle noch mal gewinnen."

Friedrich also ist Vergangenheit bei der Hertha, Korkut noch immer Trainer, zumindest in der Gegenwart, aber prägen wird die Zukunft des Klubs Bobic.

Als Bobic da saß und den vorzeitigen Abschied von Friedrich erklären sollte, sein Festhalten an Korkut und überhaupt all die Probleme, da sagte er einen sehr schönen Satz. Bezogen hatte er ihn auf Korkut, den Trainer. Er passt aber auch zur Gesamtsituation eines Klubs mit großen Zielen und noch größeren Problemen. Bobic sagte: "Den Zauberer auf Knopfdruck gibt es ja in der Form auch nicht."

Gladbachs Trainer Adi Hütter (links) und Tayfun Korkut und Fredi Bobic von Hertha BSC (rechts)

Gladbachs Trainer Adi Hütter (links) und Tayfun Korkut und Fredi Bobic von Hertha BSC (rechts)

Gladbach in der Krise, oder: Die Abwesenheit eines Zauberers

So einen Zauberer könnte auch der Gegner Borussia Mönchengladbach gebrauchen. Ein wenig geht es den Gladbachern da wie der Hertha. Einer, der die Probleme einfach wegzaubern kann, ist gerade nicht in Sicht.

Begonnen hatte das Jahr für Gladbach mit einem unerwarteten Sieg gegen die Bayern, doch wer nun das Ende einer sportlichen Krise erahnte, sah sich getäuscht. Von den folgenden sieben Ligaspielen hat Gladbach nur eins gewonnen, aber viermal verloren. Der Klub ist Tabellendreizehnter, der Vorsprung auf die Hertha auf dem Relegationsrang beträgt nur vier Punkte. Das hatten sie sich anders vorgestellt.

Zuletzt, nach der Niederlage beim VfB Stuttgart, sprach der Torhüter Yann Sommer einige Sätze, die man nicht vergessen wird. Er sagte: "Sie haben uns vorgeführt."

Später an diesem Tag war der neue Sportdirektor Roland Virkus zu Gast im ZDF-Sportstudio. Den Trainer Adi Hütter, den Gladbach im Sommer für viel Geld und mit großen Hoffnungen aus Frankfurt geholt hatte, nahm Virkus in Schutz. Eine Trennung sei keine Option, sagte Virkus: "In erster Linie müssen sich die Jungs an die eigene Nase fassen. Es ist immer einfach, den Trainer zu hinterfragen."

Hütter bleibt Trainer - und fehlt doch

Hütter also bleibt Trainer, vorerst zumindest. Doch im vielleicht wichtigsten Spiel dieser Saison wird Hütter, 52, trotzdem fehlen. Er hat sich mit Corona infiziert, das teilte der Klub am Mittwoch mit. Schon am Tag zuvor hatte er das Training nicht leiten können, weil bei ihm ein unklares Testergebnis vorlag.

Die Vorbereitung auf das Krisenduell wird für die Gladbacher keine leichte. Immerhin, es ist natürlich nur ein kleiner Trost, trifft das auch auf den Gegner aus Berlin zu.