"Zwei bis drei Prozent weniger reichen nicht" - das böse Erwachen beim 1. FC Köln

Bundesliga Freitagsspiel: Spielszene zwischen Hoffenheim und Köln

0:5-Abfuhr bei der TSG Hoffenheim

"Zwei bis drei Prozent weniger reichen nicht" - das böse Erwachen beim 1. FC Köln

Von Olaf Jansen

Drei wichtige Spieler nicht dabei, ein paar Prozent Einsatz zu wenig - der 1. FC Köln landete in Hoffenheim hart auf dem Boden der Tatsachen. Der Trainer hadert auch mit sich selbst.

Es war noch keine Stunde in der Sinsheimer Fußballarena gespielt, da wurde es still im Stadion. Ihlas Bebou und Christoph Baumgartner hatten mit ihren Treffern wenige Minuten nach dem Seitenwechsel das Ergebnis zwischen 1899 Hoffenheim und dem 1. FC Köln auf 3:0 gestellt - und plötzlich war von dem lautstarken Support der rund 3.500 mitgereisten Kölner Fans nichts mehr zu hören.

Die Partie war entschieden, für die Kölner würde auch diesmal in Hoffenheim nichts zu holen sein, das stand schon frühzeitig fest. Eigentlich kennen sie das in Köln schon - mit 0:3, 1:3, 0:6 und 0:4 hatten sie in den vergangenen vier Auswärtspartien in Sinsheim schon mächtig auf den Deckel bekommen.

Guter Saisonstart mit mutigen Auftritten

Ungeachtet dessen waren Spieler und Anhänger des FC an diesem Freitagabend (15.10.2021) mit viel Selbstvertrauen in den Kraichgau gereist. Schließlich hatte die Mannschaft von Trainer Steffen Baumgart mit zwölf Punkten aus sieben Spielen einen guten Start in die Saison hingelegt. Vor allem das "Wie" des spielerischen Erfolges hatte für viel Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten gesorgt.

Mutiges Offensivspiel hat unter Baumgart den destruktiven Angsthasenfußball der Vergangenheit abgelöst. Mit viel körperlicher Präsenz und aggressivem Pressing in allen Bereichen des Spielfelds hatte der FC die Konkurrenz beeindruckt. "Sie sind die Mannschaft der Stunde", befand TSG-Trainer Sebastian Hoeneß vor der Partie. "Sie spielen mutig und treten mit enorm viel Selbstvertrauen auf", hatte er beobachtet.

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Schlüsselspieler nicht zu ersetzen

Dass dieses System der Kölner in Hoffenheim einen Totalabsturz erlebte, dürfte an gleich mehreren Faktoren gelegen haben. Der mutmaßlich Wichtigste: Mit Ellyes Skhiri, Jonas Hector und Dejan Ljubicic waren drei Schlüsselspieler nicht einsatzbereit. Skhiri und Ljubicic hatten sich bei ihren Nationalteams verletzt, Kapitän Hector meldete sich kurz vor Spielbeginn erkrankt ab.

Dass sich dies negativ auswirken könnte, deutete sich bereits nach zwei Minuten an: Ersatzkapitän Rafael Czichos erlaubte sich einen fürchterlichen Fehlpass in der eigenen Hälfte, der Andrej Kramaric zu einer sogenannten "Hundertprozentigen" verhalf. Der Kroate scheiterte zwar am geistesgegenwärtig reagierenden Timo Horn im Kölner Tor - doch der Weg dieser Partie schien vorgezeichnet.

"Zwei bis drei Prozenz weniger Einsatz reicht nicht"

Was auch mit dem zweiten Faktor der Kölner Defizite zu tun hatte: "Wenn wir wie heute nur zwei bis drei Prozent weniger Einsatz bringen, reicht es nicht", hatte Coach Baumgart nach dem Spiel analysiert. Und im taktischen Bereich auch ein Versäumnis bei sich selbst ausgemacht: "Wir hätten vielleicht früher auf die Hoffenheimer Dreierkette reagieren müssen. Das ist dann auch für uns als Trainerteam ein Erfahrungswert."

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Die TSG führte den FC im zweiten Spielabschnitt regelrecht vor. Baumgart kündigte an, die Partie schonungslos zu analysieren, den Fokus dann aber auch baldmöglichst auf das kommende Wochenende zu richten: Mit Bayer Leverkusen hat man am nächsten Sonntag (24.10.2021) den ungeliebten Nachbarn in Müngersdorf zu Gast.

"Es ist ein Derby, wir spielen zu Hause und werden alles daran setzen, dieses Spiel ganz anders anzugehen und zu gewinnen", kündigt Baumgart an. Die Lehren aus dem Hoffenheim-Spiel sollen dann gezogen sein. Und zumindest Hector und Ljubicic dürften auch wieder dabei sein.

Stand: 16.10.2021, 10:19

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