Aksel Lund Svindal: "Das IOC hat große Fehler gemacht"

Aksel Lund Svindal im Sportschau-Olympia-Countdown

Sportschau-Olympia-Podcast

Aksel Lund Svindal: "Das IOC hat große Fehler gemacht"

Die Sportschau schaut auf die Olympischen Winterspiele 2022. Julia Scharf und Philipp Nagel blicken im Podcast mit Ex-Skirennläufer Aksel Lund Svindal aus Norwegen auf das Saison-Highlight.

Aksel Lund Svindal im "Olympia Countdown"-Podcast der Sportschau mit Julia Scharf und Philipp Nagel.

Aksel Lund Svindal über sein Abfahrts-Gold in Pyeongchang 2018:

Es war das erste Mal, dass ich im Ziel war und dachte: Es kann nicht wahr sein, weil es so perfekt ist. Ich hatte nach einem Sturz in Kitzbühel eine Operation, dann bin ich ein Jahr später drei Rennen gefahren und hatte wieder eine OP. Das Ziel war dann, bei Olympia dabei zu sein.

Und wenn du dann im Ziel stehst als Erster und dein Teamkollege ist auch noch Zweiter - da dachte ich, dass es perfekt ist. (...) Das ist schon etwas Besonderes, das gibt es nur alle vier Jahre. Wenn es nicht geklappt hätte, wäre es schwierig geworden, es war meine letzte Möglichkeit.

... über Olympia 2022 in Peking und einen möglichen Sportlerboykott:

Die Zeit der Pandemie war für niemanden einfach, auch nicht für die Athleten. Dazu kommt, dass in den letzten zehn Jahren im sportpolitischen Bereich, ob es Fußball oder im Wintersport ist, Entscheidungen getroffen wurden, die für den Sport nicht unbedingt das Beste waren. Deshalb sind wir jetzt in einer Situation, in der es logisch ist, darüber zu diskutieren.

Aber für die Sportler ist es schade. Ich mit 38 Jahren wäre alt genug, die Frage für mich zu beantworten. Aber wenn ich 18 Jahre alt wäre und es wären mein ersten Olympischen Spiele, mein Traum - da soll ich protestieren oder die Entscheidung treffen, nicht an Olympia teilzunehmen, wovon ich immer geträumt habe? Ich finde, das ist den Sportlern gegenüber nicht fair. Die Entscheidung muss der Sport treffen, nicht die einzelnen Athleten.

... über die Rolle der Medien in der Boykottfrage:

Ich fordere auch von den Journalisten eine klare Haltung. Wenn man sagt, Olympia in China ist eine Katastrophe, dann würde ich auch als Journalist sagen: Wenn Olympia nach China geht, werden wir keine TV-Bilder zeigen, auch wenn wir die Rechte für viel Geld gekauft haben, und nicht darüber berichten. Als Journalist muss man auch Moral haben und kann die Verantwortung nicht einfach an die Athleten abgeben. Wir gehören alle zum System.

Aksel Lund Svindal: "Brauchen Olympia für normale Leute"

Sportschau-Olympia-Podcast 06.01.2022 29:21 Min. Verfügbar bis 19.12.2032 ARD


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... über die Länder, die Olympische Spiele nicht austragen wollen:

Ich finde es ein bisschen zu einfach, die einzelnen Athleten unter Druck zu setzen. München und Garmisch-Partenkirchen haben 'nein' zu Olympia gesagt, Oslo/Norwegen hat 'nein' gesagt, auch Innsbruck und Sion in der Schweiz. Wir müssen dankbar sein, dass die Italiener 2026 (Mailand und Cortina d'Ampezzo, d. Red.) genommen haben, sonst wäre es vielleicht wieder ein Land geworden, bei dem man sagt: "Katastrophe".

Wenn wir nicht Teil der Lösung sein wollen, dann soll Olympia sterben. Wir wollen keine Alternative anbieten, sagen aber gleichzeitig, China soll es nicht machen. Wir sind also genauso Teil des Problems, denn welche Option hat das IOC, wenn alle 'nein' sagen?

... über das Nein zu Olympia aus Norwegen:

Da gibt es sicher mehrere Gründe. Ein Grund ist, dass das IOC große Fehler gemacht hat. Und einige Journalisten in Norwegen haben gut gearbeitet und alles auf die Titelseiten gebracht, was daran nicht vernünftig war.

So haben die Medien in Norwegen eine große Rolle bei der Entscheidung gespielt, denn es war ein knappes "Nein". Für mich die falsche Entscheidung, denn das wäre unsere Möglichkeit gewesen, etwas Druck an das IOC zurückzugeben.

... über seinen Eindruck von den Deutschen und seine Deutschkenntnisse:

Ich war gar nicht so viel in Deutschland - in München und in der Region Garmisch-Partenkirchen und Rosenheim ein wenig. Deutsch habe ich ein bisschen in der Schule gelernt und dann eher in Österreich. Norwegen ist ja mehr eine Langlauf- als eine Ski-Nation.

Und ich habe schnell kapiert, dass wenn ich im Skizirkus nur ein bisschen 'Heimvorteil' haben will, dann kann ich hier nicht nur als Gast sein, sondern muss Leute kennenlernen und die Sprache lernen. So habe ich mir in Innsbruck eine Wohnung gekauft. Auch in der Skiindustrie ist Deutsch die Sprache Nummer eins - also muss man das lernen.

... über Abendessen im Hause Mittermaier/Neureuther:

Felix hat gesagt, dass alle, die kurz vor Olympia um den Tisch sitzen, Gold gewinnen werden. Und genau das ist bei mir auch passiert. Ich war am Abend vor der Abreise dort beim Essen.

... über die Themen, mit denen er mit Felix Neureuther spricht:

Eigentlich sprechen wir mehr privat übers Thema Ski. Auch früher. Wir sind ja fast zeitgleich in den Weltcup gekommen, aber er war Techniker und ich wurde in den Speeddisziplinen besser, sodass wir gar nicht so häufig gemeinsam am Start standen. Aber man kann sagen, früher ging es mehr um Spaß, heute auch um "Erwachsenensachen" wie Kinder und Familie.

Felix Neureuther über Olympia, das IOC und Glaubwürdigkeit Sportschau 22.12.2021 03:41 Min. Verfügbar bis 22.12.2022 Das Erste

... über seine mögliche Zukunft als Sportfunktionär in Norwegen:

Ich hoffe, ja. Wir brauchen Olympische Spiele für die normalen Leute - ein Fest für alle. Ich wäre bereit, Verantwortung zu übernehmen. Und ich bin schon in einer Gruppe dabei, in der wir untersuchen wollen, wie die Stimmung im Sport ist und wenn wir etwas machen, wie wir es machen wollen.

red | Stand: 06.01.2022, 12:00

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