Olympische Ringe mit Schriftzug Boykott Contra

Olympische Winterspiele in Peking Contra: Ein sportlicher Boykott ist Betrug an Athletinnen und Athleten

Stand: 16.12.2021 11:00 Uhr

In 50 Tagen beginnen die Olympischen Winterspiele in Peking. Sie werden ein Tiefpunkt der Sportgeschichte. Aber ein sportlicher Boykott bestraft nur die Athletinnen und Athleten.

Von Steffen Simon

Wo wurde Ihr iPhone gebaut? Nicht Ihr Problem, Sie besitzen ein Huawei? Und damit sind Sie auf TikTok unterwegs? China ist Teil unseres Lebens. Überprüfen Sie bitte, auf wie vielen Ihrer Sachen "Made in China" steht. In den letzten fünf Jahren war China der wichtigste Handelspartner Deutschlands.

Die Olympischen Winterspiele in Peking finden in einem Land statt, in dem Menschenrechte missachtet werden. Während ein Festival emotionaler, positiver Bilder von begeisterndem Sport quer durch die Welt gesendet werden, sitzen Mitglieder der muslimischen Minderheit der Uiguren in chinesischen Umerziehungslagern.

Unfair gegenüber Sportlerinnen und Sportlern

Ihr Schicksal konterkariert die Olympische Charta, in der es unter anderem heißt: "Jede Form von Diskriminierung eines Landes oder einer Person aufgrund von Rasse, Religion, Politik, Geschlecht oder aus sonstigen Gründen ist mit der Zugehörigkeit zur Olympischen Bewegung unvereinbar." Ich befürchte einen Tiefpunkt der Sportgeschichte, in einer Reihe mit Berlin 1936 oder der Fußball-WM 1978 in Argentinien.

Peking - ein fragwürdiger Olympia-Gastgeber

Tamara Anthony, Tobias Barnerssoi, Sportschau, 12.12.2021 09:00 Uhr

Ich bin für einen politischen Boykott der Spiele, aber gegen einen sportlichen. Weil ich es unfair gegenüber den Sportlerinnen und Sportlern finde. Sie haben nur alle vier Jahre die Chance, ihren persönlichen Olymp zu erreichen. Oft ist es nur dieser eine Moment in ihren Karrieren, in dem sich ein ganzes Leben harter Arbeit vollendet. Ein Boykott bringt sie um den Lohn ihrer Entbehrungen.

Fragen sie den damaligen Zehnkampfweltrekordler Guido Kratschmer oder die Handball-Weltmeister um Heiner Brand, was der Olympiaboykott 1980 gebracht hat. Oder den Bahnradsportler Lutz Heßlich sowie den Marathonläufer Waldemar Cierpinski, die als dreimalige Goldmedaillengewinner hätten Geschichte schreiben können, 1984 aber nicht dabei sein durften. Es war Symbolik auf ihrem Rücken, ohne jeden Effekt. Die Spiele fanden statt und die Welt hat zugeschaut.

Der Sport vereint uns

Olympia in Peking ist die Spitze des Eisbergs. Boykottiert man die Spiele, darf die deutsche Fußball-Nationalelf nicht zur WM nach Katar, wo ebenfalls Menschenrechte verletzt werden. Konsequenterweise kann der FC Bayern München nicht mehr in der Champions League antreten, weil er auf Paris Saint-Germain oder Inter Mailand treffen könnte, die mit katarischem bzw. chinesischem Geld finanziert werden. Und die Borussen aus Dortmund können nicht mehr in der Bundesliga spielen, weil sie dort auf die Bayern treffen. Die werden über einen katarischen Werbepartner mitfinanziert.

Legt man den Maßstab eines Olympiaboykotts über alles, wäre es der Anfang vom Ende fast aller professionellen Sportbegegnungen. Aber wir brauchen Begegnung. Die Menschheit driftet immer mehr auseinander, obwohl sie angesichts der drohenden Klimakatastrophe enger zusammenrücken müsste. Der Sport vereint uns, er ist das einzige Zusammenkommen quer über den ganzen Globus, bei dem wir uns auf gemeinsame Regeln einigen können.

Statt symbolische Handlungen von olympischen Sportlerinnen und Sportlern zu verlangen, sollten wir bei uns selbst anfangen. Wir finanzieren China mit unserem Konsum, unser wichtigster Handelspartner verdient mehr an uns, als wir an ihm. Jede und jeder von uns unterstützt China mehr, als die Athletinnen und Athleten, die in Peking antreten wollen.