EURO 2020 - UEFA lenkt bei Rücknahmefrist für Eintrittskarten ein

München ist einer der zwölf geplanten Spielorte der EURO 2020.

Fußball

EURO 2020 - UEFA lenkt bei Rücknahmefrist für Eintrittskarten ein

Von Chaled Nahar

Fans, die Eintrittskarten für die EM gekauft haben, sollen sich bis zum 26. Januar entscheiden, ob sie ihre Tickets behalten wollen - ohne zu wissen, wo die Spiele wirklich stattfinden. Nun lenkt die UEFA ein.

Die UEFA verwies auf Anfrage der Sportschau auf eine Aktualisierung in den "Häufig gestellten Fragen" ihres Onlineshops für Eintrittskarten. Dort heißt es nun: "Sollte ein Spiel der UEFA EURO 2020 an einen Ort verlegt werden, der mehr als 50 km vom ursprünglichen Austragungsort entfernt ist, haben Ticketkäufer Anspruch auf eine vollständige Rückerstattung des Ticketpreises, wenn sie nicht teilnehmen können oder wollen."

Auch wenn diese Formulierung Fragen nach weiteren einzuhaltenden Fristen offen lässt, scheint der größte Ärger bei den Eintrittskarteninhabern damit vorerst ausgeräumt - den die UEFA zuvor mit einer E-Mail erst verursacht hatte.

Zunächst hieß es: Keine Rückerstattungen bei Spielverlegungen

Die UEFA erklärte darin, dass aufgrund der Coronavirus-Pandemie neue Vertragsbedingungen gelten - die beinhalteten aber ein regelrechtes Ultimatum und eine große Unwägbarkeit für die Fans.

Wenn man mit den Änderungen im Vertragswerk nicht einverstanden sei, könne man seine Eintrittskarten zurückgeben, schrieb die UEFA. Die Fans würden dann ihren vollständigen Kaufpreis erstattet bekommen. Aber: Die Frist dafür endet am 26. Januar 2021 um 14 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Zu einem Zeitpunkt also, an dem noch gar nicht klar ist, ob das Turnier wegen der Coronavirus-Pandemie wirklich an allen zwölf geplanten Standorten stattfinden wird und wenn nein, welche davon möglicherweise ausscheiden oder wohin Spiele verlegt werden.

Rückerstattungen sind in den Bedingungen zwar bei einer Spiel- oder Turnierabsage vorgesehen. Unter "Änderung des Spielorts" steht aber nach wie vor: "Erfolgt die Änderung des Spielorts aus Gründen höherer Gewalt, werden keine Rückerstattungen vorgenommen." Das Wort "Pandemie" nahm die UEFA bei der Aktualisierung der Bedingungen dagegen in die Liste der Ereignisse auf, die als "höhere Gewalt" gelten.

Fans kritisierten ein dadurch mögliches Szenario:

  • Ein Fan hat eine Eintrittskarte für das Spiel Deutschland gegen Frankreich in München gekauft.
  • Das Spiel darf aber in der Pandemie aufgrund behördlicher Vorgaben nicht in München ausgetragen werden.
  • Die Partie wird nach Baku in Aserbaidschan verlegt, wo gespielt werden darf und Fans ins Stadion können.
  • Die Eintrittskarte und der Kauf der Karte behalten ihre Gültigkeit, eine Erstattung ist nicht möglich.

Dieser Ablauf ist mit der neuen Formulierung der UEFA nicht mehr möglich.

Ein Fan: "Gebe alle Karten zurück - aus Prinzip"

Fußballfan Jonathan Reece aus Köln

Fußballfan Jonathan Reece aus Köln

Jonathan Reece aus Köln ist Fan der englischen Mannschaft. Er hatte Eintrittskarten für fünf Spiele bei der EM, darunter ein Halbfinale und das Endspiel. Mit dem Wissensstand der ersten E-Mail wählte er die Rückerstattung. "Ich habe 500 Euro für die Karten ausgegeben. Wenn unklar ist, wo die Spiele stattfinden, will ich die Karten aber nicht mehr haben. Ich kann doch jetzt noch gar nicht sagen, ob ich in die jeweiligen Länder reisen kann oder will", sagte der Psychatriepfleger im Gespräch mit der Sportschau.

"Das Risiko, das Geld zu verlieren ist mir zu groß. Und ich bin nicht bereit, mich von der UEFA erpressen zu lassen. Das ist eine Sache des Prinzips", sagte Reece. Er hat seine Karten allesamt zurückgegeben.

Kartenpreise EURO 2020 (in Euro)
Kategorie 1Kategorie 2Kategorie 3
Eröffnungsspiel22514575
Gruppenphase185 (125)125 (75)50 (30)
Achtelfinale185 (125)125 (75)50 (30)
Viertelfinale225 (125)145 (75)75 (30)
Halbfinale595345295
Endspiel945595295

UEFA verteidigt sich: Dritte Gelegenheit zum Umtausch der Karten

Die geplanten Spielorte der EURO 2020 auf einer Landkarte

Die geplanten Spielorte der EURO 2020 auf einer Landkarte

Die UEFA verteidigte sich zunächst auf Anfrage der amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press. Der Passus "Änderung des Spielorts" habe schon in den alten Versionen der Geschäftsbedingungen in dieser Form bestanden, teilte die UEFA mit, ohne zu erwähnen, dass dieser Teil nun ganz entscheidende Bedeutung für die Fans hat.

Die UEFA verwies zudem darauf, den Fans seit der Verlegung des Turniers nun zum dritten Mal die Gelegenheit zu geben, ihre Karten umzutauschen. Bei Spielverlegungen in andere Stadien würde man im Ernstfall "auf vertretbare Reisedistanzen" achten. Diesen Worten folgte nun die neue Formulierung in den "häufig gestellten Fragen".

Turnier steht in seinem Format in Frage

Das Turnier wurde 2020 wegen der Coronavirus-Pandemie abgesagt und für den Zeitraum zwischen dem 11. Juni und 11. Juli 2021 neu angesetzt. Allerdings gibt es mittlerweile auch erhebliche Zweifel an der Austragung im kommenden Sommer. Eine Austragung des Turniers in zwölf verschiedenen Ländern erscheint angesichts der Pandemie unrealistisch. Auch eine erneute Absage ist im Gespräch. Zuletzt bekräftigte die UEFA, das Turnier im geplanten Format durchzuziehen und im März eine Entscheidung darüber zu treffen, ob Fans in die Stadien dürfen.

nch | Stand: 20.01.2021, 14:48

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