Digitales Speeddating mit Fußballprofis - der Medientag des DFB

Antonio Rüdiger, Toni Kroos und Jamal Musiala

EM-Trainingslager in Seefeld

Digitales Speeddating mit Fußballprofis - der Medientag des DFB

Von Marcus Bark (Seefeld)

Im fliegenden Wechsel huschen Nationalspieler durch das Speeddating beim digitalen Medientag der deutschen Nationalmannschaft. Es geht um Hans, Jogi, Krieger, die Dreierkette und Pläne, schon jetzt die "hoffentlich 50 Jahre" nach der Karriere abzusichern.

Der Medientag beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) im Trainingslager vor großen Turnieren ist schon immer ein Speeddating gewesen. In der Regel saßen alle Nationalspieler an je einem Tisch. Die Reporter setzten sich dazu, fragten, bekamen Antworten und wechselten nach ein paar Minuten den Tisch.

Vor der WM 2014 gab es in Südtirol ein nettes Rahmenprogramm, als Lukas Podolski einen Reporter in den Hotelpool warf. Vor der WM 2018 war vor allem die Frage, ob Mesut Özil und Ilkay Gündogan erscheinen würden, die wegen der Affäre um das Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan Schlagzeilen machten. Özil wurde entschuldigt, Gündogan stand nur ausgewählten Medien zur Verfügung.

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Zwei Plattformen, aber keine Standardfrage

In Seefeld vor der EURO 2020 gab es dann ein digitales Speeddating - während einer Pandemie zu erwarten. Es musste am Samstag (05.06.2021) bei einigen schon vorher sehr schnell gehen. Denn die Kommunikationsplattform war eine andere als die, mit der während einer Unterbrechung die Pressekonferenz mit Oliver Bierhoff abgehalten wurde.

So gab es gut zwei Stunden Videokonferenzen mit einem Direktor des DFB und vielen Nationalspielern. Zumindest in der Runde für Onlinejournalisten gab es nicht ein Mal die Frage: "Könnt ihr mich hören?" Allein das war schon ein Erfolg.

Fliegende Wechsel, auch der Meinung

Auch die Netze blieben stabil, so wurde die vorgegebene Zeit von je etwa fünf Minuten perfekt ausgeschöpft. Dieses Mal wechselten die Spieler die Tische, und manchmal auch die Meinung. Antonio Rüdiger, der von seinem Vereinskollegen Kai Havertz am Vortag als "Krieger" bezeichnet worden war, sagte, dass es in den kommenden Wochen "26 Krieger" brauche, um bei der Europameisterschaft erfolgreich zu sein.

Die Frage, wie er denn Leroy Sané zum "Krieger" erziehen wolle, erwischte ihn dann aber auf dem falschen Stuhlbein: "Ein Krieger ist nicht drin. So einem Spieler musst du gewisse Freiräume geben."

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Dreierkette gegen Frankreich und Portugal - oder ein großer Bluff

Für die Mannschaft Frankreichs hingegen soll der Raum am 15. Juni beim Auftaktspiel extrem verknappt werden. Dies wird, sofern der Bundestrainer nicht den Auftrag erteilte, eine falsche Fährte zu legen, mit einer Dreier-/Fünferkette in der Abwehr geschehen.

"Gegen Frankreich und Portugal (zweiter Gruppengegner am 19. Juni, d. Red.) ist die Grundidee, kompakter zu stehen und dann schnell umzuschalten", gab Marcel Halstenberg Einblick in die Pläne. Mit einer Fünferkette stünde die Nationalmannschaft "gegen spielstarke Gegner stabiler in der Breite", so der Leipziger.

"Es spielt sich leichter, wenn man schon etwas gewonnen hat"

Seinem ehemaligem Vereinskollegen Timo Werner war die Euphorie nach dem Gewinn der Champions League auch via Breitbandverbindung anzusehen. "Man hat nicht mehr so diesen Zwang, es spielt sich leichter, wenn man schon etwas gewonnen hat", sagte Werner. Sein neues Selbstvertrauen, erworben mit dem FC Chelsea, helfe "jetzt auch hier bei der Mannschaft".

Emotionaler Moment auch für Christian Streich

Christian Günter berichtete, dass seine Nominierung auch seinen Trainer beim SC Freiburg, Christian Streich, angefasst habe: "Es war ein emotionaler Moment für uns beide."

Über den Moment, als er von seiner Berufung erfuhr, erzählte auch der erst 18 Jahre alte Jamal Musiala vom FC Bayern: "Hansi hat mir gesagt, dass er mit Jogi gesprochen hat." Eine weitere Antwort wurde dann jäh unterbrochen. "So, fliegender Wechsel bitte", hieß es aus dem Off. Im gesetzten Fußballalter und dekoriert wie Toni Kroos hätte Musiala vermutlich den Satz noch beendet, so sprang er auf und gehorchte.

"Ich muss nicht unbedingt zum FC Bayern"

Florian Neuhaus weiß hingegen noch nicht, ob er zum FC Bayern wechselt. "Ich bin ein Mensch, der sich gerne etwas traut, kann mir das Ausland auch gut vorstellen. Ich muss nicht unbedingt zum FC Bayern." Er wisse auch noch gar nicht, ob er überhaupt wechseln wolle, denn bei Borussia Mönchengladbach gefalle es ihm sehr gut.

Das hat er gemein mit Jonas Hofmann, der schon genau weiß, dass er es anders als viele Berufskollegen machen wird und sich jetzt schon um die Zeit nach der aktiven Karriere kümmert: "Wir sind als Fußballer privilegiert und verdienen viel Geld. Das musst du clever und intensiv nutzen, um für die hoffentlich mindestens 50 Jahre danach gerüstet zu sein."

Stand: 05.06.2021, 16:30

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