Peter Peters - Gespür für die Gewinnerseite

Peter Peters auf dem Bundestag des DFB 2020

Schalkes Ex-Finanzchef in FIFA-Rat gewählt

Peter Peters - Gespür für die Gewinnerseite

Von Marcus Bark

Peter Peters zieht in den mächtigen Rat des Weltverbandes FIFA ein. Der Funktionär aus der Eifel, der das Ruhrgebiet liebt, ist mehrheitsfähig, weil er ein Gespür dafür hat, immer bei der Mehrheit zu sein. Ein Porträt.

Vier Kandidaten für vier offene Plätze. Es war eine sichere Sache. Trotz des Machtkampfes im DFB, der in den internationalen Verbänden durchaus kritisch gesehen wird, entsendet der deutsche Fußball nach ein paar Jahren Abstinenz wieder einen Vertreter in den FIFA-Rat, den Vorstand des Fußball-Weltverbandes. DFB-Vizepräsident Peter Peters wurde am Dienstag von den Delegierten des UEFA-Kongresses in Montreux per Akklamation in das Gremium gewählt.

Im Machtkampf des DFB streiten Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius. Aus dem Verband ist zu hören, dass es bald zum Showdown kommen wird. Einen werde es treffen. Wenn es stimmt, was über den Funktionär Peter Peters zu hören ist, dann wird es Curtius erwischen. Peters, erster Vizepräsident des DFB, stehe nämlich immer auf der Seite der Gewinner. Peters wird zum Lager von Keller gezählt.

"Ich habe ein gutes Netzwerk"

Es gibt Aussagen von Peters, die deuten darauf hin, dass das stimmt. Er sagt auch nicht, dass es nicht so wäre. Aber er sagt eben auch nicht, dass es so ist. Peter Peters ist durchaus gesprächig. Aber am Ende kommt häufig auch noch der Satz, dass es niemand sonst wissen oder gar lesen müsse, was gesagt wurde.

So arbeitet ein Strippenzieher. Peter Peters schmunzelt, wenn er den Begriff hört. Ob er etwa keiner sei? "Ich habe ein gutes Netzwerk." Das wird gepflegt, da wird registriert, wer was sagt, da wird auch dokumentiert, wer was sagt. So erzählen es Leute, die an den Fäden des Netzwerkes zu finden sind. Akribie ist ein Wort, mit dem Peters häufig beschrieben wird.

Ein Herz für den Außenseiter

Peter Peters wurde vor 58 Jahren in Ochtendung nahe Koblenz geboren. Er spielte selber Fußball auf bescheidenem Niveau, fuhr gerne und häufig längere Strecken, um Fußball auf weitaus höherem Niveau zu sehen. "Ich habe große Europapokalabende auf dem Bökelberg in Gladbach erlebt." Das legendäre 6:6 im Halbfinale des DFB-Pokals 1984 zwischen Schalke 04 und dem FC Bayern sah er im Parkstadion, am liebsten aber habe er in jenen Jahren den VfL Bochum im Ruhrstadion gesehen: "Ich hatte ein Herz für den Underdog."

Diplomarbeit als Türöffner

Zum Studium der Betriebswirtschaft zog Peters nach Dortmund. Dort lebt er heute noch. Die Diplomarbeit schrieb Peters über "Controlling im Fußball", das war ein Türöffner. Als Sportredakteur bei einer großen Ruhrgebietszeitung bewarb er sich auf eine Stellenanzeige des 1. FC Kaiserslautern. Er bekam den Job, genau wie zwei Jahre später den bei Schalke 04. "Den Vertrag habe ich unterschrieben, als wir mit dem FCK auf Schalke gespielt haben. Am 28. Juni 1993 war dann mein erster Arbeitstag."

Nostalgie, Schwärmen, Revue passieren lassen

Das liest sich wie ein simpler Satz aus einem Lebenslauf. Aber so, wie Peters ihn sagt, ist das viel mehr. Es ist Nostalgie, ein Schwärmen, auch ein Revue passieren lassen. Hach ja, Schalke. 27 Jahre hat er für den Klub gearbeitet, die meisten davon war er für die Finanzen verantwortlich. 

Ach ja, Schalkes Finanzen. Weit mehr als 200 Millionen Euro Verbindlichkeiten standen zu Buche, als Peters im Sommer 2020 seinen unbefristeten Vertrag als Vorstand auflöste. Es ging nicht mehr mit dem mächtigen Aufsichtsratschef Clemens Tönnies, mit dem es so viele Jahre so gut gegangen war. An der Seite von Tönnies zu bleiben, hätte auch geheißen, an der Seite des Verlierers zu sein. "Wenn kein Vertrauen mehr da ist, muss man sich trennen." Der Fleischunternehmer Tönnies gab seinen Posten ein paar Wochen nach Peters auf.

FC Schalke 04: Pleite am Abgrund Sportschau 21.03.2021 11:03 Min. Verfügbar bis 21.03.2022 Das Erste

"Niemand kann sagen, dass einer alles richtig macht", sagt Peter Peters zu seiner Zeit auf Schalke, als sehr viel Geld eingenommen und noch mehr ausgegeben wurde. "Drei Titel" seien dabei herausgesprungen, jeweils Pokalsiege, "und ein paar Vizemeisterschaften".

Kurz nachdem Peters ging, kündigte der Klub an, keine Wetten auf die Zukunft mehr abzuschließen. Warum hat er als Finanzchef nicht früher gesagt, dass da etwas aus dem Ruder läuft? Er hätte es doch merken müssen. "Jede Entscheidung zu seiner Zeit hatte eine gewisse Begründung", sagt Peters. Das lässt nach oben und unten Platz, nach links und rechts. Das sagt jemand, der sich ungern festnageln lässt.

Arena als größte Wette auf die Zukunft

Peter Peters (l.), Clemens Tönnies auf der Schalker Mitgliederversammlung 2006

Peter Peters und Clemens Tönnies: "Wenn kein Vertrauen mehr da ist, muss man sich trennen."

Das mit der Wette auf die Zukunft, da möchte er auch noch etwas geraderücken. "Die größte Wette auf die Zukunft war der Bau der Arena." Schalke in der 2. Liga, wie es jetzt passieren wird, oder viele Jahre ohne Einnahmen aus dem Europapokal, dann wäre die Arena kaum zu finanzieren gewesen. Schon so war es schwierig genug. Seit 20 Jahren wird nun in ihr gespielt.

Peter Peters hält heute noch Anteile an der Arena. Er hat nie richtig losgelassen vom Verein, der "immer mein Verein bleiben wird". Auf der Geschäftsstelle tauche er häufiger mal auf, und sei es um Kaffee zu trinken mit Christina Rühl-Hamers, seiner Nachfolgerin, früher engste Mitarbeiterin.

Umweg in den Aufsichtsrat?

Im Juni will er sich in den Aufsichtsrat wählen lassen, aber dafür muss er vom Wahlausschuss zugelassen werden. Wie zu hören ist, sind noch ein paar Strippen zu ziehen. Die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung", für die Peters früher arbeitete, deckte auf, dass er dabei ist. Peters, so die "WAZ", sei als "Mitglied der Ski-Abteilung" bei einer Sitzung des Schalker Sportbeirats anwesend gewesen. Über diesen Beirat führt ein Weg in den Aufsichtsrat, ohne gewählt werden zu müssen.

Mitglied im FIFA-Rat, seit 2007 im Präsidium des DFB und stellvertretender Sprecher der Deutschen Fußball Liga (DFL), in der er seit mehr als 15 Jahren einen Posten besetzt - da bliebe trotzdem noch Zeit, um im Kontrollgremium "seines" Klubs mitzuwirken.

"Ich bin zufrieden, wie es ist"

Langeweile habe er aber nicht. "Manche sagen ja, ich wolle nach Christian Seifert DFL-Chef werden. Aber das ist alles nicht meine Lebensplanung. Ich bin zufrieden, wie es ist."

Die Planung sieht vor, dass er da bleibt, wo er ist, jedenfalls räumlich. "Weg aus dem Ruhrgebiet? Das will ich ausschließen." Er mag den Menschenschlag, die Offenheit, er mag, dass viele im Pott so sind, wie er sich sieht: "Ich bin ein geselliger Mensch." Wenn dabei auch noch Strippen gezogen werden können - umso besser.  

Stand: 20.04.2021, 08:00

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