Leverkusens Sardar Azmoun kritisiert das Iranische Regime

Nach dem Tod von Mahsa Amini Iranische Fußballer und die Proteste der mutigen Frauen

Stand: 05.10.2022 08:27 Uhr

Das iranische Regime setzt Fußballer unter Druck, die die von Frauen getragenen Proteste unterstützen. Aber die Stars mit großer Reichweite machen weiter, auch Leverkusens Sardar Azmoun.

Von Marcus Bark

Ein Aufstand für die Freiheit und gegen Unterdrückung, er lebt auch von Prominenten, die ihn unterstützen. Promis, die sich gegen das Regime und Diktatoren stellen, mutig ihre Stimmen erheben, auch wenn harte Repressalien drohen.

Sportstars, die bekannt sind aus den Medien und über ihre sozialen Kanäle Millionen von Menschen erreichen, spielen dabei auch eine wichtige Rolle.

Aufstand in Belarus ohne Erfolg

So war das in Belarus, als das Volk ab Mitte des Jahres 2020 nach manipulierten Präsidentschaftswahlen gegen Alexander Lukaschenko aufbegehrte. Der Aufstand wurde mit Gewalt und anderen Repressionen niedergeschlagen, Lukaschenko ist weiter im Amt und unterstützt den russischen Despoten Wladimir Putin in dessen Krieg gegen die Ukraine.

Seit Mitte September 2022 begehren nun vor allem die Frauen im Iran gegen das Regime auf. Auslöser war der Tod der 22 Jahre alten Mahsa Amini, die in Polizeigewahrsam starb. Sie hatte angeblich gegen die Kleiderregeln verstoßen, die in der islamischen Republik herrschen.

Mutig demonstrieren seitdem Frauen gegen die Unterdrückung durch die Mullahs, die ihre Schergen mit Gewalt antworten lassen.

Schwierige Nachrichtenlage

Ob dem Regime der Sturz droht, ob die Frauen möglicherweise unter der aktuellen Regierung mehr Selbstbestimmung erlangen können, ist aus der Entfernung nicht seriös zu beurteilen. Was genau passiert im Iran, wie viele Tote und Verletzte der Aufstand bislang forderte, ist nicht bekannt.

Der Propaganda des Iran ist nicht zu trauen, unabhängige Journalistinnen und Journalisten arbeiten in der islamischen Republik in ständiger Gefahr, mehrere sollen verhaftet werden. Die sozialen Netzwerke und aus dem Exil tätige Medien wie das in London ansässige "Iran International", betrieben von Oppositionellen, sind wichtige Informationskanäle.

Meldungen über Ali Daei und Mehdi Mahdavikia

So berichtet "Iran International", dass Hamid-Reza Ali-Asgari, ein Fußballer des in Teheran ansässigen und sehr populären FC Persepolis festgenommen worden sei - wegen eines Posts, mit dem er die Aufständischen unterstützte. Ali Daei, eine iranische Fußballlegende, der um die Jahrtausendwende in Deutschland für Arminia Bielefeld, den FC Bayern München und Hertha BSC spielte, soll bei der Einreise der Pass abgenommen worden sein, weshalb er das Land nun nicht mehr verlassen dürfe. Das berichtet "Iran International" unter Berufung auf einen Augenzeugen.

Mehdi Mahdavikia, ebenfalls eine Fußball-Ikone und Regime-Kritiker, kündigte Medienberichten zufolge seinen Job als U23-Nationaltrainer. "Ich habe keinerlei Kontakt mehr mit dem Fußball im Iran", wurde der ehemalige Bundesliga-Profi von der Tageszeitung "Hamschahri" zitiert. Mahdavikia arbeitet auch als Co-Trainer in der Jugendabteilung des Hamburger SV.

Festnahmen und Einzelhaft

Der ehemalige Nationalspieler Hossein Mahini soll im "Evin prison" in Einzelhaft gesessen haben, das als Gefängnis mit den schlimmsten Bedingungen im Iran gilt. Auch er soll allein wegen Solidaritätsbekundungen mit der aufständischen Frauenbewegung festgenommen worden sein. Laut eines Medienberichts ist der 36-Jährige in der Nacht zu Mittwoch (05.10.) gegen eine Kaution von umgerechnet 30.000 Euro wieder aus der Haft entlassen worden.

Spieler des FC Persepolis, die sich während eines Meisterschaftsspiels mit dem ehemaligen Profi ihres Klubs solidarisiert und einen Trauerflor getragen haben sollen, seien ebenfalls vorgeladen und verhört worden, heißt es in sozialen Medien.

Es ist gefährlich, im Iran seine Meinung kundzutun, noch viel gefährlicher als für Iraner im Ausland. Dennoch muss sich auch ein Sardar Azmoun, der für Bayer Leverkusen Fußball spielt, gut überlegen, was er bei Instagram postet. Schließlich leben seine Eltern noch im Iran.

"Schämt euch alle!"

Ein Post, mit dem er das Regime des Mordes anklagte, wurde daher wieder gelöscht. "Schämt euch alle, wie leichtfertig Menschen ermordet werden. Lang leben die iranischen Frauen", hatte Azmoun geschrieben.

Am Montag (03.10.2022) meldete sich der Leverkusener wieder zu Wort. "Die Elite Irans" hieß es übersetzt in einer Story bei Instagram. Damit erinnerte Azmoun an die Proteste an der Technischen Universität Sharif, gegen die am Vortag brutal vorgegangen worden war.

Spieler mit großer Reichweite

Auch wenn das Regime im Iran den Zugang zum Internet während des mit dem Hashtag #IranProtests gekennzeichneten Aufstands stört, dürfte sich die Botschaft weit verbreitet haben. Azmoun hat fünf Millionen Follower bei Instagram, das sind etwa 400.000 mehr als bei Mehdi Taremi, der beim FC Porto spielt.

Taremi, der mit seiner Mannschaft am Dienstag in der Champions League auf Leverkusen mit seinem Nationalmannschaftskollegen trifft, hatte ein wortgleiches Posting veröffentlicht. Auch Alireza Jahanbakhsh von Feyenoord Rotterdam veröffentlichte das Posting. Bei ihm erreichte es 1,8 Millionen Follower.

Der Iran hat sich für die Weltmeisterschaft in Katar qualifiziert und wird bei dem Turnier unter anderem auf die USA treffen. Das Duell galt schon bei der Auslosung als hochbrisant, inzwischen ist es um eine heikle Note erweitert worden.

Sanktionen von der FIFA gefordert

Ayatollah Ali Chamenei, das geistliche Oberhaupt des Iran, machte am Montag außer Israel auch die USA für die Proteste verantwortlich. Deutschlands Außenministerin Annalena Baerbock kündigte unterdessen aufgrund der Vorkommnisse an der Universität Sharif weitere Sanktionen an.

Eine Sanktion, die den Sport betrifft, forderte am Freitag (30.09.2022) die iranische Frauenrechtsbewegung "Open Stadiums". Sie verlangte in einem Brief an den Weltverband FIFA, dass der Iran von der WM in Katar ausgeschlossen werde, unter anderem wegen der brutalen Niederschlagung der gegenwärtigen Proteste.

Eine Reaktion der FIFA, an deren Präsidenten Gianni Infantino der Brief adressiert war, steht aus. Die Chancen, dass der Weltverband der Forderung nachkommen wird, sind äußerst gering. Sanktionen fallen der FIFA schwer. So wurde die russische Nationalmannschaft Ende Februar zwar von der weiteren Qualifikation zur WM ausgeschlossen, der russische Fußballverband ist aber weiterhin Mitglied der FIFA.

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Sportschau, 13.09.2020 12:55 Uhr