Adebayo Akinfenwa und sein Kampf gegen Rassismus

Adebayo Akinfenwa

Fußball in England

Adebayo Akinfenwa und sein Kampf gegen Rassismus

Von Tim Beyer

Mit den Wycombe Wanderers könnte Adebayo Akinfenwa in Englands zweite Liga aufsteigen. Es wäre eine Premiere für Akinfenwa, 38. Über seine Erfahrungen mit Rassismus kann man das nicht sagen.

Es waren nur noch wenige Stunden bis zum wichtigsten Spiel in der jüngeren Vereinsgeschichte des englischen Drittligisten Wycombe Wanderers, als der Klub über seine Social-Media-Kanäle ein Video mit dem Titel "Que Sera, Sera" verbreitete. Man sieht darin Fans des Klubs, sie tragen Trikots, halten Schals in die Höhe, einige schunkeln. Es ist die Wycombe-Version des Klassikers. "Que Sera, Sera", singen sie. "Whatever will be, will be. We're going to Wemberly."

"Wemberly", das ist Wembley, der Sehnsuchtsort schlechthin im englischen Fußball. Am Montagabend (13.07.2020) spielen dort die Wycombe Wanderers im Playoff-Finale gegen Oxford United um den Aufstieg in die zweite Liga. Für die Wanderers aus dem südlichen Buckinghamshire, gut 50 Kilometer westlich von London gelegen, ist es die ganz große Bühne. Den Klub gibt es seit 133 Jahren, doch in der zweitklassigen Championship war er noch nie. Damit es nun tatsächlich klappt mit dem Aufstieg, besingen sie ihre Helden, von denen der vielleicht heldenhafteste "Bayo" heißt.

"Bayo", das ist Adebayo Akinfenwa, 38, der Torjäger der Wanderers. Akinfenwa hat noch nie höher als in der dritten englischen Liga gespielt, doch Tore hat er immer erzielt. Seit vier Jahren spielt er für Wycombe, in 173 Pflichtspielen war er an 90 Toren direkt beteiligt. Einige Bekanntheit hat er vor einigen Jahren aber ohne eigenes Zutun erlangt, weil ihm beim Online-Spiel "Fifa" besondere körperliche Fähigkeiten zugeschrieben wurden. Seitdem kennt man seinen Namen, zumindest in "Fifa"-Kreisen. Tatsächlich wiegt Akinfenwa bei einer Körpergröße von 1,80 Meter knapp über 100 Kilo, er hat eher nicht die typische Statur eines Fußballers. In England nennen sie ihn "The Beast", eine Übersetzung erübrigt sich.

Akinfenwa sagt, er fühle sich "entmenschlicht"

Jedenfalls ist Akinfenwa nicht nur der bekannteste Spieler der Wycombe Wanderers, er ist vielleicht auch ihr wichtigster. Er hat in dieser Saison zehn Tore erzielt und sechs weitere vorgelegt, in beiden Disziplinen ist er erfolgreichster Spieler seines Klubs. Dass zuletzt wieder sehr viel über Akinfenwa berichtet worden ist, lag aber nicht an seinen fußballerischen Fähigkeiten, es ging auch nicht um das Spiel "Fifa", sondern um Rassismus.

Nach dem Spiel gegen Fleetwood Town habe er erfahren, sagte Akinfenwa, dass ihn ein Vertreter des Gegners wiederholt als "fetten Wasserbüffel" bezeichnet habe. Was das in ihm ausgelöst hat, hat er in einem Statement auf Twitter erklärt. "Was ein Abend der Freude hätte sein sollen, verwandelte sich in einen der Wut und Frustration", schreibt Akinfenwa. Als Schwarzer fühle er sich "entmenschlicht", wenn man ihn mit einem Tier vergleiche, dessen Fell dunkel ist. "Unabhängig davon, ob diese Sprache mit einer rassistischen Absicht genutzt wurde, müssen wir uns darum bemühen, uns gegenseitig über diese Themen aufzuklären."

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Nun ermittelt die FA

Natürlich sei es wichtig, wenn Sportler auf die Knie gingen, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu protestieren, sagt Akinfenwa. Oder wenn sie Anti-Rassismus-Kampagnen unterstützen. Doch das allein, so sieht er das, werde nicht ausreichen, um einen "wirklichen und lang anhaltenden Wandel" einzuleiten. Dazu brauche es ein Verständnis dafür, wie schmerzvoll Worte sein können. "Wir müssen uns weiterbilden und die möglichen Auswirkungen einer solchen Sprache verstehen und uns der Verletzungen bewusst sein, die sie verursachen kann."

Mittlerweile beschäftigt sich auch die englische Football Association (FA) mit dem Fall. "Wir wurden auf die Vorwürfe aufmerksam gemacht und werden die Angelegenheit untersuchen", sagte ein Sprecher des Verbands dem britischen "Guardian".

"Würde meine Geschichte nicht ändern"

Vor einiger Zeit hat Akinfenwa der Zeitung "The Independent" ein langes Interview gegeben. Er hat darin auch über seine Zeit als Fußballer beim FK Atlantas in Litauen gesprochen, und darüber, wie er dort als 19-Jähriger erste Erfahrungen mit Rassismus gemacht hat. Akinfenwa sagt, Menschen hätten ihn einen "fetten Eddy Murphy" genannt und ihm gedroht, ihn wegen seiner Hautfarbe zu erschießen.

Im gleichen Interview wurde Akinfenwa auch gefragt, ob er manchmal bedauere, dass er diese Erfahrungen machen musste. Er sagte: "Ich würde meine Geschichte nicht ändern. Ich glaube, dass alles, was passiert ist, mich zu der Person geformt hat, die ich heute bin."

Stand: 12.07.2020, 18:35

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