Daten und Dänen - FC Brentford auf dem Sprung in die Premier League

Trainer Thomas Frank umarmt Sergi Canos

Championship-Playoffs

Daten und Dänen - FC Brentford auf dem Sprung in die Premier League

Von Robin Tillenburg

Der FC Brentford steht am Dienstagabend (04.08.2020) vor dem oft als "200-Millionen-Euro-Spiel" betitelten Playoff-Finale um den Aufstieg in die Premier League. Gegner ist der FC Fulham. Während Fulham der breiten Fußballöffentlichkeit bereits bekannt ist, wäre es für Brentford der erste Aufstieg ins Oberhaus. Und der Klub weist so einige Besonderheiten auf.

Der Vergleich zur Geschichte des Baseball-Teams der Oakland Athletics, das durch den populären Film "Moneyball" noch deutlich bekannter wurde, drängt sich auf. Denn genau wie bei den Athletics, die kostengünstige Spieler verpflichten konnten, weil sie diese einer so umfassenden Datenanalyse unterzogen, dass sie Qualitäten erkannten, die die Konkurrenten anhand der gängigen Werte nicht sahen, setzt man auch beim Londoner Zweitligisten auf eine maximal detaillierte Analyse sämtlicher Daten und Werte, um sportliche und finanzielle Erfolge zu feiern.

Die Daten sind der Trainer

Vom Scouting, durch das Brentford bei steigendem sportlichen Erfolg in den jüngsten vier Transferperioden ein Transferplus von über 50 Millionen Euro eingenommen hat, über die richtige Aufstellung, die Elfmeterschützen, den Flüssigkeitshaushalt der Spieler und viele andere Parameter - das Konzept der Londoner basiert fast ausschließlich auf erhobenen Daten. Der Trainer Thomas Frank muss es mittragen, das ist auch ganz klar die Kommunikation der Vereinsführung - und der Däne, der seit 2018 im Amt ist, tut das sehr erfolgreich.

Dass Frank Däne ist, ist in dieser Geschichte mehr als ein Randaspekt. Aber erst einmal zum Ursprung der Erfolgsgeschichte: Ohne finanziellen Hintergrund geht es im Profifußball inzwischen nicht mehr. Bei Brentford kommt der von Matthew Benham. Der Klubbesitzer ist studierter Physiker, wurde durch systematische und ausgeklügelt berechnete Sportwetten zum Multimillionär und gibt das Konzept des am Reißbrett kalkulierten Erfolgs nun an seinen Klub weiter.

Midtjylland und Brentford - Benham und Ankersen

Seine Klubs, um genau zu sein. Denn Benham ist auch Anteilseigner beim FC Midtjylland in Dänemark. Seit er dort 2014 erstmals investierte und Teile seines Konzepts dafür umgesetzt wissen wollte, wurde Midtjylland dreimal dänischer Meister. Vor 2014 nie.

Rasmus Ankersen ist Benhams Mann, der die Daten-Blaupause auf die sportlichen Bereiche umsetzt. Auch er steht in Diensten von Midtjylland und Brentford. Er ist Däne. Genau wie Frank, der Großteil der Kicker von Midtjylland, aber auch viele wichtige Leistungsträger bei Brentford. Im Rückspiel des Playoff-Halbfinals gegen Swansea (3:1) standen gleich vier von ihnen in der Startelf: Henrik Dalsgaard, Christian Nörgaard, Mathias Jensen und Emilian Marcondes.

Angriff als Prunkstück

Das Konzept trägt. Beinahe wäre es sogar der direkte Aufstieg gewesen, doch im Saisonendspurt ging dem besten Angriff der Liga ein wenig die Puste aus, und West Bromwich Albion rettete den zweiten Platz ins Ziel.

Said Benrahma am Ball

Said Benrahma am Ball

Der Angriff ist auch personell das Prunkstück des Teams. In Ollie Watkins (24 Jahre, 26 Saisontore), Flügelspieler Said Brenahma (24, 17 Tore, neun Vorlagen) und Bryan Mbeumo (20, 15 Tore, acht Vorlagen) stehen gleich drei der besten Scorer der Liga im Dienste des Daten-Klubs.

Trio könnte viel Geld einbringen

Alle drei sollen auch heiß umworben sein, sollte einer oder mehrere von ihnen den Verein verlassen, dürfte es erneut ein ordentliches Transferplus geben. Watkins kostete 2017 zwei Millionen Euro, Benrahma 2018 1,7, Mbeumo vergangenen Sommer immerhin 6,5. Keiner von ihnen dürfte für Interessenten unter zehn Millionen Euro zu haben sein, tendenziell liegen alle angesichts der Marktpreise eher in Richtung 20 Millionen Euro.

Es gilt jedenfalls als sicher, dass keiner der drei im nächsten Jahr noch in der Championship spielt. Wenn der Aufstieg gelingt, kommt allein durch die Fernsehgelder so viel Geld in die Kassen, dass Brentford seine drei Kronjuwelen nicht verkaufen muss, um finanziell solide aufgestellt zu sein. Und ansonsten dürften sie so viel Geld einbringen, dass die Scouting-Abteilung sogar eine Kategorie höher auf die (Daten-)Suche gehen kann.

Bei Aufstieg profitiert auch Midtjylland

Zur kommenden Spielzeit hat sich Brentford, unabhängig von der Ligazugehörigkeit, schon die Dienste eines Talents aus Leipzig gesichert: Mittelfeldspieler Mads Bidstrup zieht es an die Themse. Der 19-Jährige kommt - natürlich - aus Dänemark.

Sollte Brentford aufsteigen, das hat man im Klubumfeld bereits angekündigt, wird auch Midtjylland finanziell davon profitieren. Dieses Gesamtkonstrukt, das Benham geschaffen hat, dürfte für Fußballfans auf aller Welt jedenfalls in den nächsten Jahren noch sehr interessant werden. Erst einmal geht es aber gegen Fulham um den bisher größten Schritt des Projekts.

Leeds United wieder erstklassig Sportschau 18.07.2020 00:33 Min. Verfügbar bis 18.07.2021 Das Erste

Stand: 31.07.2020, 11:51

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