FIFA WM 2022 Ghana und Kudus haben jedes Recht zu träumen

Stand: 28.11.2022 19:48 Uhr

Mohammed Kudus schießt Ghana mit zwei Toren zum Sieg gegen Südkorea und damit dem Achtelfinale der WM näher. Im Moment des Erfolgs dachte er auch an die Kinder in der Akademie "Right to dream", über die er den Weg nach Europa fand.

Von Marcus Bark, Doha

Die Wege vom Stadion zur nächstgelegenen U-Bahn-Station werden bei der WM in Katar häufig künstlich verlängert, damit die Zuschauermassen sich ein wenig entzerren. Am Stadion "Education City" gibt es aber keine Wege in Schlangenlinien, stattdessen sperrten Sicherheitskräfte den Weg ab, um ein dichtes Gedränge zu vermeiden. Vielen Fans aus Ghana machte dieser Stau gar nichts aus, denn es gab Livemusik auf dem großen Platz vor dem Stadion, und es wurde getanzt. Noch ein wenig ausgelassener als vor dem Spiel, denn das 3:2 gegen Südkorea bedeutete den ersten Sieg bei einer WM seit 2010 in Südafrika.

Gegen Uruguay geht es ums Weiterkommen

Damals schieden die Afrikaner nach einem denkwürdigen Spiel im Viertelfinale gegen Uruguay nach Elfmeterschießen aus. In Katar werden die beiden Mannschaften im letzten Spiel der Gruppe H aufeinandertreffen. Die Partie am Freitag (02.12.2022, 16 Uhr) wird angesichts der Konstellation einem K.o.-Spiel ähneln.

Emotionen sind bei Ghana immer dabei - wie beim Drama 2010

Sportschau, 28.11.2022 13:00 Uhr

Ghana hat das Weiterkommen in der eigenen Hand, weil Torwart Lawrence Ati Zigi am Montag (28.11.2022) seine Hände an viele der 17 Torschüsse und Kopfbälle Südkoreas bekam. Die Mannschaft von Trainer Otto Addo gewann aber vor allem, weil drei von sieben eigenen Torschüssen ins Ziel fanden.

Addo lobt Kudus

Als Meister der Effizienz feierte Addo seinen Mittelfeldspieler Mohammed Kudus, der "natürlich einen großen Anteil am Sieg" gehabt habe - mit seinen zwei Toren aus zwei Torschüssen.

Das brachte dem 22 Jahre alten Profi von Ajax Amsterdam die Auszeichnung "Man of the Match" ein, die stets einen kurzen Auftritt bei der Pressekonferenz nach sich zieht. Kudus berichtete, dass er glücklich sei, und als die Frage kam, ob er an die Kinder in der "Right to dream Academy" denke, sagte er, dass die "mich sicher unterstützt haben", und er deshalb an sie denke.

Kudus tut sich auf der PK schwerer als auf dem Feld

Nun, nach einem Spiel der Weltmeisterschaft, das er wesentlich beeinflusst hatte, in einem recht großen Saal zu sitzen und Fragen zu beantworten, schien ihm schwerer zu fallen als die beiden Tore.

Addo sieht noch Luft nach oben

Coach Addo, der den Aushilfsjob bei Ghana nach der WM aufgeben und dann nur noch als Talentetrainer bei Borussia Dortmund tätig sein wird, war redseliger. Kudus sei ein "guter Charakter, wie die anderen Jungs auch", und ein "relativ pflegeleichter Typ", der noch einiges lernen und verbessern müsse: "Er muss defensiv auf jeden Fall mehr arbeiten."

Kudus ist es gewohnt, viel zu lernen, nicht nur das Verschieben, das Passen, das Pressen und das Schießen.

Das WM-Gruppenspiel zwischen Südkorea und Ghana in voller Länge. Kommentatorin: Christina Graf.

Geboren in Nima, einem Armenviertel in der ghanaischen Hauptstadt Accra, kam er mit zwölf Jahren in die Akademie "Right to dream", "das Recht zu träumen". Sie wird betrieben von einer Organisation, die nach eigenen Angaben und mehreren Berichten seriöser Medien nicht auf Profit mit dem Verkauf von ausgebildeten Fußballern, vor allem nach Europa, aus ist. Da der Traum bei den meisten jungen Fußballern platzt, irgendwann mit dem Sport ausreichend oder sogar viel Geld zu verdienen, soll die Akademie großen Wert auf hochwertige Schulbildung legen.

Akademie kaufte dänischen Erstligisten

Das Besondere an "Right to dream" scheint zu sein, dass sich nicht Vereine schlicht aus der Akademie bedienen, sondern die Akademie einen Verein einband. Sie kaufte 2015 den dänischen Erstligisten FC Nordsjaelland, der heute im "Right to dream Park" seine Heimspiele austrägt und von Tom Vernon geführt wird, dem englischen Gründer von "Right to dream".

Klopp: Kudus ist ein "unglaublicher Spieler"

Kudus wechselte 2018 zum FC Nordsjaelland, zwei Jahre später kaufte Ajax Amsterdam ihn für etwa neun Millionen Euro. In der laufenden Champions League schoss Kudus vier Tore in sechs Spielen, leistete zudem zwei Vorlagen. Jürgen Klopp, der mit dem FC Liverpool auf den niederländischen Rekordmeister getroffen war, nannte Kudus einen "unglaublichen Spieler".

Solche Aussagen, die Leistungen, die Tore in Champions League und nun bei der WM werden noch mehr Begierden bei anderen Klubs wecken. Borussia Dortmund gilt als einer der interessierten Vereine. Otto Addo kennt nicht nur Kudus' Telefon-, sondern auch seine Zimmernummer.