Italien muss in die Playoffs - die bösen Geister sind zurück

Italiens Emerson beim WM-Qualifikationsspiel in Belfast

Fußball | WM-Qualifikation

Italien muss in die Playoffs - die bösen Geister sind zurück

Italien verspielt die direkte Qualifikation für die WM 2022 in Katar und zittert vor den Playoffs. Die Mannschaft wirkt wie eine schlechte Kopie des Europameister-Teams und könnte zum zweiten Mal in Folge die WM verpassen.

Der Spielplan in Italien hatte für den 26. November bislang keine besonderen Ereignisse vorgesehen. In der Serie A ist für diesen Freitagabend lediglich die Partie zwischen Cagliari und Salernitana angesetzt.

Dies änderte sich jedoch am späten Montagabend (15.11.2021) schlagartig: Als feststand, dass Europameister Italien mit dem 0:0 gegen Nordirland die große Chance auf die direkte WM-Qualifikation liegen ließ - und nun stattdessen den Umweg über die Playoffs gehen muss. Die Partien werden von der UEFA eben am 26. November ausgelost, die Liste möglicher Gegner für ein "Do-or-die-Spiel" um die letzten WM-Tickets hat bei Fans und italienischen Medien das große Zittern ausgelöst.

Ronaldo oder Ibrahimovic - Italien zittert

Möglich wäre zum Beispiel ein Duell in einem Playoff-Finale gegen Portugal, Europameister von 2016. Deren Anführer Cristiano Ronaldo war erst im Sommer aus Turin geflüchtet. Die Verwünschungen enttäuschter Juventus-Tifosi, die sich vom Superstar den Königspokal erhofft hatten, dürfte Ronaldo noch in Erinnerung haben - wenn da mal nicht einer eine Rechnung mit den Italienern offen hat.

Ebenfalls in der Verlosung ist Schweden - ausgerechnet jenes Team, das Italien vor vier Jahren in den Playoffs zur WM 2018 scheitern ließ. Nun könnten die Schweden dem vierfachen Weltmeister tatsächlich zum zweiten Mal in Folge den Weg zu einer WM versperren - angesichts dieser Konstellation braucht man wenig Fantasie, um sich das Grinsen im Gesicht von Schwedens Altmeister Zlatan Ibrahimovic vorzustellen. In Italien sind in jedem Fall die bösen Geister von 2017 zurück - vom Zauber des EM-Sommers ist hingegen nichts mehr übrig. "Vom EM-Himmel ins Fegefeuer", fasste "Tuttosport" die Stimmung in der Sportnation zusammen.

"Wie ein Gespenst" - Viel Kritik für die EM-Helden um Jorginho

Eingebrockt haben sich die Italiener diesen "Albtraum" ("Gazzetta dello Sport") selbst. Schon bei einem Sieg gegen die Schweiz am vergangenen Freitag im heimischen Olimpico hätte der Europameister vorzeitig die Qualifikation für Katar sichern können. Dem enttäuschenden 1:1, inklusive eines vergebenen Elfmeters durch Jorginho in der Schlussminute, folgte der beängstigende Auftritt in Belfast gegen Nordirland. Gegen "eine Mannschaft auf dem Niveau eines Zweitligisten", wie der "Corriere dello Sport" wetterte.

Italiens Medien gingen hart mit der "Squadra" ins Gericht, die doch weitestgehend identisch mit der Auswahl ist, die sich im Juni im Finale von Wembley die EM-Krone aufsetzte. Vor allem Jorginho, Europas Fußballer des Jahres und nach dem EM-Triumph schon zum neuen Andrea Pirlo ausgerufen, bekam viel Kritik ab, nicht nur wegen seiner Elfmeter-Fehlschüsse. "Ein Gespenst auf dem Spielfeld", urteilte die "Gazzetta dello Sport" über Jorginho.

Die Verantwortung für den kläglichen Ausgang der WM-Qualifikation liege aber bei Trainer Roberto Mancini, betonte Italiens große Sportzeitung: "Er konnte dem Abschwung nach der EM nicht entgegenwirken." In der Tat liefen auch die anderen Helden aus dem Sommer, wie Manuel Locatelli oder Nicolo Barella, zuletzt wie schlechte Kopien über den Rasen.

Mancini: "Wir müssen ruhig bleiben"

In der WM-Qualifikation hatten die souverän gestarteten Italiener nach dem EM-Triumph jeglichen Schwung verloren, aus den jünsten fünf Partien holten sie nur vier Remis und einen Sieg. Mit einem deutlichen Sieg gegen die Nordiren hätten die Italiener am Ende dennoch die Schweiz hinter sich gelassen, tatsächlich war der Europameister gegen die diszipliniert verteidigenden Nordiren meilenweit entfernt von einem Treffer. "Jetzt stecken wir in diesem Schlamassel, weil wir eine Gruppe weggeworfen haben, die wir eigentlich schon sicher hatten", meinte Mancini.

Der Coach forderte sein Team schon unmittelbar nach dem bitteren Ergebnis von Belfast auf, beim Gedanken an die heiklen Playoffs im kommenden März bloß nicht die Nerven zu verlieren. "Wir müssen ruhig bleiben. Wir haben immer noch die Chance, es zu schaffen. Das ist das Wichtigste", mahnte Mancini und gab vor, er sei "zutiefst zuversichtlich". Den Glauben an die eigene Stärke muss er seinen Spielern aber erst wieder zurückgeben.

red/dpa/sid | Stand: 16.11.2021, 13:50

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