Murat Yakin bei der Schweiz - unbesiegter Improvisationskünstler

Der Schweizer Nationaltrainer Murat Yakin bejubelt den Einzug in die WM-Endrunde

Fußball | WM-Qualifikation

Murat Yakin bei der Schweiz - unbesiegter Improvisationskünstler

Von Christian Mixa

Die Schweiz lässt Europameister Italien hinter sich und qualifiziert sich direkt für die WM 2022 in Katar. Für den Erfolg wird auch Nationaltrainer Murat Yakin gefeiert, der die "Nati" durch einen schwierige Übergangsphase gesteuert hat.

Die Schweizer Zeitung "Blick" bot am Dienstagmorgen (16.11.2021) eine kleine Presseschau aus dem Nachbarland Italien, aus besonderem Anlass: "So lässt die Nati Italien leiden", überschrieb das Boulevardblatt aus Zürich die Auswahl apokalyptischer Meldungen aus der "Gazzetta dello Sport" und anderen italienischen Zeitungen.

Während der Europameister mit einem kläglichen 0:0 in Nordirland die direkte Qualifikation zur WM verspielte, ergriff die Schweizer "Nati" ihre Chance: Sie buchte mit einem 4:0-Erfolg gegen Bulgarien das direkte Ticket nach Katar - und schickte Italien in die Playoffs, in ein Drama mit ungewissem Ausgang.

Yakin feiert und verlängert bis 2024

14.000 Zuschauer in Luzern feierten ihr Team schon vor dem Schlusspfiff, als Italiens Nullnummer in Belfast bereits feststand. Die Schweizer Medien feierten im Anschluss vor allem den Trainer Murat Yakin. Bei der Pressekonferenz nach dem Spiel gab es für Yakin sogar Applaus von einigen der anwesenden Medienvertreter. Der Trainer durfte dann selbst bestätigen, dass sein Vertrag infolge der geglückten Qualifikation vorzeitig bis zur EM 2024 verlängert wird und kündigte an, sich eine oder zwei Zigarren zu gönnen, zur Feier des Tages.

Yakin, der fast alle großen Schweizer Klubs trainiert hat, fliegen als Nationalcoach die Herzen zu: Nicht nur, weil er die "Nati" zur WM geführt hat, die dabei den Europameister hinter sich gelassen hat. Yakin ist gerade einmal seit drei Monaten im Amt. Er hat den besten Punkteschnitt (2,14 Punkte pro Spiel) aller Schweizer Nationaltrainer überhaupt, unter seiner Verantwortung ist das Team in sieben Spielen weiter ungeschlagen. Vor allem hat er es geschafft, die erfolgreiche Arbeit seines Vorgängers Vladimir Petkovic fortzusetzen. Petkovic hatte den Schweizern einen magischen EM-Sommer beschert, der Achtelfinalsieg gegen Weltmeister Frankreich gilt als bislang größter Erfolg, bevor der Trainer Ende Juli zu Girondins Bordeaux weiterzog.

Yakin durfte auf dem funktionierenden Stamm der Mannschaft aufbauen, die bei der EM positiv überraschen konnte, hat das Team aber auch weiterentwickelt und erfolgreich weitere Talente integriert: Andi Zeqiri etwa vom FC Augsburg oder den Salzburger Stürmer Noah Okafor. Okafor war es dann auch, der die überlegenen Schweizer gegen Bulgarien nach zäher erster Halbzeit mit dem Führungstor befreite, der Türöffner in Richtung WM.

Yakin mehr als ein Erbverwalter von Petkovics Erfolg

Der Schweizer Nationaltrainer Murat Yakin bejubelt den Einzug in die WM-Endrunde

Auch taktisch hat Yakin der Mannschaft mit einer noch stabileren defensiven Ausrichtung bereits seinen Stempel aufgedrückt. Spätestens mit der erfolgreichen WM-Qualifikation habe Yakin gezeigt, dass er mehr ist als ein Erbverwalter der Petkovic-Ära, schrieb die "Neue Zürcher Zeitung". Die "NZZ" lobte die "Improvisationskunst" des Trainers, in einer schwierigen Phase nach der EM, als auch zahlreiche etablierte Kräfte wie Granit Xhaka oder Haris Seferovic lange ausfielen. "Yakin war der richtige Trainer für diesen Moment, er hat das Gespür und die Gelassenheit, wie es dafür nötig war", kommentierte die "NZZ".

In den Schweizer Medien ist auch von einer neuen Offenheit die Rede, die Kommunikation und die Außendarstellung des Verbands hätten sich seit Yakins Ankunft verbessert. Auch dies war in der Vergangenheit ein Problem, etwa als es darum ging, manch brisante politische Äußerung der kosovarisch-stämmigen Nationalspieler zu moderieren. So blickt die Schweiz unter Yakin mit großer Zuversicht in Richtung WM in Katar, eine Botschaft des zu Ende gehenden Schweizer Fußballjahres, so die "NZZ", lautet: "Offenbar ist nichts unmöglich."

Stand: 16.11.2021, 11:15

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