Königsblaue Achterbahn - Schalkes irre Aufstiegssaison

Sportschau 09.05.2022 03:07 Min. Verfügbar bis 09.05.2023 Das Erste

Fußball | 2. Bundesliga

Schalke feiert den Aufstieg: Aber ohne Drama geht es nicht

Stand: 08.05.2022, 10:39 Uhr

Die Schalker feiern einen Aufstieg, der in seiner Dramatik im Krimi gegen den FC St. Pauli gipfelte. Der Klub ist zurück in der Fußball-Bundesliga - und hat sich neu erfunden.

Von Jörg Strohschein

Mike Büskens hatte gerade die Augen kurz geschlossen - der Trainer versuchte mit bleichem und überaus angestrengtem Gesicht, das zuvor Erlebte zu verarbeiten. Der FC Schalke 04 hatte beim Erfolg gegen den FC St. Pauli und dem damit geglückten direkten Wiederaufstieg in die Fußball-Bundesliga schließlich wieder ein für den Klub typisches Schauspiel abgeliefert.

"Drama Baby" war am Samstagabend (07.05.2022) wieder einmal das Motto für diesen Schalker Aufstiegs-Krimi. Mit weniger geben sich die Schalker traditionell nicht zufrieden. Und das ging natürlich auch nicht spurlos am Schalker Interimscoach vorbei.

Schalke lag 0:2 gegen St. Pauli zurück, siegte 3:2

Nach einem hoch überlegenem Spiel und einer Vielzahl bester Torchancen lag der S04 plötzlich 0:2 hinten und konnte die Partie noch mit 3:2 gewinnen. Kitschiger, aber auch dramatischer hätte man sich diese Story auch im Vorfeld des Saisonfinales nicht ausdenken können.

In diesem Moment also, als Büskens einen kleinen Moment geistig abschalten wollte, ging die Tür des Pressekonferenzraumes auf und eine "Viererkette", angeführt von Teammanager Gerald Asamoah und abgeschlossen von Sportdirektor Rouven Schröder, tänzelte laut singend in Richtung Podium und verpasste dem 54-Jährigen eine intensive Bierdusche.

Für Ruhe und Besinnung war dieser für den Klub genauso spektakuläre wie bedeutende Abend in Gelsenkirchen nicht gemacht. Das war spätestens in diesem Moment klar.

Bereitschaft und Leidenschaft

"Es wurde intern ja immer gesagt, dass wir einen Drei-Jahresplan haben. Aber man weiß ja, wie wichtig dieser Aufstieg für den Klub ist. Und das hat man jeden Tag mit nach Hause genommen", sagte Büskens und ließ damit einen Einblick in sein Gefühlsleben zu. Acht Spiele hatte er nun verantwortet, sieben davon gewonnen.

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Büskens hatte die Wende mit dem Team geschafft: "Es war unser Traum. Aber Träume kriegst du nicht per Fingerschnipp erfüllt, dafür musst du was leisten." Und diese Bereitschaft und Leidenschaft haben die Schalker an diesem außergewöhnlichen Abend noch einmal überaus eindrucksvoll nachgewiesen.

Unermüdliche Unterstützung

Nach zwei trostlosen Jahren mit einem desaströsen Abstieg, leeren Kassen, ohne ein funktionierendes Team und auch kaum Hoffnung auf bessere Zeiten schafften die Schalker einen Neuanfang. Und der war an diesem Samstagabend in seiner Dramatik und Emotionalität kaum zu überbieten - auch dank der Anhänger.

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Die Menschen auf den Rängen in der ausverkauften Arena feuerten ihr Team über 90 Minuten in einer Intensität und Lautstärke unermüdlich an, wie es das in diesem seit über 20 Jahren existierenden und ohnehin stets lautem Stadion noch nicht gegeben hatte. Selbst als ihr Team mit zwei Gegentreffern hinten lag, kam niemand auf die Idee, diese Unterstützung einzustellen.

Im Gegenteil. Die Fans trugen ihre Mannschaft weiter unermüdlich mit ihrer Begeisterung über das Feld.

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Überbordende Emotionen nicht nur bei Terodde

Wie groß die Erleichterung und die Bedeutung für alle Spieler nach dem Schlusspfiff war, war wohl am besten an Simon Terodde zu erkennen. Der Stürmer ließ sich nach dem Schlusspfiff sofort auf den Boden fallen und weinte minutenlang hemmungslos.

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Auch später, als rund 20.000 Fans den Rasen schon lange gestürmt hatten und mit den Spielern dieses Spiel, diesen Aufstieg, gemeinsam feiern wollten, suchte der Torjäger (29 Saisontore) bei seinem Sturmpartner Marius Bülter offenbar Halt. Beide lagen sich fast eine Ewigkeit weinend in den Armen.

"Ganz großes Kompliment an alle im Verein, die daran geglaubt und die Mannschaft unterstützt haben. Alle haben es verdient, dieses Gefühl zu haben. Wir sind alle überglücklich", sagt S04-Sportdirektor Schröder, sichtlich bewegt. Denn dieser besondere Abend war auch Teil seines Werkes.

Der 46-Jährige hatte in einer Sisyphusarbeit und viel Einfallsreichtum dieses Aufstiegsteam zusammengestellt. Mehr als 50 Transfers als Zu- oder Abgänge musste Schröder vor Saisonbeginn abwickeln.

Feier im "Blauen Salon"

Die Schalker haben die Nacht zum Tag gemacht. "Der S04 ist wieder da" war eines der Lieder, das am Häufigsten zu hören war. "Wir gehen heute steil ohne Ende", sagte Schalkes Kapitän Danny Latza. "Es ist einfach unglaublich", jubilierte Bülter.

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Mike Büskens suchte sich dann noch seinen Weg durch die Fan-Massen in den "Blauen Salon", im Inneren der Schalker Arena. Dort feierten die Mannschaft und die Angehörigen diesen Triumph für den Klub. "Von diesem Abend werden wir noch in ein, zwei Jahrzehnten sprechen", sagte der Interimscoach, der ab der neuen Saison wieder im zweiten Glied - als Co-Trainer - beim S04 arbeiten wird.

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