Sieg des BVB - nach Korrekturen einfach besser

BVB-Spieler bedanken sich bei den Fans

Analyse des Dortmunder 3:2-Erfolgs im Topspiel

Sieg des BVB - nach Korrekturen einfach besser

Von Marcus Bark (Dortmund)

Borussia Dortmund gewinnt ein hervorragendes Bundesligaspiel gegen einen enorm verbesserten FC Bayern, weil es in der zweiten Halbzeit alle Probleme löst. Die Analyse.

"Manchmal ist das eben so." Die Antwort von Lucien Favre war ebenso lapidar wie ehrlich. Der Trainer von Borussia Dortmund war gefragt worden, weshalb er denn überraschend Julian Weigl statt des erwarteten Thomas Delaney in der Startelf aufgeboten habe. Das war ein Fehler, und Favre gestand mit einem charmanten Lächeln, dass er eine schlechte Idee gehabt hatte. Er hatte einen seiner Spieler falsch eingeschätzt, denn Weigl fehlten Tempo und Robustheit, um im Mittelfeld den aggressiven Bayern etwas entgegen zu setzen.

Favre hatte auch die Entwicklung des Spiels falsch eingeschätzt. Denn in einer Partie mit hohem Ballbesitzanteil kann Weigl dank seiner Pass- und Ballsicherheit ohne Druck des Gegners ein wertvoller Spieler sein. Aber der BVB kam in der ersten Halbzeit auf deutlich weniger als 40 Prozent Ballbesitz.

Gute Entscheidung von Kovac

Am Samstag (10.11.2018) begann der FC Bayern das Topspiel der Bundesliga mit enorm hohem Druck. Die Mannschaft von Niko Kovac setzte ihr Pressing weit vorne an, rückte auch geschickt nach und hielt die bespielte Fläche dadurch klein. Dortmund kam zwar zu einigen guten Kontergelegenheiten, die rührten aber von schlechter Staffelung der Münchner nach eigenen Eckstößen und einem Fehler von Mats Hummels her, der seine Handlungsträgheit später mit einer starken Erkältung erklärte.

Kovac hatte eine gute Entscheidung beim Personal getroffen. Statt James Rodriguez bot er Leon Goretzka auf, der oft neben Javi Martinez ins zentrale Mittelfeld rückte. So ergab sich ein 4-2-3-1 statt des ansonsten üblichen 4-3-3, das in den Spielen zuvor Schwächen offenbarte, wenn die erste Pressinglinie überspielt war, weil Martinez und die Viererkette nicht weit genug nachrückten und so Räume für die Gegner entstanden.

Ein taktischer Fehler, der nötig war

Auffällig war bei den Bayern zudem, dass sie ihr Spiel oft über die linke Seite aufbauten. Dort war Jadon Sancho, 18 Jahre alter Flügelspieler des BVB, mit seiner Defensivaufgabe zunächst überfordert. Dies nutzte das bewährte Duo Franck Ribery und David Alaba aus.

Hummels unzufrieden: "Haben Angriffe nicht unterbinden können"

Sportschau | 10.11.2018 | 01:53 Min.

Nach dem Führungstreffer von Robert Lewandowski in der 26. Minute zogen sich die Münchner dann etwas zurück. Taktisch gesehen war das ein Fehler, andererseits war es nötig, denn jeder Besucher ahnte, was auch Favre seinen Spielern in der Pause erzählte. Manuel Akanji verriet es nach der Partie: "Der Trainer hat in der Pause gesagt, dass sie das Tempo nicht über zwei Halbzeiten halten können, wir aber schon."

Dahoud bringt Dynamik und Stabilität

Mit dieser Einschätzung lag Dortmunds Fußballlehrer richtig, genau wie mit seiner Einwechlung. Statt Delaney, der vermutlich eine bessere Stabilität ins Mittelfeld der Dortmunder gebracht hätte, kam Mahmoud Dahoud ins Spiel, der dynamischer im Spiel nach vorne ist. Der BVB hatte in der zweiten Halbzeit einen Spieler mehr in dem Raum, in dem er in der ersten kein Land gesehen hatte.

Zudem griff die Borussia nun früher an, kam zu mehr Ballgewinnen, fand vor allem mit Marco Reus und Sancho den Raum vor Münchens Viererkette, um dort Tempo aufzunehmen. Diesem Tempo waren die Münchner letztlich nicht mehr gewachsen. "Wir sind auch physisch sehr stark. Vielleicht, weil wir die jüngeren Spieler haben", erklärte Axel Witsel, warum der BVB trotz zweimaligen Rückstands noch gewann.

Szene mit Symbolwert

Fast drei Jahre älter als ihre Gegner waren die Münchner im Schnitt. Den Konter, den Paco Alcacer mit dem Siegtreffer zum 3:2 abschloss, ermöglichte der 18 Jahre alte Sancho, der dem 35 Jahre alten Ribery den Ball abnahm. Besser als jede andere Szene zeigte sich dort der Unterschied zwischen den beiden Halbzeiten.

Die Mannschaft, in der ein Umbruch im Sommer fast schon radikal vollzogen wurde, gewann gegen eine, bei der er weiter hinaus gezögert wurde. Noch reicht es, um sehr guten Fußball zu spielen. Aber wenn ein sehr guter Gegner während des Spiels den richtigen Plan findet, wird es eng für den FC Bayern.

Thema in: Sportschau, Das Erste, Sonntag, 11.11.18, ab 18 Uhr

Fußball · Bundesliga · 11. Spieltag 2018/2019

Samstag, 10.11.2018 | 18.30 Uhr

Wappen Borussia Dortmund

Borussia Dortmund

Hitz – Piszczek, Akanji, Zagadou, Hakimi – Witsel, Weigl (46. Dahoud) – Sancho, Reus, Bruun Larsen (82. Delaney) – M. Götze (59. Alcácer)

3
Wappen Bayern München

Bayern München

Neuer – Kimmich, Boateng, Hummels (65. Süle), Alaba – Müller (82. S. Wagner), Javi Martinez, Goretzka – Gnabry (74. Sanches), Lewandowski, F. Ribéry

2

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 0:1 Lewandowski (26.)
  • 1:1 Reus (49./Foulelfmeter)
  • 1:2 Lewandowski (52.)
  • 2:2 Reus (67.)
  • 3:2 Alcácer (73.)

Strafen:

  • gelbe Karte Weigl (1 )
  • gelbe Karte Akanji (1 )
  • gelbe Karte F. Ribéry (2 )
  • gelbe Karte Süle (1 )
  • gelbe Karte S. Wagner (2 )
  • gelbe Karte Hitz (1 )

Zuschauer:

  • 81.365

Schiedsrichter:

  • Manuel Gräfe (Berlin)

Stand: Samstag, 10.11.2018, 20:29 Uhr

Wappen Borussia Dortmund

Borussia Dortmund

Wappen Bayern München

Bayern München

Tore 3 2
Schüsse aufs Tor 4 3
Ecken 0 6
Abseits 1 5
gewonnene Zweikämpfe 95 66
verlorene Zweikämpfe 66 95
gewonnene Zweikämpfe 59,01 % 40,99 %
Fouls 4 8
Ballkontakte 641 780
Ballbesitz 45,11 % 54,89 %
Laufdistanz 125,48 km 123,22 km
Sprints 265 260
Fehlpässe 67 74
Passquote 84,27 % 86,45 %
Flanken 7 16
Alter im Durchschnitt 25 Jahre 27,9 Jahre

Stand: 11.11.2018, 10:00

Bundesliga | Tabelle

RangTeamSP
1.Bor. Dortmund1436
2.Bor. M´gladbach1429
3.Bayern München1427
4.RB Leipzig1425
5.Eintr. Frankfurt1423
 ...  
16.VfB Stuttgart1411
17.Hannover 961410
18.Fort. Düsseldorf149
Darstellung: