"Querdenker"-Demos für Hooligans "besonders attraktiv"

Querdenken-Demonstration in Düsseldorf

Antwort der Bundesregierung auf Kleine Anfrage

"Querdenker"-Demos für Hooligans "besonders attraktiv"

Von Marcus Bark und Niklas Schenk

Hooligans auch aus der Fußballszene nutzen die Demonstrationen der sogenannten Querdenker gegen die Coronabestimmungen der Politik, um gewalttätig zu werden. Laut Bundesregierung seien die Demos für Hooligans "besonders attraktiv".

Gewalt gegen Gegendemonstranten, Polizisten und Journalisten, dazu Missachtung der Mindestabstände und Maskenpflicht: Die Demonstrationen von sogenannten Querdenkern im November 2020 sorgten für verstörende Bilder.

Mit einer Kleinen Anfrage wollte die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen von der Bundesregierung wissen, wie diese die "Gefahr durch rechtsextreme und verschwörungsideologische Instrumentalisierung der Anti-Corona-Politik-Demonstrationen" einschätzt.

Deutsche Fußballhooligans - Speerspitze der Rechtsextremen

WDR 5 Sport inside – der Podcast: kritisch, konstruktiv, inklusiv 09.01.2021 49:21 Min. Verfügbar bis 03.01.2041 WDR 5


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Die Antworten auf einen umfangreichen Fragenkatalog liegen seit Freitag (22.01.2021) auch der Sportschau vor. Sie bestätigen den Verdacht, dass Fußballhooligans und Kampfsportler, die sich in rechtsextremen Fanszenen finden, bewusst solche Demonstrationen aufsuchen, die gewalttätige Auseinandersetzungen mit dem politischen Gegner und der Polizei erwarten lassen.

Hooligans aus Leipzig und Chemnitz explizit erwähnt

"Dabei erscheinen die sogenannten Anti-Corona-Politik-Demonstrationen nicht zuletzt aufgrund ihrer Größe und Unübersichtlichkeit im Hinblick auf Anzahl der Teilnehmer und deren Herkunft aus verschiedensten Spektren besonders attraktiv", heißt es von der Bundesregierung.

Explizit wird erwähnt, dass an einer Demonstration am 7. November 2020 in Leipzig "rechtsextremistische Hooligans" teilgenommen hätten, "die den Vereinen 1. FC Lokomotive Leipzig und Chemnitzer FC zugerechnet werden können".

Mobilisieren und rekrutieren

Irene Mihalic, innenpolitische Sprecherin der Grünen, wies im Interview mit der Sportschau darauf hin, dass die rechtsextreme Szene nicht nur an den Demos teilnehme, sondern dazu auch "mobilisiere" und versuche, bei den Protesten neue Anhänger anzuwerben.

Irene Mihalic: "Ich würde mitnichten von Entwarnung sprechen" Sportschau 22.01.2021 00:36 Min. Verfügbar bis 22.01.2022 Das Erste

Obwohl die Polizei sich bei späteren "Querdenker"-Demos besser auf die Gefährdungslage eingestellt habe, gebe es keinen Grund zur Entwarnung. "Ich glaube, wird sind erst am Anfang einer hohen Mobilisierungskraft, die von einer solchen Bewegung ausgeht", sagte Mihalic, auf deren Initiative die Kleine Anfrage zurückzuführen ist.

Sie lobte zwar, dass die Regierung angab, mit "hoher Priorität" den "gewaltorientierten Rechtsextremismus einschließlich seiner Bezüge zur Kampfsport- und Hooliganszene" zu erforschen, klagte aber: "Es fehlt an Analysekompetenz."

Um die Kampfsportszene, die in den vergangenen Jahren großen Zulauf aus der rechtsextremen Fanszene des Fußballs erfuhr, besser kontrollieren zu können, müssten Lizenzen für Kampfsport-Studios vergeben werden. In anderen Ländern sei dies teilweise schon so. In Deutschland könne hingegen "jeder ein Kampfsport-Gym betreiben, der das will".

Irene Mihalic: "Die Bundesregierung bestätigt rechtsextreme Hooligans bei Querdenken-Demonstrationen" Sportschau 22.01.2021 00:30 Min. Verfügbar bis 22.01.2022 Das Erste

Stand: 22.01.2021, 14:42

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