Bericht des "Guardian" - Schockierende Todeszahlen beim WM-Ausrichter Katar

Ein Arbeiter in Katar (Archiv)

Fußball-Weltmeisterschaft 2022

Bericht des "Guardian" - Schockierende Todeszahlen beim WM-Ausrichter Katar

Mehr als 6.500 Gastarbeiter, vorwiegend junge Männer, sind in Katar verstorben, seitdem das Wüstenemirat im Jahr 2010 den Zuschlag für die Ausrichtung der Fußball-WM 2022 erhalten hat. Das geht aus einem Bericht der britischen Tageszeitung "Guardian" hervor.

Der "Guardian" bezieht sich dabei auf Daten aus Regierungsquellen fünf asiatischer Länder. Demnach sind im Zeitraum von 2011 bis 2020 5.927 Arbeitsmigranten aus Indien, Bangladesch, Nepal und Sri Lanka gestorben. Zudem meldete die pakistanische Botschaft in Katar im gleichen Zeitraum weitere 824 Todesfälle pakistanischer Arbeitnehmer.

Nicht alle Länder eingerechnet

Die tatsächliche Gesamtzahl der Todesopfer liegt wahrscheinlich höher, da Daten aus Ländern wie beispielsweise Kenia und den Philippinen fehlen. Die Todesfälle aus den letzten Monaten des Jahres 2020 sind ebenfalls noch nicht aufgeführt.

Ausbeutung vor der WM 2022 - Gefangen in Katar sport inside 05.06.2019 16:31 Min. Verfügbar bis 05.06.2120 WDR Von Benjamin Best

Ehrgeiziges Infrastrukturprogramm

Im Land leben zur Zeit mehr als zwei Millionen Gastarbeiter. Mit ihrer Hilfe hat der autoritär regierte Wüstenstaat nach der Vergabe der Fußball-WM 2022 ein ehrgeiziges Infrastrukturprogramm aufgelegt - den Bau von sieben Stadien, einem Flughafen, sowie in Straßen und öffentlichen Nahverkehr investiert.

Die Regierung von Katar bezweifelt nicht die Zahlenangaben des "Guardian". Die Todesrate liege - so schreibt sie - bei der großen Anzahl von Gastarbeitern demografisch betrachtet im erwartbaren Rahmen. Die Regierung bedaure jeden einzelnen Todesfall und tue alles, um Todesfälle zu verhindern.

WM-OK spricht von 34 Todesfällen

Aus den vom "Guardian" zitierten Statistiken gehen nicht hervor, wo genau die Gastarbeiter in Katar verstorben sind. Nach Angaben des WM-Organistionskomitees in Katar sind auf WM-Baustellen - damit ist ausschließlich der Stadionbau gemeint - im genannten Zeitraum 34 Gastarbeiter ums Leben gekommen. Man sei bei diesen Zahlen transparent und bezweifele andere "irreführende" Angaben über Todeszahlen auf den WM-Baustellen.

Auch der Fußball-Weltverband FIFA bezeichnet die Zahl der Unfälle auf WM Baustellen in Katar als "gering" im Vergleich zu anderen Großbaustellen in der Welt.

Internationale Kritik

Immer wieder hatte es internationale Kritik an den Arbeitsbedingungen auf den Baustellen des Emirats gegeben. Das WDR-Magazin "Sport inside" hatte in Beiträgen mehrfach darüber berichtet. Katar wies diese Kritik stets zurück. Im vergangenen Sommer startete die Regierung ein Reformprogramm, das die Lage der Arbeitsmigranten verbessern sollte.

Tod und Spiele: Die Klub-WM in Katar als Generalprobe für die WM WDR 5 Sport inside – der Podcast: kritisch, konstruktiv, inklusiv 06.02.2021 49:18 Min. Verfügbar bis 31.01.2041 WDR 5

Der FC Bayern München spielt derzeit bei der Klub-WM in Katar. Für das Emirat am Golf als Ausrichter der Fußball-WM 2022 eine willkommene Gelegenheit zu zeigen, wie gut Infrastruktur und WM-Stadien schon ausgebaut sind. Kerstin von Kalckreuth spricht mit Sport-inside-Autor Benjamin Best über die Kehrseite der glitzernden Fassade: Ausbeutung, Misshandlungen und tödliche Unfälle auf WM-Baustellen.


red | Stand: 23.02.2021, 11:00

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