Schritte, Strafen, Schiris: Regelkunde Handball

Handball-Regeln: Karten in Gelb, Rot und Blau

Handball-EM

Schritte, Strafen, Schiris: Regelkunde Handball

Beim Handball gibt es die ein oder andere Regel, die sich nicht auf Anhieb erschließt - für das Verständnis des Spiels aber unerlässlich ist. Ein Überblick.

Dass beim Handball sechs Feldspieler und ein Torhüter pro Team gleichzeitig auf dem Feld stehen dürfen und "Tempogegenstoß" das Äquivalent zum Begriff "Konter" ist, sind zwei der grundsätzlichen Aspekte der Spielform Handball. Weitere Informationen über das Spiel an sich gibt es hier.

Das Spielfeld

Ein Handballfeld ist 40x20 Meter lang, hat eine Mittellinie, von der zentral der Anwurf nach einem Tor ausgeführt wird, vor jedem Tor (3x2 Meter) einen Halbkreis, dessen Ende sechs Meter vom Tor entfernt ist und davor noch eine gestrichelte Linie, die neun Meter vom Tor entfernt ist. Den durchgezogenen Halbkreis vor dem Tor dürfen nur die Torhüter betreten. Die Spieler dürfen ihn nur dann kurz betreten, wenn sie nichts mit dem Spielgeschehen zu tun haben und sich dadurch keinen Vorteil verschaffen und müssen ihn sofort wieder verlassen. Der Halbkreis wird Kreis oder Torraum genannt.

Freiwürfe und Siebenmeter

Uwe Gensheimer der Rhein-Neckar Löwen wirft einen Siebenmeter

Uwe Gensheimer der Rhein-Neckar Löwen wirft einen Siebenmeter

Von der gestrichelten Neunmeterlinie außerhalb des Kreises führt die angreifende Mannschaft sogenannte Freiwürfe aus, fast immer als Pass zum Mitspieler und fast nie als direkten Torwurf, da die Abwehr sich noch zwischen ausführendem Spieler und Tor aufhalten darf. Die Abwehrspieler müssen dabei aber einen Mindestabstand von drei Metern einhalten. Zwischen den beiden Linien gibt es noch die Strafwurflinie ("Siebenmetermarke"), von der die Strafwürfe ("Siebenmeter") ausgeführt werden. Der Schütze wirft direkt ohne Anlauf und mit einem Fuß fest auf dem Boden auf das Tor. Der Torhüter darf dabei bis auf vier Meter vor sein eigenes Tor treten, auch hierfür gibt es eine kleine Linie innerhalb des Torraums.

Fouls

Bälle zu blocken oder dem Gegner aus der Hand zu spielen, ist erlaubt. Außerdem dürfen Handballer ihren Gegenspieler mit dem eigenen Körper sperren, dabei aber nicht festhalten. Sie dürfen Gegenspieler außerdem mit den Händen am Körper begleiten, aber nicht stoßen oder schubsen. Ein Stürmerfoul gibt es zudem, wenn der Angreifer den fest stehenden Abwehrspieler, der sich nicht im Torraum befindet, umrennt.

Die Spielfortsetzung ist meist ein Freiwurf, der entweder an der Stelle des Fouls oder, wenn das Foul hinter der Neunmeterlinie erfolgt ist, vom nächstgelegenen Ort auf dieser Linie ausgeführt wird. Wird durch das Foul eine klare Torchance verhindert, der bereits durchgebrochene Angreifer also beispielsweise von hinten am Arm gezogen, gibt es einen Strafwurf/Siebenmeter.

Strafen

Nationalspielerin Emily Bölk im harten Zweikampf mit der Kroatin Katarina Debelic

Nationalspielerin Emily Bölk im harten Zweikampf mit der Kroatin Katarina Debelic

Fouls werden, je nach Schwere, auch bestraft. Aber nicht alle. Das normale Festhalten des ballführenden Gegenspielers von vorne, das sogenannte "Klammern", zieht meist keine Bestrafung nach sich. Es gibt pro Mannschaft insgesamt drei gelbe Karten, ein Spieler darf aber nur einmal verwarnt werden. Sollte eine gelbe Karte an die Bank ausgesprochen werden, sind es maximal vier. Danach verteilen die Schiedsrichter Zwei-Minuten-Strafen, die dafür sorgen, dass ein Team zwei Minuten in Unterzahl und ohne den betroffenen Spieler spielen muss.

Erhält ein Spieler seine dritte Zeitstrafe, bekommt er die rote Karte gezeigt und darf in dieser Partie nicht mehr mitwirken. Die rote Karte kann bei besonders schweren Fouls, die gesundheitsgefährdend sind (beispielsweise ein Stoßen des in der Luft befindlichen Spielers von hinten), auch direkt ausgesprochen werden. Auch hier muss die Mannschaft aber nur zwei Minuten in Unterzahl agieren.

Auch Zeitstrafen können vor der Vergabe von gelben Karten ausgesprochen werden, ein bereits mit einer Zeitstrafe bedachter Spieler, kann aber danach nicht mehr verwarnt werden.

Erhält ein Spieler nach der roten noch eine blaue Karte, ist sein Vergehen so schwer, dass im Nachgang über eine längere Sperre verhandelt werden wird. Ein Beispiel wäre das Schlagen des Schiedsrichters. Die blaue Karte wird eher selten gezeigt, rote Karten sind im Handball etwas häufiger als bspw. im Fußball. So wurden in der bisherigen Handball-Bundesliga-Saison 41 rote Karten, aber nur eine blaue Karte gezeigt. Beim Fußball sind es in der Bundesliga bisher 31 rote oder gelb-rote Karten im Oberhaus.

Schritte

Vladan Lipovina von Balingen-Weilstetten prellt im Tempogegenstoß

Vladan Lipovina von Balingen-Weilstetten prellt im Tempogegenstoß

Spieler dürfen mit dem Ball in der Hand drei Schritte laufen, einen "Sternschritt" wie beim Basketball gibt es nicht. Das bedeutet für einen Sprungwurf oder -Pass: Das dritte Auftreten mit dem Ball in der Hand muss gleichzeitig der Absprung sein, vor der Landung, also dem vierten Schritt, muss der Ball die Hand verlassen haben.

Der Spieler darf aber mit dem Ball in der Hand drei Schritte machen, dann den Ball mit der Hand (die aber den Ball von oben berühren muss und nicht wie beim Basketball "führen" darf) einmal oder mehrfach aufprellen (dabei auch laufen) und dann wieder drei Schritte mit dem Ball in der Hand machen. Dann ist aber kein neuerliches Prellen mehr erlaubt. Sonderregelung: Fängt ein Spieler den Ball bereits im Sprung und landet dann mit beiden Beinen gleichzeitig, ist das ein sogenannter "Nullschritt", der nicht zu den Schritten gezählt wird.

Timeouts

Frauen-Trainer des Thüringer HC Herbert Müller hält die Timeout-Karte in der Hand

Frauen-Trainer des Thüringer HC Herbert Müller hält die Timeout-Karte in der Hand

Jede Mannschaft hat während der regulären Spielzeit drei Auszeiten, die aber nicht alle genutzt werden müssen. Einer der Trainer signalisiert normalerweise seinen Willen, eine Auszeit zu nehmen, indem er die "grüne Karte" auf den Tisch des Kampfgerichts legt. Bei der EM gibt es aber einen "Buzzer", den die Trainer drücken können. Das gibt ein Signal an die Schiedsrichter, die Partie anzuhalten. Die Auszeiten dauern jeweils eine Minute und dürfen nicht alle drei in einer Halbzeit genommen werden. Die Auszeit darf nur bei eigenem Ballbesitz beantragt werden.

Schiedsrichter

Es gibt zwei gleichberechtigte Schiedsrichter. Der eine hält sich meist im Rücken der angreifenden Mannschaft auf ("Feldschiedsrichter"), der andere steht neben dem Tor der verteidigenden Mannschaft und hält besonders das Geschehen am Torraum im Blick ("Torschiedsrichter"). Im Idealfall sieht der Torschiedsrichter Fouls und Schrittfehler im Feld, während der Torschiedsrichter Fouls am Kreisläufer oder das Betreten des Torraums ahndet.

Die Rollen werden im Idealfall mehrmals pro Partie gewechselt, um Fairness und Gleichbehandlung zu gewährleisten. Die Schiedsrichter werden vom Kampfgericht unterstützt, das sich unter anderem um die Hallenuhr, die Anzeigetafel und den elektronischen Spielbericht kümmert und zudem das Verhalten an den Auswechselbänken im Blick behält.

rt | Stand: 03.01.2020, 14:15

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