Serena Williams nach ihrem Ausscheiden in Wimbledon

Serena Williams in Wimbledon Ein Hauch von Göttinnendämmerung

Stand: 29.06.2022 11:33 Uhr

Serena Williams verabschiedet sich bei ihrem Comeback in Wimbledon schon in Runde eins und verstärkt Fragen nach ihrer sportlichen Zukunft.

Von Christian Mixa

Als Harmony Tan beim Siegerinterview stand, es war kurz vor 23 Uhr Ortszeit in Wimbledon, wurde sie auch gefragt, was sie eigentlich bei der Auslosung gedacht habe, als sie erfuhr, dass sie in der ersten Runde gegen Serena Williams antreten muss. "Ich hatte schon ein bisschen Angst", sagte die Französin.

Tan beendet Williams-Comeback in Wimbledon

Davon war dann allerdings in den mehr als drei Stunden auf dem Centre Court kaum etwas zu spüren. Nur der zweite Satz ging deutlich an die siebenmalige Wimbledonsiegerin, nach einem frühen Break, dem allerdings ein schwer umkämpftes, 19 Minuten langes Aufschlagspiel vorausging.

Über weite Strecken aber war die Nummer 115 der Weltrangliste, die es in Wimbledon erstmals ins Hauptfeld geschafft hatte, mehr als ebenbürtig. Tan ging am Ende eines packenden Matches mit 7:5, 1:6, 7:6 als verdiente Siegerin vom Platz.

Harmony Tan nach ihrem Sieg gegen Serena Williams in Wimbledon

Tan verwickelt Williams in lange Ballwechsel

Tan zeigte von Beginn an, dass sie mit einem klaren Plan ins Match ging und entschlossen war, ihre Chance zu nutzen - gegen die Tennis-Gigantin Williams, die vor Wimbledon ein Jahr kein Match bestritten hatte.

Die 24-Jährige setzte Williams mit starkem Defensivspiel zu und verwickelte ihre 16 Jahre ältere Gegnerin immer wieder in längere, kraftraubende Ballwechsel. Williams stieß körperlich sichtlich an ihre Grenzen,

Mitgefühl der Fans für Williams

Williams' altbekannte, gefürchtete Dominanz blitzte zwar immer wieder bei einigen Schlägen auf, insgesamt aber präsentierte sie sich läuferisch und spielerisch weit entfernt von früherer Klasse. Sie spielte "die Art von sprunghaftem Tennis, das man von einer erwarten kann, die ein Jahr lang keinen Wettkampf hatte", schrieb die "Washington Post".

Immerhin bot Williams einen großen Kampf, feierte sich ausgiebig nach gewonnenen Punkten und zog am Ende auch das Publikum auf dem Centre Court auf ihre Seite.

Dass sie von den Fans gefeiert wurde, wertete die Zeitung als weiteres Zeichen, dass die Göttinnendämmerung tatsächlich eingesetzt hat: "Die Fans schienen Williams etwas zukommenzulassen, das für einen der größten Champions aller Sportarten zuvor nie nötig gewesen war: Mitgefühl."

Für Harmony Tan war der Sieg gegen Williams dennoch "ein Traum", der in Erfüllung ging: "Serena ist eine echte Legende, ich habe sie im Fernsehen gesehen, als ich jung war." Trainiert wird die Französin von Nathalie Tauziat, die 1998 im Finale von Wimbledon stand - es war das Turnier, bei dem Serena Williams ihr Debüt gab.

Williams: US Open als große Motivation

Die Frage, ob die 23-malige Grand-Slam-Siegerin tatsächlich noch einmal auf den heiligen Rasen zurückkehrt, ließ sie offen. Von einem möglichen Karriereende wollte sie noch nicht sprechen, dafür richtete sie den Blick nach vorne und stellte einen Start bei den US Open in Aussicht.

New York, der Ort ihres ersten Grand-Slam-Sieges, so Williams, sei "definitiv eine große Motivation, um besser zu werden und noch einmal zuhause zu spielen". Dann womöglich für ein letztes, großes Hurra.