Die Tennis-Profis Nicola Kuhn (li.) und Nastasja Schunk

Nicola Kuhn und Nastasja Schunk Deutschlands spannende Wimbledon-Neulinge

Stand: 25.06.2022 18:08 Uhr

Tennis-Talent Nicola Kuhn ist aus Spanien zum DTB zurückgewechselt - und greift jetzt in Wimbledon an. Auch Nastasja Schunk startet durch.

Von Volker Schulte

Nicola Kuhns Lebensgeschichte ist international: Als Sohn einer Russin und eines Deutschen kam er 2000 in Österreich zur Welt. Er wuchs auf in Ludwigshafen und zu großen Teilen auch im elterlichen Ferienhaus bei Alicante in Spanien. Im Alter von zwölf Jahren ging er an die Tennis-Akademie des ehemaligen Weltranglisten-Ersten Juan Carlos Ferrero - wo unter anderem auch Top-Talent Carlos Alcaraz sein Spiel entwickelte.

Kuhn bescherte dem Deutschen Tennis-Bund (DTB) früh Erfolge wie die beiden Team-Titel bei den U14-Europa- und Weltmeisterschaften. Zum großen Talent gesellten sich Ehrgeiz und Selbstbewusstsein. "Mein Wille ist so groß wie der von Djokovic", sagte Kuhn schon als 15-Jähriger.

Kuhn wechselt zum spanischen Verband

2016 nahm Kuhn die spanische Staatsbürgerschaft an und wechselte zum spanischen Verband. "Ich lebe seit meiner Kindheit in Spanien und fühle mich schon immer spanisch. Es war stets mein Traum, für Spanien zu spielen," sagte er damals. Der DTB war enttäuscht, aber nicht nachtragend. "Nicola ist ein prima Junge, der sich immer korrekt verhalten hat - und der sicherlich eine große Zukunft vor sich haben wird", sagte DTB-Sportdirektor Klaus Eberhard damals dem "Tennismagazin". 

So wurde es hierzulande still um den blonden Jungen, der viersprachig aufgewachsen ist (deutsch, russisch, englisch, spanisch). Der Sprung in den Profibereich gelang ihm früh, schon 2017 holte er als 17-Jähriger in Braunschweig seinen ersten Titel auf der zweitklassigen Challenger-Tour.

Kuhns Karriere stagniert

Doch seither stagniert seine Leistung, auch verletzungsbedingt. Mittlerweile ist Kuhn 22 Jahre alt, hat aber auf der ATP-Tour, der obersten Tennis-Liga, erst zehn Spiele bestritten, drei davon gewonnen. In der Weltrangliste rangiert er auf Platz 246, deutlich unter seinem Karriere-Bestwert 174 aus dem Oktober 2019.

Umso größer ist nun sein Erfolg in Wimbledon einzuschätzen: Bei seiner erst zweiten Qualifikation für ein Grand-Slam-Turnier überstand er alle drei Runden, trifft nun in der ersten Hauptrunde auf den Amerikaner Brandon Nakashima (ATP 54). Im Tableau steht neben seinem Namen wieder die deutsche Flagge, denn im Oktober 2021 wechselte Kuhn zurück zum DTB.

Nastasja Schunk im Hauptfeld

Bei den Frauen waren sechs Deutsche in die Wimbledon-Qualifikation gestartet, aber nur eine setzte sich durch: die 18 Jahre junge Nastasja Schunk. Sie spielt für Ludwigshafen, trainiert in Leimen und kennt die Londoner Rasenplätze sehr gut. Denn im vergangenen Jahr ist sie im Juniorinnen-Klassement bis ins Finale gestürmt, wo sie in drei Sätzen gegen die Spanierin Ane Mintegi del Olmo verlor.

Nastasja Schunk zeigt sich kämpferisch im Match gegen Simona Halep

Die große Grand-Slam-Bühne der Profis hat sie kürzlich bei den French Open kennengelernt. Dort rutschte sie nach der Verletzung der Kroatin Ana Konjuh als "Lucky Loserin" ins Hauptfeld und lieferte dort der ehemaligen Weltranglisten-Ersten Simona Halep einen großen Kampf. Mit ihrem 4:6, 6:1, 1:6 ließ die Linkshänderin aufhorchen.

Schunk gegen Buzarnesku

Die sportliche Qualifikation für Wimbledon ist nun der nächste Schritt auf der Karriereleiter. "Alle Grand Slams sind besonders, aber Wimbledon ist noch einmal eine andere Liga, hat ein anderes Flair mit dem Rasen, dazu alles in Weiß", sagte Schunk im SWR-Interview: "Es ist schwer zu beschreiben, aber wenn man auf die Anlage kommt, ist es ein komplett anderes Gefühl."

Die Auslosung bescherte ihr eine lösbare Aufgabe: In der ersten Runde trifft sie auf die Rumänin Michaela Buzarnescu, die als 126. der Welt nur 30 Plätze vor Schunk gelistet ist.

DTB braucht Talente

Ein Einzug in die zweite Runde wäre für das deutsche Damentennis ein weiterer Hoffnungsschimmer. Denn während die "goldene Generation" um Angelique Kerber nach und nach in den Tennis-Ruhestand geht, ist der DTB froh um jedes Talent mit Potenzial für die Weltspitze. Mut macht eine kleine Gruppe an jungen, talentierten Spielerinnen. Nastasja Schunk ist eine von ihnen.