Symbolbild: Grafisches Modell einer Coronavirusmutation

Wintersport | Olympia

Wegen Corona - Olympische Glücksspiele in Peking

Stand: 27.01.2022, 17:39 Uhr

Die Olympischen Winterspiele in Peking stehen im Zeichen des Coronavirus. Um Gold zu holen, braucht es nicht nur eine Top-Form, sondern auch Glück bei den Testungen.

Die Hoffnungen der beiden deutschen Skeletonis Hannah Neise und Axel Jungk, doch noch an den Olympischen Spielen teilzunehmen, werden allmählich wieder größer. Nach ihren positiven Coronabefunden am 15. und 16. Januar müssen Neise und Jungk nun viermal negativ getestet werden, um doch noch nach Peking fliegen zu dürfen. Und: Zumindest der Anfang ist gemacht mit dem ersten negativen Test bei Neise.

Alles für möglichst wenig Fälle

Dadurch hoffen Neise und Jungk darauf, nicht zu den zahlreichen Ausfällen zu gehören, die es im Laufe der am 4. Februar beginnenden Spiele geben wird. Zwar geht China im Kampf gegen das Virus äußerst rigoros um und hat Ansteckungszahlen, die deutlich niedriger liegen als in Europa; eine Ausbreitung im Sportlerfeld und dessen Umfeld wird aber nicht in Gänze zu verhindern sein.

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Sportschau-Olympia-Podcast 27.01.2022 27:09 Min. Verfügbar bis 09.01.2033 ARD


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Deswegen haben die Veranstalter nicht nur tägliche PCR-Testungen zur schnellen Erfassung von Positivfällen beschlossen, sondern auch den CT-Wert zur Bestimmung der Viruslast von 40 auf 35 herabgesetzt, sodass weniger Athleten positiv getestet werden.

Denn: Je niedriger dieser Wert ist, desto größer ist die Last. Wird bei einem Sportler ein CT-Wert von 38 bestimmt, fällt sein Test nun also negativ aus, vorher wäre er positiv gewesen. In Deutschland gilt ein CT-Wert von größer 30 als Richtwert des Robert Koch-Instituts dafür, dass ein Infizierter nicht ansteckend ist.

Norwegischer Langlaufchef vergleicht Spiele mit Bingo

Diese Gefahr wird in den etwas mehr als zwei Wochen in Peking so oder so über die gesamte Zeit mitschwingen. Deshalb hatte das norwegische Langlaufteam, das im Vorfeld von mehreren Fällen betroffen war, nun nochmal klargemacht, dass der Zeitpunkt der Spiele ihrer Meinung nach nicht tragbar ist. "Rückblickend darauf, wie sich die Welt in den letzten Monaten entwickelt hat, denke ich persönlich, dass es richtig gewesen wäre, Olympia zu verschieben. Es ist ein bisschen wie Bingo", sagte Langlaufchef Espen Bjervig.

Was er damit andeutet: Corona wird Wettkämpfe entscheiden. Die Sportlerinnen und Sportler brauchen nicht nur eine gute Form auf Gold-Niveau, sondern auch das Glück, nicht vom Virus erwischt zu werden.

Neureuther übt scharfe Kritik

"Es sind leider Gottes Spiele, die nicht für die Sportler und Sportlerinnen gemacht sind", sagte Sportschau-Experte Felix Neureuther. Es gäbe viele, "die das erste Mal die Chance haben, an diesen Spielen teilzunehmen und natürlich auch das erste Mal die Chance auf eine Medaille" haben.

"Auch aufgrund der Pandemie, wenn die Topfavoriten dann nicht starten können, weil sie Corona-positiv sind - das bietet natürlich für viele eine große Chance. Aber das mindert einfach den sportlichen Stellenwert. Die Athleten freuen sich auf die Spiele, aber wenn sie vor Ort sind, wird ihnen die Freude relativ schnell vergehen", so Neureuther weiter.

Schon mehrere positive Fälle am Flughafen

Wie sehr Corona die Winterspiele bestimmen wird, zeigte sich schon im Vorfeld. Am Donnerstag (27.01.2022) wurden die drei olympischen Dörfer unter strengsten Sicherheitsmaßnahmen eröffnet, doch schon bei der Anreise gab es mehrere positive Tests. Dabei müssen alle Beteiligten in den drei Tagen vor ihrem Kommen zwei negative PCR-Tests nachweisen. Diese können, müssen aber nicht Teil der vier Negativtests für die Erlaubnis zur Olympia-Teilnahme sein.

Auf eine Impfpflicht haben die Organisatoren jedoch verzichtet. Wer nicht geimpft ist, muss sich allerdings nach der Ankunft in China in eine 21-tägige Quarantäne begeben. Dies sollte wegen der hohen Dauer und des damit verbundenen Zeitverlustes zwar genug Anreiz sein, nicht als Ungeimpfter teilnehmen zu wollen. Die Schweizer Snowboard-Olympiasiegerin Patrizia Kummer ist aber beispielsweise seit Mitte Januar in ihrer dreiwöchigen Quarantäne.

Im Anschluss darf sie in das olympische Dorf, muss aber wie alle Anwesenden ab 14 Tage vor der Abreise ein Gesundheitstagebuch schreiben. Darin wird die tägliche Körpertemperatur und per Fragebogen der allgemeine Gesundheitszustand erfasst. Vor dem Abflug sind wieder zwei negative PCR-Tests wie vor dem Hinflug notwendig.

Umarmungen in der Vorbereitungszeit? Schwieriges Thema

Erst dann endet eine lange Zeit, die für Sportler und den gesamten Stab der Karrierehöhepunkte sein soll - in Peking wird das angesichts der Umstände jedoch ein wenig anders sein. Schon allein wegen der äußerst schwierigen Vorbereitungen.

"Ich habe Kinder. Ich weiß gar nicht, ob ich sie umarmen oder in die Schule schicken darf. Soll ich von Zuhause weg und ins Hotel ziehen, damit da keine Ansteckung passiert? Das ist eine sehr hohe Belastung die vergangenen Wochen", sagte Kombinierer-Bundestrainer Hermann Weinbuch der Deutschen Presse-Agentur.

"Die Belastungen sind sehr, sehr hoch - auch für uns Trainer. Wenn ich sechs Wochen meine Familie nicht sehe, wird es einfach ein bisschen schwer von der Kraft her", schilderte Weinbuch. Normalerweise überwiege bei ihm vor großen Events immer die Vorfreude, "aber jetzt spielen ganz andere Dinge eine Rolle, die sehr belastend sind und auch ein mulmiges Gefühl verbreiten".

Quelle: sho

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