Manchester United - Sowas hat man lange nicht gesehen 

Bruno Fernandes (l.) und Ole-Gunnar Solskjaer (M.) und Mason Greenwood

Englands Rekordmeister im Aufschwung

Manchester United - Sowas hat man lange nicht gesehen 

Von Hendrik Buchheister (Manchester)

Bei Manchester United geht es aufwärts, das erste Mal überhaupt seit dem Abschied von Sir Alex Ferguson. Ein Grund dafür: Winter-Neuzugang Bruno Fernandes. Außerdem trifft der Angriff nach Belieben. Ist da noch Platz für Jadon Sancho?

Das 18. Spiel nacheinander ohne Niederlage endete enttäuschend. Tief in der Nachspielzeit kassierte Manchester United am Montagabend (13.07.20) gegen den FC Southampton nach einer Ecke noch den Ausgleich zum 2:2-Endstand durch den eingewechselten Michael Obafemi. Gegen Crystal Palace geht es heute Abend (16.07.20, 21:15 Uhr/Liveticker) um die Champions-League-Qualifikation.

Vorerst kein Sprung auf den dritten Platz

Der englische Rekordmeister vergab am Montag zunächst die Chance, in der Premier League auf den dritten Platz zu klettern und damit in die Tabellenregion vorzudringen, die am Ende der Saison die Zulassung zur Champions League bedeutet. "Es war der schlechteste Zeitpunkt, um das Tor zu kassieren", zeigte sich Trainer Ole Gunnar Solskjaer geknickt. Unklar ist, ob er in diesem Moment kurz zurück dachte, an das Champions-League-Finale 1999 gegen den FC Bayern, als er Manchester United in der Nachspielzeit zum Sieger machte, ebenfalls mit einem Tor nach einer Ecke.

Wegen dieser Heldentat hat der Ex-Angreifer aus Norwegen auf Lebenszeit einen Platz in der Folklore des Vereins sicher. Im Moment arbeitet er mit zunehmendem Erfolg daran, sich auch als Trainer verdient zu machen im Old Trafford. Das späte Remis gegen Southampton fühlte sich ja auch deshalb so bitter an, weil sich Manchester United zuletzt wieder ans Gewinnen gewöhnt hat. Seit dem 0:2 gegen den FC Burnley Ende Januar, dem gefühlten Tiefpunkt der Saison, gab es für den Klub in allen Wettbewerben keine Niederlage mehr.

Es geht voran - zum ersten Mal seit Fergusons Abschied

Zum ersten Mal seit Solskjaers vorschneller Beförderung zum Cheftrainer, vielleicht zum ersten Mal überhaupt seit dem Abschied von Sir Alex Ferguson vor sieben Jahren, geht es aktuell wirklich voran bei Manchester United. Der Klub hat die Champions-League-Qualifikation auf der Zielgeraden der Saison immer noch selbst in der Hand, spielt an diesem Sonntag (19.07.20) gegen den FC Chelsea um den Einzug ins Finale des FA Cups und besitzt auch in der Europa League noch Titelchancen. "Die Spieler sind glücklich und selbstbewusst. Sie haben einen Plan und eine Identität. Das hat man lange nicht gesehen", fasste der ehemalige United-Profi Patrice Evra kürzlich den Zustand des Rekordmeisters zusammen. 

Schlüsselfigur des Aufschwungs ist ein Mann, der gerade erst im Old Trafford angekommen ist: der Portugiese Bruno Fernandes. Manchester United löste ihn im Januar für 55 Millionen Euro bei Sporting Lissabon aus und hat seitdem den Spielmacher, der dem Klub so lange gefehlt hat. Der 25-Jährige diktiert das Tempo, verteilt Bälle, ist kreativ und torgefährlich. Dank Fernandes ist die Mannschaft stärker im Ballbesitz geworden und kann das Spiel dominieren, anstatt nur auf Konter zu vertrauen. Außerdem hat sich der "portugiesische Magnifico", wie ihn die Fans nennen, durch seine kommunikative Art und sein sicheres Auftreten in Rekordzeit als Führungsspieler etabliert. 

Bruno Fernandes: Vergleich zu Ronaldo liegt nahe

Der Vergleich zu Cristiano Ronaldo liegt nahe, wegen des ähnlichen Karriere-Wegs, der beide von Sporting ins Old Trafford führte. Andere Beobachter kommen zu dem Schluss, dass Fernandes für Manchester United die gleiche transformierende Kraft hat wie einst Eric Cantona nach dessen Ankunft von Leeds United Ende 1992. Das liegt auch daran, dass Fernandes seine Nebenleute besser macht. Der routinierte Nemanja Matic blüht im Schatten des Portugiesen auf und wurde gerade mit einem neuen Vertrag belohnt. Paul Pogba hat nach langer Verletzungspause wieder Spaß am Fußball. Die Gedanken an einen Wechsel zu Real Madrid scheint er erstmal verworfen haben. 

Die gelegentlichen Wackler der Defensive und das Formtief von Torwart David De Gea werden im Moment dadurch verdeckt, dass die Offensive fast nach Belieben trifft. Die Angriffsreihe aus Marcus Rashford, Anthony Martial und Mason Greenwood, einem der aufregendsten Talente im englischen Fußball, hat in dieser Saison in allen Wettbewerben mehr Tore geschossen als das berühmte Sturmtrio von Meister FC Liverpool mit Sadio Mané, Roberto Firmino und Mohamed Salah. 

Jadon Sancho könnte der Klub gut gebrauchen

Eine Verstärkung wie Jadon Sancho von Borussia Dortmund könnte der Klub trotzdem gut gebrauchen, falls der Transfer trotz Corona-Krise zu finanzieren wäre. "Manchester United hat immer schon großartige Spieler verpflichtet, die andere großartige Spieler auf ihren Positionen herausfordern", sagt United-Legende Gary Neville. Neben seinem Talent würde Sancho auch mit seinen sonstigen Eigenschaften (jung, entwicklungsfähig, englisch) in das Anforderungsprofil für den “kulturellen Reboot” passen, den der Verein unter Solskjaer vollziehen will. 

Priorität sollte auf dem Transfermarkt allerdings die Abwehr haben. Dieser Mannschaftsteil neigt zur Unsicherheit, trotz der fast 90 Millionen Euro, die der Klub vor der Saison für Harry Maguire ausgegeben hat. Der Neuaufbau bei Manchester United ist noch lange nicht abgeschlossen.

Stand: 16.07.2020, 10:10

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