Chinesische Fußball-Liga - holprige Rückkehr zur Normalität

Ex-Bundesliga-Profi Sandro Wagner (l.) bejubelt einen Treffer für seinen Klub Tianjin Teda

Einreisesperre im Reich der Mitte

Chinesische Fußball-Liga - holprige Rückkehr zur Normalität

Von Julian Tilders

China hat in der angeblich überstandenen Coronakrise die Rückkehr zur Normalität eingeleitet. Allerdings gibt es Angst vor einer neuen Krankheitswelle. Das hat auch Folgen für die ausländischen Stars der "Chinese Super League".

Lockerung ja, Kontrollverlust nein. In China wird mit Hochdruck daran gearbeitet, die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Doch die Regierung lässt weiter Vorsicht walten. So ist auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes zu lesen: "China hat mit Wirkung vom 28. März 2020 eine Einreisesperre für alle Einreisen von Ausländern nach China verfügt." Betroffen sind demnach auch "alle ausländischen Reisewilligen, die nach China auf der Grundlage eines bereits vorhandenen Visums oder einer bestehenden Aufenthaltserlaubnis" ein- oder zurückreisen wollen.

"Legionäre" in China unterrepräsentiert, aber wichtig

Für die "Chinese Super League" (CSL) stellt das aktuell ein Problem dar. Zuletzt kolportierten Medienberichte, die neue Saison im Reich der Mitte solle Anfang oder Mitte Mai starten. Ein offizielles, festes Datum gibt es noch nicht. Zumindest könnte es mit dem Saisonstart aber eng werden für viele "Legionäre" der chinesischen Fußball-Liga, für die die Grenze derzeit dicht ist.

81 ausländische Profis stehen in der CSL unter Vertrag, das entspricht einem Gesamtanteil von etwas über 15 Prozent - ein vergleichsweise geringer Wert. Zur Einordnung: Das deutsche Fußball-Oberhaus hat einen "Legionärsanteil" von etwa 53 Prozent. Dennoch, oder vielleicht gerade deswegen, haben ausländische Stars in China einen hohen Stellenwert als mediale Zugpferde und wurden in der Vergangenheit oft mit hohen Gehältern gelockt. Einer der größten Stars ist wohl Ex-ManUnited-Profi Marouane Fellaini (Shandong Luneng), der selbst positiv auf das Coronavirus getestet wurde und zuletzt sein Aufbautraining in einem chinesischen Krankenhauszimmer mit seinen Fans über Instagram teilte.

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Hulk und Oscar zurück, Arnautovic nicht

Mit Hulk und Oscar befinden sich auch Vertreter der CSL-Stars aus dem brasilianischen Lager jedenfalls schon wieder in China. Laut "The Athletic" schafften es die beiden zusammen mit Landsmann Ricardo Lopes per Privatjet gerade noch vor dem Inkraftreten des Einreisestopps über die Grenze und damit pünktlich zum umittelbar bevorstehenden Trainingsauftakt der chinesischen Klubs, wie das US-Magazin "Forbes" berichtete.

Andere Spieler sollen laut Medienberichten noch im Ausland festsitzen. Marko Arnautovic beispielsweise, der in der Bundesliga schon für Werder Bremen gespielt hat. Sein Marketing-Manager Leonhard Pranter bestätigte österreichischen Medien: "China hat komplett zugemacht. Wann sie wieder aufmachen, steht in den Sternen." In der ganzen Liga fehlten demnach noch "Legionäre".

Die deutschen "Legionäre": Stielike, Wagner, Bastians

Laut des deutschen Trainers Uli Stielike, der Tianjin Teda betreut, seien auch die dort unter Vertrag stehenden deutschen Profis Sandro Wagner und Felix Bastians noch nicht wieder eingereist, wie er "Sport1" sagte. "Die Chinesen checken gerade ab, ob es irgendwelche Sonderregelungen oder Ausnahmen gibt, aber im Augenblick sieht es nicht danach aus", erklärte Stielike.

Er selbst stehe mit seinem Trainerteam "täglich über Skype, WeChat oder Whatsapp" in Verbindung. Denn Stielike selbst kann ebenfalls nicht einreisen - seit Ende Februar war er nicht mehr bei seiner Mannschaft. Der 65-Jährige, der bei Teda seinen "letzten Vertrag im Profigeschäft" noch erfüllen will, musste nach einem positiven COVID-19-Fall in seiner Familie zuletzt in Quarantäne gehen, was seine pünktliche Abreise verhinderte.

Verzichtet die CSL auf einige "Legionäre"?

Laut Arnautovics Marketing-Manager Pranter sei die Frage bezüglich des Saisonstarts nun, ob die Liga ohne ihre "Legionäre" anfangen wolle. Stielike geht davon aus, dass die Spielzeit "wahrscheinlich im Juni/Juli" beginnen und erst Mitte Dezember enden wird. Der chinesische Fußball befindet sich aktuell noch auf einem holprigen Weg zurück zur Normalität.

Stand: 12.04.2020, 17:20

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