Regelhüter wollen dauerhaft fünf Wechsel im Fußball

Auswechslung bei einem Länderspiel: Karim Adeyemi (r.) kommt für Leroy Sané.

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Regelhüter wollen dauerhaft fünf Wechsel im Fußball

Von Chaled Nahar

Die Fußballregelhüter wollen dauerhaft fünf Wechsel pro Team ermöglichen. Die Regel war bislang eine Ausnahme in der Coronavirus-Pandemie.

Bei einer Sitzung von Beratungsgremien am Mittwoch (27.10.2021) sprachen die Regelhüter des International Football Association Boards (IFAB) eine Empfehlung aus, die derzeit gültige Ausnahme dauerhaft einzurichten. Eine Versammlung mit dem IFAB-Vorstand am 25. November soll nun diese Empfehlung der Generalversammlung zur Abstimmung vorlegen. Diese würde im Frühjahr 2022 entscheiden - eine Annahme des Vorschlags gilt aber als sicher.

"Kaum jemand hat sich bislang negativ über die Ausnahme-Regel geäußert, im Gegenteil", sagte IFAB-Geschäftsführer Lukas Brud im Gespräch mit der Sportschau. "Es haben sich sehr viele Verbände, Ligen und Klubs dafür ausgesprochen. Warum sollte das IFAB nein zu etwas sagen, das eine klare Mehrheit im Fußball als Option gerne hätte?"

Entlastung in der Pandemie - das Argument für die Ausnahme fällt weg

In der Pandemie kam es zu zahlreichen Spielausfällen, lange ruhte im Jahr 2020 der Spielbetrieb. Die Spiele mussten nachgeholt werden, der Kalender war in der Folge eng, viele Partien fielen in die heißen Sommermonate. Um eine Entlastung zu ermöglichen, gestattete das IFAB seit Mai 2020 zunächst als zeitlich begrenzte Ausnahme fünf Auswechslungen in maximal drei Spielunterbrechungen.

Die Änderung diene "dem Wohlbefinden der Spieler, vor allem wenn Wettbewerbe nach Unterbrechungen mit einem dicht gedrängten Kalender fortgesetzt werden", teilten die Regelhüter damals mit. Die Ausnahme wurde mehrmals verlängert, zuletzt bis Jahresende 2022.

Doch das Argument der Belastung in der Pandemie entfällt, die Spielpläne sind längst weitgehend zurück im Fluss. Die Entscheidung stand unweigerlich an, ob es bei fünf Wechseln bleibt oder nicht. Seit 1995 waren in den obersten Ligen drei Wechsel möglich, die Historikerin Petra Tabarelli veröffentlichte die Historie der Wechselregel auf "nachspielzeiten.de".

Auswechslungen in der Historie
JahrWechsel
2018Zusatzwechsel in der Verlängerung
19953
19942 plus Torwart
19672
vorherkeine oder nur bei Verletzungen

Löw ärgerte sich über die zwischenzeitliche Rückkehr

Bundestrainer Joachim Löw

Bundestrainer Joachim Löw

Die wenigen Gegenstimmen beim Erlass der Ausnahmeregel bezogen sich auf eine mögliche Bevorteilung von Topteams mit breiter aufgestellten Kadern. Auch von Finanzgeschäftsführern einiger Klubs kamen Bedenken: Mit mehr Spielern im Einsatz fallen auch mehr Prämienzahlungen an, manche Verträge verlängern sich automatisch, wenn eine bestimmte Zahl an Einsätzen erreicht ist. Die Bedenken konnten zerstreut werden, mittlerweile gibt es kaum Widerspruch.

Ärger gab es dagegen, als die UEFA im Herbst 2020 zwischenzeitlich zur ursprünglichen Regel mit drei Wechseln zurückkehrte. "Die ganze Zeit gab es fünf Wechsel, das fand ich sinnvoll. Jetzt wird es zurückgenommen", hatte Ex-Bundestrainer Joachim Löw nach den ersten Spielen der Nations League kritisiert. "Gerade jetzt hätte es mehr Wechselmöglichkeiten gebraucht. Einige sind auf dem Zahnfleisch gelaufen - dann passieren die Verletzungen." Die UEFA lenkte ein und ermöglichte ebenfalls wieder fünf Wechsel.

Fünf Wechsel sind eine Option, keine Pflicht

Auswechslung bei einem Länderspiel: Linda Dallmann (l.) kommt für Lina Magull.

Auswechslung bei einem Länderspiel: Linda Dallmann (l.) kommt für Lina Magull.

Auswechslungen werden in den Ligen sehr unterschiedlich gehandhabt. Die Premier League in England hat bislang als einzige Topliga die fünf Wechsel noch nicht erlaubt. Das könnte sie bei einer Annahme des Vorschlags durch das IFAB auch weiterhin tun, denn fünf ist nur die Maximalzahl an Wechseln - es gibt keine Pflicht, diese Zahl auszureizen. "Grundsätzlich könnte dann jeder Wettbewerb selbst entscheiden, diese Option zu ziehen oder nicht", sagt IFAB-Geschäftsführer Brud.

Unterhalb der Topligen waren durch das IFAB schon aktuell bis zu fünf Wechsel erlaubt, viele Amateurligen in Deutschland lassen auf dieser Grundlage vier Wechsel pro Team zu.

Zusatzwechsel in der Verlängerung bleibt

Mehrere Spieler und Offizielle stehen bei einer Einwechslung

Einer zu viel: Wolfsburg wechselt in Münster sechsmal.

Nicht zur Debatte steht nach Informationen der Sportschau der zusätzliche Wechsel in der Verlängerung. Wettbewerbe können es erlauben, dass in der Verlängerung ein zusätzlicher Wechsel zum eigentlichen Kontingent möglich ist.

Der DFB erlaubte dies zur Zeit der drei Wechsel, nicht aber zur Zeit der fünf Wechsel. Das führte im DFB-Pokalspiel zwischen Preußen Münster und dem VfL Wolfsburg zu Unklarheiten, die in einer Spielwertung endeten.

IFAB - was ist das?

Die Regeln des Fußballs legt nicht die FIFA, sondern traditionell das 1886 gegründete IFAB fest. Die FIFA hat dort aber ein großes Mitspracherecht. Vier der acht stimmberechtigten Mitglieder kommen von der FIFA, die anderen vier Stimmen halten die vier britischen Verbände aus England, Schottland, Wales und Nordirland.

Um eine Regeländerung durchzusetzen, ist bei der Generalversammlung eine Dreiviertelmehrheit notwendig. Die FIFA kann also nichts ohne die Briten durchsetzen, umgekehrt geht das ebenfalls nicht. Zumeist wird aber ohnehin im Vorfeld Einigkeit erzielt.

Stand: 27.10.2021, 17:58

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