Kroatiens Luka Modric (links) und der Belgier Kevin de Bruyne

FIFA WM 2022 Kroatien gegen Belgien - Viel Dampf im WM-Duell der alternden Stars

Stand: 30.11.2022 21:03 Uhr

Unruhe im belgischen Team: Ausgerechnet vor dem entscheidenden WM-Spiel gegen Kroatien kritisiert Superstar Kevin De Bruyne das Team und Coach Martinez wehrt sich gegen "Fake News". Vize-Weltmeister Kroatien hat die bessere Ausgangsposition, wirklich überzeugen konnte das Team um den früheren Weltfußballer Luka Modric bisher aber noch nicht.

Endstation für den Vize-Weltmeister? Oder vorzeitiges Ausscheiden für den WM-Dritten von 2018? Wenn Kroatien und Belgien am Donnerstag (01.12.2022, ab 16.00 Uhr im Livestream und Live-Ticker der Sportschau) im letzten Vorrundenspiel der Gruppe F im direkten Vergleich aufeinandertreffen, könnte für eines der beiden Top-Teams schon Endstation im Turnier sein.

Kroatien auf eins, Belgien auf drei

Kroatien geht nach einem Sieg gegen Kanada und einem Remis gegen Marokko mit vier Punkten und als Spitzenreiter der Vorrundengruppe F in die Partie. Belgien braucht als Dritter nach einem knappen 1:0-Sieg gegen Kanada und einer 0:2-Niederlage gegen Marokko mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Sieg fürs Weiterkommen.

Selbstvertrauen? "Sechs bis sieben von zehn"

Belgiens Kicker, vor der Europameisterschaft 2021 sogar Weltranglistenerste, sprühen vor dem entscheidenden Spiel um das Achtelfinale nicht gerade vor Zuversicht: Mit "sechs bis sieben von zehn" bezifferte etwa Mittelfeldspieler Timothy Castagne das Selbstbewusstsein der "Roten Teufel" auf der Pressekonferenz vor dem Spiel.

De Bruyne: "Zu alt" für den WM-Titel

Zuvor hatte bereits Belgiens Superstar Kevin De Bruyne der britischen Zeitung "The Guardian" auf die Frage, ob Belgien die WM gewinnen könne gesagt: "Keine Chance, wir sind zu alt." Außerdem, so der frühere Wolfsburger, sei die Abwehr zu langsam.

Kevin de Bruyne spricht sich für mehr Regenerationspausen und weniger Spiele aus

Kevin de Bruyne: "Wir sind zu alt"

Titelloser Abschied der "Goldenen Generation"?

Dem einst als "Goldene Generation" gepriesenen belgischen Team droht der endgültige Abgang ohne Titel. Der ewige Geheimtipp bei großen Turnieren ist in die Jahre gekommen. Beim schmeichelhaften Sieg gegen Kanada war das Team von Belgiens Coach Roberto Martinez 30,5 Jahre alt und damit die älteste Mannschaft des WM-Turniers von Katar.

Belgien: Nur sieben Torschüsse in zwei Spielen

Hinzu kommt die schwache Performance: De Bruyne leistete sich gegen Kanada und Marokko Fehlpassquoten von 21 und 26 Prozent. Der gegen Marokko eingewechselte frühere Dortmunder Angreifer Michy Batshuayi gewann gar nur 25 Prozent seiner Zweikämpfe. Gegen Kanada schossen die Belgier nur dreimal, gegen Marokko viermal aufs Tor.

Fragezeichen um Lukaku

Die Hoffnungen auf eine neu belebte Offensive liegen nun bei Romelu Lukaku. Ob der lange verletzte Angreifer von Inter Mailand aber gegen Kroatien von Beginn an spielen kann, war auch einen Tag vor dem Kroatien-Spiel unklar.

Fliegende Trikots in der Kabine?

Zudem scheint es beim belgischen Team ohnehin nicht sonderlich harmonisch zuzugehen. Die französische Sportzeitung "L'Equipe" und der belgische TV-Sender "RTL" hatten berichtet, dass es nach der Niederlage gegen Marokko in der belgischen Kabine hoch herging. De Bryne, Jan Vertonghen und Eden Hazard sollen sich lautstark gegenseitig für die Niederlage verantwortlich gemacht haben. Dabei sollen auch schmutzige Trikots durch die Kabine geflogen sein.

Coach Martinez: Schon sieben Niederlagen

Wütend wies Belgiens Trainer Roberto Martinez die Berichte zurück. "Offenbar mag es die belgische Presse, auf Fake News aus Frankreich hereinzufallen", schimpfte der 49-jährige Spanier auf der Pressekonferenz vor der Partie gegen Kroatien. Möglich, dass der Coach gegen Kroatien sein letztes Spiel erlebt: Unter Martinez kassierte Belgien zuletzt in 19 Spielen sieben Niederlagen. Das sind so viele wie zuvor in 74 Spielen.

Nach der 0:2-Pleite Belgiens bei der WM in Katar gegen Marokko ist es in Belgien und den Niederlanden zu Ausschreitungen gekommen. Besonders heftig waren die Krawalle in Brüssel.

Kroatische Presse frohlockt

Die kroatische Presse nimmt die Querelen um den kommenden Gegner der "Feurigen" genüsslich auf. "Die völlige Zerstörung von Belgien" titelte etwa "Jutarnij List" aus Zagreb nach den Berichten über die teaminternen Verwerfungen. "Belgien ist ausgelaugt, De Bruyne ist frustriert" schrieb "Slobodna Dalmacija" aus Split.

Kroatien überzeugt (noch) nicht

Dabei hat auch das mit 27,4 Jahren ebenfalls recht betagte kroatische Team bisher alles andere als überzeugt. Vor allem gegen das tief und dicht stehende Marokko hatte das Team um den 37-jährigen Superstar Luka Modric kaum offensive Lösungen parat. Kroatien schoss trotz klarer Ballbesitzvorteile in 90 Minuten nur zweimal tatsächlich auf das Tor - und spielte nur 0:0. Die offiziell gezählten fünf Torschüsse waren der schwächste Wert in Kroatiens WM-Geschichte.

Luka Modric im Zweikampf gegen Alphonso Davies

Modric: Noch keine Torbeteiligung im Turnier.

Gegen Kanada wählte Trainer Zlatko Dalic eine andere Taktik, ließ die spielfreudigen Nordamerikaner kommen und setzte auf Konter. Der Spielplan ging auf, Kroatien gewann trotz frühen Rückstands noch 3:1.

Modric: "K.o.-Runde nicht das einzige Ziel"

Kapitän und Teamleader Modric konnte dem Turnier noch nicht seinen Stempel aufdrücken. Nach zwei Toren in den ersten beiden Spielen der WM vor vier Jahren hatte der Weltfußballer und Ballon-d’Or-Gewinner von 2018 in Katar noch keine Torbeteiligung.

Dennoch scheint Modric im kroatischen Team eine ganz andere Rolle einzunehmen als der zweifelnde und kritische De Bryune bei den Belgiern. "Er reißt das ganze Team mit", lobt Coach Dalic. Entsprechend kämpferisch blickt Altstar Modric auf das Duell gegen Belgien: "Unsere Ziele sind hoch. Nur die K.o.-Runde zu erreichen, ist nicht unser einziges Ziel."

Kroatien ist einer der Geheimfavoriten der WM 2022 in Katar. Angeführt wird der amtierende Vizeweltmeister vom 37-jährigen Luka Modric - der immer noch Weltklasse ist.

De Bryune oder Modric? Einer fährt (wohl) nach Hause

De Bruyne oder Modric? WM-Dritter oder Vize-Weltmeister von 2018? Wahrscheinlich geht der WM-Traum nach dem direkten Aufeinandertreffen am Donnerstag nur für einen der beiden Ausnahmespieler weiter.