Abstiegskampf - sogar in Paderborn hoffen sie noch

Fabian Wohlgemuth, Geschäftsführer Sport beim SC Paderborn

Ausblick auf die Fortsetzung der Bundesliga

Abstiegskampf - sogar in Paderborn hoffen sie noch

Von Tim Beyer

Zwei neue Trainer, einer davon wartet seit acht Wochen auf sein erstes Spiel beim neuen Klub. Sieben, vielleicht acht Klubs, die hoffen und bangen und manchmal träumen - die Bundesliga ist zurück, und mit ihr der Abstiegskampf.

Wenn am Samstag (16.05.2020) die Fußball-Bundesliga fortgesetzt wird, sind sie beim 1. FC Köln in einer einigermaßen komfortablen Position. Der FC führt die zweite Hälfte der Tabelle an, vom Relegationsrang 16 trennen ihn zehn Punkte und von den letzten vier Ligaspielen hat die Mannschaft von Markus Gisdol drei gewonnen - das nur als Erinnerung, auch mancher Fußballfan tut sich da ja gerade schwer. Es ist lange her, dass in der Bundesliga Fußball gespielt wurde.

Die Kölner müssten sich schon einigermaßen ungeschickt anstellen, um in dieser Saison noch einmal in den Abstiegskampf zu rutschen. Von Union Berlin hat man das im März auch gedacht - doch jetzt, wo wieder Fußball gespielt wird, müssen sie das in Köpenick zunächst ohne Zutun der eigenen Fans gegen die Bayern und womöglich gar ohne ihren Trainer tun.

Union ohne Heimvorteil - und ohne Trainer?

"Er wird bis auf Weiteres fehlen", sagte Oliver Ruhnert, Union Berlins Geschäftsführer Sport, dem "Kicker" und meinte den Trainer Urs Fischer. Das Quarantäne-Trainingslager im niedersächsischen Barsinghausen hat Fischer am Mittwoch verlassen. Sollte der Übungsleiter rechtzeitig zum letzten Corona-Test am Samstag wieder bei der Mannschaft sein und dort negativ getestet werden, dürfte er sie aber tags darauf trotzdem gegen die Bayern coachen. "Es gibt Ausnahmen", sagte Ruhnert - offenbar nach Rücksprache mit der DFL.

Ohnehin wird es für die Berliner ein Neustart mit vielen Fragezeichen. Heimspiele, das haben sie bei Union immer wieder gesagt, seien ein Pfund mit diesen Fans im Rücken. Doch gegen den FC Bayern wird das Stadion in Köpenick leer bleiben. "Wer unsere Stimmung kennt, weiß, dass die Zuschauer bei uns den zwölften Mann ausmachen. Der fehlt nun aber", sagte Ruhnert.

Immerhin hat Union Berlin als Tabellenelfter noch immer acht Punkte Vorsprung auf Rang 16. Und der Aufsteiger spielt noch im Derby gegen die Hertha, gegen Mainz 05 und ganz zum Schluss gegen Paderborn und Düsseldorf. Der Klassenerhalt, da waren sich vor der Saison sehr viele Menschen einig, wäre eine Sensation. Jetzt könnte er Realität werden.

Stand vor dem 26. Spieltag
VereinPunkteTorverhältnis
10. 1. FC Köln3239:45 (-6)
11. Union Berlin3032:41 (-9)
12. Eintracht Frankfurt2838:41 (-3)
13. Hertha BSC2832:48 (-16)
14. FC Augsburg2736:52 (-16)
15. 1. FSV Mainz 052634:53 (-19)
16. Fortuna Düsseldorf2227:50 (-23)
17. Werder Bremen1827:55 (-28)
18. SC Paderborn1630:54 (-24)

Erst Gladbach, dann Bayern - Eintracht-Programm hat es in sich

Hinter Union steht in der Tabelle Eintracht Frankfurt - und es ist eigentlich kaum zu glauben, dass man sich in Frankfurt derzeit mit dem Thema Abstiegskampf beschäftigen muss. Kevin Trapp, Filip Kostic, Martin Hinteregger, Bas Dost oder André Silva sind Namen mit Klang, man vermutet sie eher nicht im unteren Tabellenmittelfeld. Zumal da ja immer noch die Erinnerung ist an jene Frankfurter Mannschaft, die vor einem Jahr gegen den FC Chelsea um den Einzug ins Finale der Europa League spielte und knapp unterlag.

Tatsächlich ist die Realität eine andere: Die Eintracht hat zwar sechs Punkte Vorsprung auf Düsseldorf auf Platz 16 und noch das Nachholspiel gegen Bremen in der Hinterhand, doch die nächsten Gegner heißen Gladbach und Bayern. Der Re-Start wird für Frankfurt kein leichter.

Die Hoffnung in Berlin und Augsburg: Neue Trainer, neuer Schwung?

Es folgen in der Tabelle auf den Plätzen 13 und 14 Hertha BSC und der FC Augsburg - zwei Klubs, die eines eint, obwohl sie sonst recht unterschiedlich sind: ein Trainerwechsel. In Berlin heißt der neue Übungsleiter seit vier Wochen Bruno Labbadia, er hat jede Menge Erfahrung, auch im Abstiegskampf. Von ihm erhoffen sie sich, dass er kurzfristig die Klasse hält und den Klub dann nach Europa coacht. Mit den Millionen von Lars Windhorst, aber trotzdem irgendwie bodenständig und möglichst ohne Facebook-Live.

Und während sie in Berlin beim Blick auf ihren Kader womöglich erst gar nicht verstanden haben, wieso sie plötzlich im Abstiegskampf stecken, haben sie damit in Augsburg Erfahrung. Sechs von acht Bundesligaspielen hat der FCA im Jahr 2020 verloren, deshalb heißt der Trainer nun nicht mehr Martin Schmidt, sondern seit Mitte März Heiko Herrlich.

Herrlich, das weiß man jetzt, kann minutenlang erzählen, wie er kürzlich die Quarantäne-Regeln der DFL gebrochen hat, um sich im Supermarkt Zahnpasta und Hautcreme zu kaufen. Aber kann er auch Augsburg retten? Die nächsten Wochen werden es zeigen: Am 28. Spieltag spielt der FCA zu Hause gegen Paderborn, dann bei Hertha BSC, später noch in Mainz und am vorletzten Spieltag in Düsseldorf.

Heiko Herrlich erzählt von seinem Quarantäne-Ausflug in den Supermarkt Sportschau 14.05.2020 02:38 Min. Verfügbar bis 14.05.2021 Das Erste

Der Mainzer Beierlorzer und das Wiedersehen mit Köln

Auf Platz 15 steht derzeit mit 26 Punkten der 1. FSV Mainz 05. Und für dessen Trainer steht am Sonntag (17.05.2020) mit der Reise zum Gegner nach Köln auch eine in die nähere Vergangenheit an. Die Saison hat Achim Beierlorzer noch als Trainer in Köln begonnen, ehe er im November dort entlassen und kurz darauf von Mainz unter Vertrag genommen wurde. Von den letzten fünf Ligaspielen hat Mainz nur eins verloren - doch was heißt das schon, wenn der letzte Spieltag vor neun Wochen war?

Geht da noch was für Werder?

Es hat sich einiges verändert bei Fortuna Düsseldorf, seit der Trainer nicht mehr Friedhelm Funkel heißt, sondern Uwe Rösler. Die Fortuna spielt nun nicht mehr ganz so zaghaft nach vorne, sie punktet auch etwas regelmäßiger. Von den sechs Ligaspielen unter Rösler verlor Düsseldorf nur eins und holte immerhin sieben Punkte. Und doch dürften sie in Düsseldorf mit einem unguten Gefühl nach Bremen schauen.

Werder Bremen ist als letzter Bundesligist wieder ins Training eingestiegen, das Bremer Gesundheitsamt und die Politik spielten zunächst nicht mit. Doch was Trainer Florian Kohfeldt zuletzt erzählt hat, dürfte Werder-Fans Hoffnung machen. "Es hat sich bestätigt, dass wir uns athletisch und läuferisch auf einem deutlich höheren Level bewegen als vor der Pause", sagte Kohfeldt dem "Kicker", nachdem er seine Spieler in einem internen Testspiel beobachtet hatte.

Auch in die Bundesliga steigt Bremen spät wieder ein, mit dem Montagabendspiel gegen Leverkusen. Noch sind es vier Punkte Rückstand auf Düsseldorf, doch Werder hat eben auch noch das Nachholspiel gegen Frankfurt in der Hinterhand. Geht da etwa doch noch was für die Bremer?

Paderborn - Vorentscheidung in Düsseldorf?

Und dann sind da noch die wackeren Ostwestfalen vom SC Paderborn, die oft so herrlich offensiv gespielt und dann doch verloren haben. Jetzt steht der SCP dort, wo ihn Fans in ganz Deutschland vor der Saison erwartet hatten: ganz unten, auf Platz 18, mit nur 16 Punkten.

An diesem Wochenende tritt Paderborn in Düsseldorf an, hier könnte schon eine Vorentscheidung fallen. Mit einem Sieg könnten die Ostwestfalen den Rückstand auf die Fortuna auf drei Punkte verkürzen, bei einer Niederlage wären sie allerdings neun Punkte zurück. "Wir fahren nach Düsseldorf, um das Spiel zu gewinnen", sagt Trainer Steffen Baumgart. Was soll er auch sonst sagen?

Was machen Stadionsprecher bei Geisterspielen?

Sportschau 12.05.2020 03:04 Min. Verfügbar bis 12.05.2021 Das Erste Von Moritz Cassalette

mit Material von sid und dpa | Stand: 15.05.2020, 12:00

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