Spionage im Baseball - Sperren und Millionenstrafe gegen Houston Astros

Jim Crane, Eigentümer der Houston Astros

Amerikanische Baseball-Liga MLB

Spionage im Baseball - Sperren und Millionenstrafe gegen Houston Astros

Spionage-Skandal in der Major League Baseball (MLB): Weil sie es als erwiesen ansieht, dass Vertreter der Houston Astros Kamera-Aufzeichnungen von gegnerischen Taktikanweisungen angefertigt haben, hat die Liga Strafen und Sperren verhängt. Die Astros zogen personelle Konsequenzen.

Am Schlagmal spitzten die Spieler ihre Ohren. Ein Knall gegen die Mülltonne, zwei oder keiner? Die Baseballer der Houston Astros lauschten genau, denn durch diese Trickserei wussten sie, welcher Wurf auf sie zukommen würde. Eine ausgebuffte Masche, nur möglich durch Spionage, jetzt reagierte die Profiliga MLB mit harten Strafen.

Cheftrainer A.J. Hinch und General Manager Jeff Luhnow wurden für die kommende Saison der Major League Baseball gesperrt, kurz nach dem Urteil folgte die Entlassung durch den Klub. Dazu wurde den Astros eine Geldstrafe von fünf Millionen Dollar aufgebrummt, sie verlieren ihre ersten beiden Picks in den Drafts 2020 und 2021.

Eine Frage der Integrität

Die Liga sieht es als erwiesen an, dass Houston in seiner Meistersaison verbotenerweise Signale von gegnerischen Catchern mithilfe einer Kamera eingefangen hat. "Ich finde, dass das Verhalten der Astros und ihrer sportlichen Führung eine besonders harte Strafe verdient", sagte MLB-Kommissar Rob Manfred: "Das hier beschriebene Verhalten hat Fans, Spieler, Führungskräfte anderer MLB-Klubs und Medienvertreter dazu veranlasst, Fragen zur Integrität der Spiele zu stellen, an denen die Astros teilgenommen haben."

Während es "unmöglich" sei festzustellen, ob sich das Verhalten tatsächlich auf die Ergebnisse ausgewirkt habe, könne "die schiere Vorstellung davon dem Spiel erheblichen Schaden zufügen."

Wurden die Kameras auch in den Playoffs 2017 eingesetzt?

Wie das US-Sportmagazin The Athletic berichtet, nutzten die Astros eine Kamera im Center Field ihres Stadions, um die Signale des gegnerischen Catchers an den Pitcher auszuspionieren. Mitarbeiter des Teams oder auch Spieler schauten sich die Aufnahmen auf einem Monitor im Durchgang hinter der Bank an und sahen, ob etwa ein Fastball oder ein Off-speed-Pitch kommt - dann erfolgte die ausgemachte Anzahl an (Baseball-)Schlägen gegen die Mülltonne.

Die Folgen des Spionage-Skandals weiteten sich am Mittwoch aus. Der 13-malige World-Series-Gewinner Boston Red Sox beendete in gegenseitigem Einvernehmen die Zusammenarbeit mit Manager Alex Cora. Der 44-Jährige soll eine Schlüsselrolle im Skandal um die Astros gespielt haben, für die er 2017 tätig war. Auf dem bislang einzigen World-Series-Erfolg der Astros vor zwei Jahren liegt ein Schatten, auch wenn unklar ist, wie viele Spieler die Methode genutzt haben und ob sie auch in den Playoffs vor dem Titelgewinn eingesetzt wurde.

Boston Red Sox wurden 2017 bestraft

Zeichenspionage gab es in der MLB schon vorher. 2017 erhielten die Boston Red Sox eine Geldstrafe, da einer ihrer Trainer auf der Bank über eine Uhr Infos zu den Zeichen der Gegner erhalten hatte. Technische Instrumente sind dort genau deshalb verboten. 

sid | Stand: 15.01.2020, 08:00

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