Angelique Kerber winkt enttäuscht ins Publikum nach der Niederlage gegen Kanepi (Estland)

Tennis | Australian Open

Australian Open - Kerber scheidet an ihrem Geburtstag aus

Stand: 18.01.2022, 14:00 Uhr

Aus in der ersten Runde: An ihrem 34. Geburtstag kassierte Angelique Kerber eine bittere Niederlage bei den Australian Open. Andy Murray feierte dagegen einen emotionalen Sieg. Auch Philipp Kohlschreiber war erfolgreich, Jan-Lennard Struff und Maximilian Marterer dagegen nicht.

Angelique Kerber hat an ihrem 34. Geburtstag mit dem Erstrunden-Aus bei den Australian Open eine große Enttäuschung erlebt. Die seit Dienstag (18.01.2022) 34 Jahre alte Kielerin verlor in Melbourne mit 4:6, 3:6 gegen die Estin Kaia Kanepi und schied als letzte von ohnehin nur drei deutschen Tennisspielerinnen aus.

Damit konnte auch die Turniersiegerin von 2016 die Damen-Tristesse in Australien nicht verhindern: Erstmals seit 1977 steht keine Deutsche bei den Australian Open in der zweiten Runde, weil Andrea Petkovic und Tatjana Maria schon am Montag ausgeschieden waren. "Ich spiele immer noch mit Leidenschaft Tennis. Ich hoffe, dass ich immer noch den einen oder anderen Sieg und Titel mit nach Hause bringen kann", sagte Kerber nach der herben Niederlage.

Vom Virus ausgebremst

Kerber, Deutschlands beste Tennisspielerin, hatte 2016 bei den Australian Open ihren ersten von drei Grand-Slam-Titeln gefeiert. Jetzt war für sie zum zweiten Mal nacheinander in der ersten Runde Schluss. In der Vorbereitung auf die neue Saison war die frühere Weltranglisten-Erste vom Coronavirus ausgebremst worden, sie bestritt am Dienstag das erste Match der Saison. "Corona-Folgen habe ich jetzt nicht gemerkt, aber ich habe gemerkt, dass ich vielleicht einen Schritt zu langsam war, zu leichte Fehler gemacht habe. Natürlich hat mir die Matchpraxis gefehlt", erklärte die Deutsche.

Zaudern und Kopfschütteln

Mit dem 3:2 im zweiten Satz ging die Linkshänderin zum ersten Mal im Match in Führung. Neben leichten Fehlern zeigte sie sporadisch auch gute Punkte, aber viel zu selten. Immer wieder war ihr zum Zaudern und Kopfschütteln zumute - und nach einer Stunde und 20 Minuten verließ sie mit dem Handtuch über den Schultern und einem kurzen Winken den Platz.

Die zweimalige Wimbledon-Siegerin Petra Kvitova, Endspiel-Teilnehmerin von 2019, kassierte ebenfalls eine überraschend klare 2:6, 2:6-Niederlage gegen die Rumänin Sorana Cirstea.

Auch US-Open-Finalistin Leylah Fernandez erlebte einen Rückschlag. Vier Monate nach ihrer überraschenden Erfolgsserie von New York schied die 19 Jahre alte Kanadierin in der ersten Runde mit einem 4:6, 2:6 gegen die Weltranglisten-133. Maddison Inglis aus. Dagegen gewann die Siegerin von New York, Emma Raducanu, nach einem furiosen Match gegen die ehemalige US-Open-Gewinnerin Sloane Stephens (USA) mit 6:0, 2:6, 6:1. Der britische Jungstar wird in dieser Saison von Angelique Kerbers langjährigem Erfolgscoach Torben Beltz trainiert.

Murrays emotionale Rückkehr

Andy Murray ist erstmals seit fünf Jahren bei den Australian Open in die zweite Runde eingezogen. In fünf Sätzen rang der Schotte den Georgier Nikolos Bassilaschwili mit 6:1 3:6, 6:4, 6:7 (5:7), 6:4 nieder. Nach 3:52 Stunden machte Murray seinen Erfolg gegen die Nummer 21 der Setzliste perfekt.

Andy Murray nach seinem Erstrundensieg in Melbourne

Andy Murray nach seinem Erstrundensieg in Melbourne

Nach dem Match blickte der Brite, der fünf Mal im Finale der Australian Open stand und immer unterlag, erst andächtig gen Himmel und brüllte dann seine Freude heraus. "Es waren sehr harte drei, vier Jahre", sagte Murray: "Ich dachte schon, ich hätte hier mein letztes Match gespielt vor drei Jahren. Es ist großartig, jetzt hier einen solchen Kampf über fünf Sätze zu gewinnen."

Murray, aktuell 113. der Welt, war vor drei Jahren am Ende. Die Hüfte schmerzte unentwegt, keine Therapie brachte Linderung. Und so setzte sich der britische Tennis-Held im Januar 2019 mit zitternder Stimme und Tränen in den Augen vor die Presse und kündigte seinen Abschied vom Profitennis an.

Struff und Materer schon draußen

Für Davis-Cup-Spieler Jan-Lennard Struff sind die Australian Open bereits in der ersten Runde zu Ende gegangen. Mit einem deutlichen 4:6, 3:6, 2:6 gegen den Niederländer Botic van de Zandschulp verabschiedete sich der 31 Jahre alte Tennisprofi aus Warstein am Dienstag (18.01.2022) aus der Einzel-Konkurrenz.

Die Enttäuschung bei Struff war "riesig". Dabei hatte es am Anfang eigentlich gut ausgesehen, mit 4:2 hatte die Nummer 52 der Welt vorn gelegen. "Auf einmal steht es 4:6, wo es auf einmal so schnell wegläuft", haderte Struff. "Dann hab ich mich eigentlich wieder ganz ordentlich berappelt, doch dann habe ich mir das Leben wieder selbst schwer gemacht. Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich war nicht happy, wie ich gespielt habe. Das war echt nicht gut."

Auch Qualifikant Maximilian Marterer hat eine Überraschung klar verpasst. Der frühere French-Open-Achtelfinalist verlor gegen den an Position 20 gesetzten Taylor Fritz aus den USA mit 6:7 (8:10), 3:6, 2:6.

Gelungener Auftritt von Kohlschreiber

Philipp Kohlschreiber gewann dagegen sein Auftaktmatch gegen den Italiener Marco Cecchinato 6:4, 7:5, 7:6 (7:0) und hübschte mit seinem Zweitrunden-Einzug die deutsche Herren-Bilanz beim ersten Grand-Slam-Turnier der Saison weiter auf. "Gewinnen ist immer großartig", sagte der 38-Jährige. Seine Leistung sei "tadellos" gewesen.

Philipp Kohlschreiber

Philipp Kohlschreiber

Der Augsburger steht nun am Donnerstag vor einer schwierigeren Aufgabe gegen den an Position 15 gesetzten Spanier Roberto Bautista Agut. Vor ihm waren am Montag bereits Alexander Zverev, Dominik Koepfer, Yannick Hanfmann und Oscar Otte weitergekommen.

Mitfavorit Medwedew ohne Probleme weiter

US-Open-Gewinner Daniil Medwedew ist ohne Probleme in die zweite Runde eingezogen. Der Weltranglisten-Zweite kam mit einem 6:1, 6:4, 7:6 (7:3) gegen den Schweizer Außenseiter Henri Laaksonen weiter. Medwedew ist ein Mitfavorit auf den Turniertitel, insbesondere nach der unfreiwilligen Ausreise des Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic.

Quelle: red/dpa/sid

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