Verstappen sorgt mit Gala-Fahrt für Party in Zandvoort

Max Verstappen jubelt in Zandvoort

Formel 1

Verstappen sorgt mit Gala-Fahrt für Party in Zandvoort

Im Oranje-Jubelmeer von Zandvoort hat Kronprinz Max Verstappen mit dem ersehnten Heimsieg die Formel-1-Spitze zurückerobert. Der niederländische Red-Bull-Star raste am Sonntag (05.09.2021) vor Titelrivale Lewis Hamilton zu seinem siebten Saisonerfolg und trieb die Zehntausenden auf dem Dünenkurs in die Ekstase.

Alle taktischen Attacken von Mercedes und selbst ein Blockade-Versuch von Hamiltons Teamkollege Valtteri Bottas konnten Verstappen vor den Augen auch des niederländischen Königspaares nicht bremsen.

"Schöne 72 Runden hier", funkte der Verstappen vor Freude lachend an die Box. "Das war episch", lobte Teamchef Christian Horner. Der 23-jährige Verstappen verwies beim Großen Preis der Niederlande den weiterhin 99-maligen Grand-Prix-Sieger Hamilton und Bottas auf die Plätze zwei und drei.

Vettel verpasst als 13. die Punkte

Max Verstappen, dahinter Lewis Hamilton

Max Verstappen, dahinter Lewis Hamilton

Nach der Rennfarce im verregneten Spa vor einer Woche verwöhnte der in Belgien geborene Verstappen mit einer tadellosen Fahrt seine Fans und liegt vor dem Klassiker in Italien am kommenden Sonntag im Klassement nun wieder vor Hamilton.

Die knallorange Party an der Nordsee war für die Formel 1 eine spektakuläre Rückkehr in die Zeit vor Corona, für das deutsche Fahrer-Duo aber kein glanzvolles Wochenende. Der viermalige Weltmeister Sebastian Vettel verpasste im Aston Martin als 13. die Punkte, Mick Schumacher wurde im Haas Letzter.

75.000 Fans auf den Tribünen

Die Oranje-Fans in Zandvoort

Die Oranje-Fans in Zandvoort

Dafür hatten die Zuschauerinnen und Zuschauer aber eh keine Augen. Dicht an dicht und meist ohne Maske tobten 75.000 Fans auf den Tribünen, schon lange vor dem Start zogen Rauschwaden in Oranje über die Steilkurven. 36 Jahre nach dem bislang letzten Gastspiel in Zandvoort, als Niki Lauda der letzte Sieg seiner Karriere gelungen war, erlebte die Verstappen-Euphorie ihren vorläufigen Siedepunkt.

Mit der nervenstarken Fahrt auf die Pole Position hatte er die Fans schon in der Qualifikation begeistert und die Hoffnungen auf den ersten Sieg eines Niederländers in der Heimat geschürt. Vor dem Rennbeginn zeigte er König Willem-Alexander und Königin Maxima noch fix seinen Red Bull.

Verstappen verteidigt Führung beim Start

Als die Roten Ampeln ausgingen, zog er mit seinem Wagen sofort davon und bog als klar Führender in die erste Kurve ein. Dahinter Hamilton, der bei dem Rechtsknick beim Herausbeschleunigen noch weitere Meter auf Verstappen verlor. 1,7 Sekunden lag Verstappen nach der ersten Runde vor Hamilton. Damit war der Brite schon außerhalb des Überholfensters von maximal einer Sekunde.

Und Verstappen flog weiter über den Kurs. Die 1000. Führungsrunde in der Karriere des 2015 mit gerade mal 17 Jahren in die Formel 1 eingestiegenen Niederländers war nach neun Umläufen nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zum großen Ziel WM-Triumph.

Masepin fährt Schumachers Frontflügel kaputt

Hamilton kam einfach nicht ran, während weiter hinten im Feld schon wieder das deutsch-russische Haas-Duo weniger für Furore als vielmehr für Unverständnis sorgte. Nachdem es am Samstag zum Zoff zwischen Mick Schumacher und Nikita Masepin gekommen war, fuhr der Russe dem Sohn von Rekordweltmeister bei einem hochgefährlichen Manöver nahe der Boxenmauer den Frontflügel kaputt. Mick Schumacher musste in die Box und wurde nach nur neun Runden von Verstappen überrundet.

Lewis Hamilton in Zandvoort

Lewis Hamilton in Zandvoort

Hamilton zog den einzigen Trumpf, den er zunächst zu haben schien: vor Verstappen an die Box. Allerdings brauchte seine Crew fast eine Sekunde länger als die von Verstappen, der eine Runde später zum Reifenwechsel reinkam. Immerhin konnte Hamilton aber den Rückstand von gut über drei Sekunden zunächst auf unter zwei verkürzen.

Verstappen kassiert Bottas

Also sollte nun Bottas den Verstappen-Blockierer machen. Mercedes hatte den Finnen, der noch immer keinen neuen Vertrag für die nächste Saison hat, mit den abgenutzten Reifen auf der Strecke gelassen. Bottas versuchte auch alles, ausgangs der Steilkurve musste er Verstappen aber passieren lassen - die Fans sprangen aus ihren Sitzen und feierten das Manöver ihres Lokalhelden. Auch Hamilton raste an Bottas vorbei, büßte aber umgehend schon wieder Zeit auf den Führenden im Red Bull ein.

"Er hatte Glück mit dem Verkehr", funkte der 36-Jährige, der es dann wieder mit einem Boxenstopp vor Verstappen versuchte. Brachte wieder nichts, Red Bull und Verstappen verteidigten Führung und Vorsprung. Der Funkverkehr zwischen Hamilton und dem Mercedes-Kommandostand hatte Hochkonjunktur. Zumal dann auch noch Bottas die schnellste Runde mit frischen Reifen drehte - trotz gegenteiliger Teamorder, und so Hamilton noch mal zur Bestleistung auf einer Runde trieb, während Verstappen die letzten Kilometer im Jubelmeer an den Nordsee-Dünen genoss.

Bereits am kommenden Sonntag in Monza steht das dritte Rennen in drei Wochen nach der Sommerpause an.

Formel-1-Rückkehr nach Zandvoort: Kultig und hoch umstritten

Von Volker Schulte

Die Formel 1 kehrt nach Zandvoort zurück - auf einen einzigartigen Dünen-Kurs mit Steilkurven und Tradition. Doch zur bewegten Geschichte der Strecke gehört auch scharfe Kritik.

Die Rennstrecke in Zandvoort 1961

Eine Achterbahnfahrt durch die Dünen, reizvoll, gefährlich, umstritten - der Circuit Park Zandvoort besitzt Kultstatus, polarisiert aber auch.

Eine Achterbahnfahrt durch die Dünen, reizvoll, gefährlich, umstritten - der Circuit Park Zandvoort besitzt Kultstatus, polarisiert aber auch.

30 Mal trägt die Formel 1 zwischen 1952 und 1985 ihren Großen Preis der Niederlande in Zandvoort aus - hier ein Bild aus dem Jahr 1970. Bei diesem Rennen verunglückt der Brite Piers Courage tödlich.

Die Strecke wird umgebaut, sicherer gemacht. Doch es gibt weitere Todesfälle: Roger Williamson (Formel 1, 1973) und Hans-Georg Bürger (Formel 2, 1980). Auf diesem Bild landet Gilles Villeneuve 1981 im Ferrari im Kiesbett.

1985 ist die Formel 1 vorerst letztmals zu Gast. Nicki Lauda (hier 2.v.r. im Jahr 1984) ist der letzte Triumphator - es ist sein 25. und letzter Grand-Prix-Erfolg. Rekordsieger von Zandvoort ist Jim Clark mit vier Titeln.

Ganz leise wird es in Zandvoort danach natürlich nicht. Ein Umbau 1998 bringt den Kurs auf die heutige Länge von 4,26 Kilometer, die DTM ist von 2001 bis 2018 zu Gast. 2019 wird die Rückkehr der Formel 1 ab 2020 angekündigt.

Die angekündigte Rückkehr löst Jubel, aber auch Protest aus. Denn die Rennstrecke ist allein schon deshalb umstritten, weil sie durch ein Naturschutzgebiet führt. Umwelt- und Tierschutzorganisationen klagen, auch weil die vom Aussterben bedrohten Sandeidechsen und Kreuzkröten an der Strecke siedeln. Doch alle Klagen werden abgewiesen, die Tierarten umgesiedelt.

Weitere Kritikpunkte: Lärm für die Anwohner und das drohende Verkehrschaos. Schon ohne Motosportevent pendeln an schönen Wochenenden Tausende an den Badeort, vor allem aus dem nahegelegenen Amsterdam. Beim Grand Prix wird deshalb die Frequenz der Züge stark erhöht - und die Veranstalter richten einen frommen Appell an die Zuschauer, doch möglichst mit dem Fahrrad anzureisen.

Auch die Corona-Politik erhitzt die Gemüter. 2020 fällt das Formel-1-Comeback noch aus, jetzt dürfen 70.000 Zuschauer kommen - und auch ein Zeltplatz ist genehmigt. Und das, obwohl Festivals und andere Großveranstaltungen in den Niederlanden verboten sind.

Vermutlich trägt auch der Hype um Max Verstappen dazu bei, dass das Rennen gegen alle Widerstände durchgezogen wird. Der 24-Jährige hat das Zeug, erster niederländischer Formel-1-Weltmeister zu werden, liegt nur drei Punkte hinter Lewis Hamilton.

Die Strecke ist noch einmal angepasst worden - unter anderem mit zwei Steilkurven als Unikat im Formel-1-Rennkalender. Die letzte Kurve ist um bis zu 32 Prozent geneigt - und damit steiler als die Kurven des berühmten Inianapolis Motor Speedway. Die Steilkurven sollen das Überholen erleichtern.

dpa | Stand: 05.09.2021, 16:59

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