Lewis Hamilton
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Sensation in der Formel 1 Hamilton im Ferrari - die logische Konsequenz

Stand: 01.02.2024 21:46 Uhr

Lewis Hamilton verlässt Mercedes und fährt ab 2025 für Ferrari. Ein Sensationswechsel, der auf den zweiten Blick aber Sinn ergibt. Für Fahrer und Team.

Von Marco Schyns

17 Jahre ist es her, dass die Scuderia Ferrari einen Weltmeistertitel in der Formel 1 gewinnen konnte. Es ist der einzige Titel in der Post-Schumacher-Ära – 2007 triumphierte Kimi Räikkönen. Dass gleich im Jahr darauf nicht Felipe Massa folgte, lag zum einen an einem wilden Saisonfinale in Brasilien und zum anderen an der phänomenalen Debütsaison jenes Fahrers, der später Geschichte schreiben und mit Rekordweltmeister Michael Schumacher gleichziehen sollte: Lewis Hamilton.

Seine Geschichte und die des traditionsreichen italienischen Rennstalls sind also gewissermaßen schon seit jeher miteinander verbunden. Dass die Wege nun in der Saison 2025 zusammenführen, ist nicht weniger als ein Erdbeben in der Königsklasse des Motorsports. Und doch ist es die logische Konsequenz.

Hamilton und Mercedes - eine Ära geht zu Ende

Ab der übernächsten Saison ist Lewis Hamilton kein Mercedes-Fahrer mehr. Eine Ära, die zwischenzeitlich zu den dominantesten der Formel-1-Geschichte gehörte, geht zu Ende. Zwischen 2014 und 2020 holte Hamilton sechs WM-Titel, die perfekte Serie durchbrach nur Teamkollege Nico Rosberg 2016. Jenes Jahr und noch viel mehr die Saison 2021, als sich Max Verstappen in der letzten Runde des letzten - höchst umstrittenen - Rennens den Titel schnappte, nagen bis heute an ihm.

Es wäre beinahe zu kitschig, wenn Hamilton sich Ende 2024 mit jenem achten Titel von Mercedes verabschieden würde. Und es ist angesichts der Red-Bull-Dominanz zuletzt auch unwahrscheinlich. Gewänne er diesen lang ersehnten Titel aber sogar im Ferrari – und beendete damit eine fast zwei Jahrzehnte andauernde Titellosigkeit des traditionsreichen Rennstalls aus Maranello/Italien, wäre das nicht nur kitschig – es würden schlichtweg Worte fehlen, eine solche Geschichte angemessen zu beschreiben.

Ferrari zuletzt so schwach wie auch Mercedes

Sind es also die sportlichen Aussichten, die Hamilton im Spätherbst seiner Karriere zu diesem Schritt bewegen? Der Brite ist kürzlich 39 Jahre alt geworden, tritt dann als 40-Jähriger einen, so heißt es im offiziellen Statement des Teams, "Mehrjahresvertrag" an. Die Aussichten, im Titelkampf mit Red Bull und höchstwahrscheinlich auch McLaren mitzuhalten, waren im Mercedes zuletzt ebenso gering wie im Ferrari.

Mit Ende der dramatischen 2021er-Saison verlor Mercedes den Anschluss, Ferrari konnte ein halbes Jahr auf höchstem Niveau mithalten, stand sich dann mit Fehlern bei Team und Fahrern selbst im Weg und konnte zuletzt nur sporadisch kleinere Erfolge feiern.

Eine Frage der Personalien?

Viel mehr dürfte die Entscheidung auf die Personalien Frederic Vasseur und John Elkann zurückzuführen sein. Vasseur ist seit 2023 Teamchef der Scuderia, Elkann bereits seit 2018 Präsident. Mit beiden verbindet Hamilton eine gemeinsame Vergangenheit: 2006 gewann der Brite für Vasseurs damaliges ART-Team den Formel-2-Titel. "Wir hatten immer schon ein sehr gutes Verhältnis zueinander und reden oft miteinander", sagte Hamilton einst. Mit Elkann verbindet ihn nach eigenen Angaben seit einigen Jahren eine "Freundschaft".

Es sind jene Beziehungen, die Hamilton in über zehn Jahren zwar auch bei Mercedes aufgebaut hat, die zuletzt aber immer wieder, zum Teil öffentlich, auf die Probe gestellt wurden. Der Brite machte keinen Hehl daraus, mit der sportlichen und technischen Entwicklung seit 2022 unzufrieden zu sein. Schon seine Vertragsverlängerung Anfang 2022 zog sich über Wochen und Monate hin. Mit der jetzt von ihm aktivierten Ausstiegsklausel für 2025 macht er Gebrauch von einer Hintertür, die ihm offenbar schon bei Unterzeichnung wichtig war.

Immer wieder Gerüchte um Hamilton und Ferrari

Wohl auch, weil dieser Gedanke an Ferrari nie so richtig verschwinden wollte. Gerüchte gab es auch in seiner besten Zeit bei Mercedes immer wieder, wirklich ernst wurde das Thema aber nie. Dafür lief es bei Mercedes lange Zeit viel zu gut. Ferrari wäre immer ein Risiko gewesen, ein Schritt zurück.

Sebastian Vettel kann davon ein Lied singen. Der viermalige Weltmeister träumte vom Beginn seiner Karriere an von einem Wechsel zu Ferrari, dem Mythos der Formel 1. Vettel aber wurde dort nie wirklich glücklich. Die Lücke zwischen Anspruch und Realität konnten weder er noch das Team schließen.

Ein guter Deal für Ferrari und Hamilton

Die Ansprüche, das beste Auto und den Weltmeister zu stellen, hat Ferrari nie verloren. Aber 17 Jahre ohne Titel gehen nicht spurlos an einem Team vorbei, das sich einst über Erfolg definiert hat. Dass sie ab 2025 gleich zwei Fahrer im Team haben, die Weltmeister-Potenzial haben, könnte dem Team auch helfen. An Hamiltons Seite wird nämlich Charles Leclerc fahren, dessen Vertrag jüngst erst langfristig erneuert worden war. Der Druck war und ist immer immens, daran ändert auch dieser spektakuläre Deal nichts.

Auch Hamilton kann eigentlich nur gewinnen: Sollte er mit dem Projekt WM-Titel in Rot scheitern, wäre er einer von so vielen vor ihm – sollte er jedoch erfolgreich sein, erfüllt er der Scuderia nach fast zwei Jahrzehnten diesen lang ersehnten Wunsch und würde sich damit auch in Italien unsterblich machen.