Deutschland gegen Brasilien - immer noch wichtig

Uwe Gensheimer mit dem Ball

Zweites Hauptrundenspiel gegen Brasilien

Deutschland gegen Brasilien - immer noch wichtig

Von Robin Tillenburg

Ob es für die deutschen Handballer in der Partie gegen Brasilien heute bei der Handball-WM noch eine Chance aufs Weiterkommen gibt, werden sie beim Anwurf bereits wissen. Trotzdem ist das Spiel in jedem Fall wichtig.

"Wir haben einfach die größte Strahlkraft mit der Nationalmannschaft, um unsere Sportart zu repräsentieren. Wir brauchen dieses Turnier", hatte Kapitän Uwe Gensheimer vor Beginn der Weltmeisterschaft angesichts der Diskussionen um die Sinnhaftigkeit der Austragung gesagt.

Handballstandort Deutschland stärken

Tatsächlich sind die großen Turniere für Sportarten wie Handball, die bei Mitgliederzahlen, finanziellen Möglichkeiten und Fans keine Nischensportarten mehr sind, elementar wichtig. Mehrere Millionen Menschen haben im Schnitt die deutschen Spiele bisher bei ARD und ZDF verfolgt, die Nationalmannschaft ist traditionell ein Publikumsmagnet.

Was "Handball-Deutschland" jetzt gerade auch braucht, ist eine Mannschaft, die begeistert, die Potenzial andeutet, die die Hoffnung auf eine Rückkehr in die Weltspitze in den nächsten Jahren nährt. Die Viertelstunde nach der Halbzeit gegen Spanien war ein Vorgeschmack, der natürlich von der Schlussviertelstunde wieder überlagert wurde.

Auch ohne Viertelfinale: Siege sind wichtig

Es kann gut sein, dass es schon im vorletzten Hauptrundenspiel am Samstag nicht mehr um das Viertelfinale geht. Wenn zuvor Spanien wie erwartet gegen den Handball-Exoten Uruguay gewinnt und Ungarn gegen Polen zumindest einen Punkt holt, ist dieser Zug für das DHB-Team abgefahren.

Nicht vorbei ist aber die Chance, ein Millionenpublikum zu begeistern, Charakter zu beweisen und eben auch wichtige Wettkampfpraxis für die weitere Entwicklung zu sammeln. Im März steht schließlich schon die Qualifikation für die Olympischen Spiele an. Gegen die körperlich extrem starken Brasilianer, die Spanien in der Vorrunde ein Unentschieden abtrotzen konnten, aber gegen Ungarn mit sechs Toren verloren und keine realistische Chance mehr auf das Weiterkommen haben, müssen die Deutschen überzeugen. Und das bedeutet auch: Gewinnen.

Favoritenrolle gerecht werden

Gegen Uruguay zum Auftakt war das Team von Alfred Gislason klarer Favorit, gegen Ungarn ein Gegner auf Augenhöhe, gegen Spanien Außenseiter. Gegen die Selecao ist man, nicht nur bei den Wettanbietern, favorisiert. Nicht haushoch, aber doch deutlich genug. Bekommt man im linken Rückraum Haniel Langaro und das Spiel über den Kreisläufer in den Griff und leistet sich vorne keine größeren Aussetzer wie in der neunminütigen Durststrecke ohne Tor gegen Spanien, wird Deutschland dieses Spiel erfolgreich bestreiten können.

Aber: Es gibt sie ja noch, die theoretische Chance. Auf zwei Niederlagen der Ungarn hoffen, beide Spiele gewinnen und dann am Ende eine bessere Tordifferenz im Dreiervergleich aufweisen als die Ungarn und die Polen. Man hat im Handball schon verrücktere Dinge erlebt. Auch der 38-jährige Torhüter Johannes Bitter, der nach seiner Vorstellung gegen Spanien gute Chancen auf die Rolle als Stammtorwart im weiteren Turnier hat: "Ich schaue immer mit dem Gefühl voraus, was noch möglich ist. Und es ist noch alles möglich, wir sind noch nicht raus."

Stand: 23.01.2021, 10:15

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