Quarantäne der DFB-"Engländer": Probleme und Lösungen

Ilkay Gündogan (l) und Antonio Rüdiger beim DFB-Training

EM-Trainingslager

Quarantäne der DFB-"Engländer": Probleme und Lösungen

Von Marcus Bark (Seefeld)

Die deutsche Corona-Einreiseverordnung bereitet dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) "Kopfzerbrechen" - wegen einer möglichen Quarantäne für vier Spieler englischer Klubs. Tatsächlich gibt es mehrere Lösungsansätze.

"In Deutschland haben wir ein Problem", sagte Oliver Bierhoff am Freitag (28.05.2021), das ihm "ein bisschen Kopfzerbrechen" bereite. Es geht um die Einreise und eine mögliche Quarantäne der vier deutschen Nationalspieler, die mit ihren englischen Klubs Manchester City und FC Chelsea am Samstagabend das Endspiel der Champions League bestreiten.

Diese Quarantäne, so die Befürchtung des DFB-Direktors Bierhoff, könnte die Vorbereitung der deutschen Nationalmannschaft auf die Europameisterschaft stören. Das Problem ist bei genauerer Betrachtung aber sehr klein.

Bedingung: Ilkay Gündogan (Manchester City), Antonio Rüdiger, Kai Havertz und Timo Werner (alle FC Chelsea) verzichten auf ihrer Reise nach dem Finale in Porto zum Trainingslager der Nationalmannschaft in Seefeld auf den Umweg über England.

Haken an der Sache

Den Haken an der Sache beschrieb Bundestrainer Joachim Löw am Samstag während einer Pressekonferenz: "Die Spieler sind immer noch Angestellte des Vereins." Er zeigte Verständnis dafür, dass die Klubs mit der kompletten Mannschaft nach Hause fliegen wollten, um dann in einem Fall auch den Titel zu feiern.

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Löw lobte Bierhoff, der "pausenlos" an der Problematik arbeite, mit Behörden wie auch den Vereinen in Kontakt sei.

Großbritannien als Virusvariantengebiet

Ursache des Problems ist: Großbritannien wird vom Robert Koch-Institut (RKI) im Einklang mit verschiedenen Bundesministerien inzwischen wieder als Virusvariantengebiet eingestuft. Dieses Mal nicht wegen der sogenannten britischen Coronavirusmutante B.1.1.7, sondern wegen der sogenannten indischen Variante B.1.617.

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In der Corona-Schutzverordnung des Bundes heißt es bezüglich einer Einreise aus Großbritannien und der dann vorgeschriebenen Quarantäne: "Für Personen, die sich zu einem beliebigen Zeitpunkt in den letzten zehn Tagen vor der Einreise in einem zum Zeitpunkt der Einreise als Virusvariantengebiet eingestuftem Gebiet aufgehalten haben, beträgt der Zeitraum (...) vierzehn Tage." Ein früheres Freitesten ist ausgeschlossen, auch Geimpfte und Genesene erhalten laut der Verordnung keine Ausnahme.

Die deutsche Nationalmannschaft wird am 6. Juni aus Österreich nach Deutschland fliegen, um einen Tag darauf das letzte Testspiel vor der EM in Düsseldorf gegen Lettland zu bestreiten.

Ein Tag länger in Seefeld

Das Quarantäneproblem wäre also ziemlich einfach zu umgehen, wenn Gündogan und die drei Spieler von Chelsea, die jeweils am 27. Mai nach Portugal abhoben, erst am Tag des Spiels gegen Lettland nach Deutschland flögen.

Sie wären dann gleich zu Beginn der Vorbereitungsfortsetzung im EM-Quartier Herzogenaurach von der Quarantänepflicht entbunden und könnten sofort mit der Mannschaft trainieren. Sollten sie jedoch nochmal zurück nach England reisen, verschiebt sich entsprechend alles nach hinten.

"Die Variante ist dort nicht beherrscht und verbreitet sich rasant"

Karl Lauterbach während eines Interviews

Karl Lauterbach

Es gibt noch eine andere Lösung: Großbritannien verliert den Status als Virusvariantengebiet, das es derzeit als einziger europäischer Staat hat. "Die Wahrscheinlichkeit halte ich für sehr gering", sagte allerdings Karl Lauterbach der Sportschau. "Die Variante ist dort nicht beherrscht und verbreitet sich rasant", so der Gesundheitsexperte der SPD.

Theoretisch könnte das Bundesgesundheitsministerium auch ein Virusvariantengebiet einem Hochinzidenzgebiet gleichstellen. Dann wäre eine Einreise zu jedem Zeitpunkt mit dem Nachweis eines negativen PCR-Tests möglich. "Auch das halte ich aber für unwahrscheinlich", so Lauterbach.

Lauterbach plädiert für Ausnahmeregelung als "saubere Lösung"

Der Bundestagsabgeordnete selbst hat einen eigenen Vorschlag parat. Eine "saubere Lösung", die zwar eine Ausnahmeregelung für Fußballer darstellen würde, aber "alles andere als Gemurkse" sei und sicher auch von der breiten Öffentlichkeit akzeptiert würde: "Ich würde bei den vier Spielern täglich einen PCR-Test machen lassen, der dann sequenziert, also auf die indische Variante untersucht wird. Das garantiert höchste Sicherheit und wahrt das nationale Interesse, die Fußballer trainieren zu lassen."

Mit dieser Argumentation des nationalen Interesses erlaubte Österreich den deutschen Profis aus England, ohne Quarantäneverpflichtung einzureisen, obwohl Großbritannien auch von den Behörden in Wien als Virusvariantengebiet eingestuft wird.

Torhüter Bernd Leno, der beim FC Arsenal in London sein Geld verdient, und Robin Koch von Leeds United, waren daher schon am Freitag beim ersten Training der DFB-Auswahl in Seefeld auf dem Platz.

Interesse an nationalem Interesse

Das nationale Interesse der Österreicher bestand vermutlich auch darin, der Tourismusbranche nicht zu schaden, die sich gerade wieder darüber freut, Gäste aus Deutschland begrüßen zu dürfen. Die Elitefußballer aus dem Nachbarland dann mit einem faktischen Einreiseverbot zu belegen, wäre schlechte Werbung gewesen.

Die deutschen Behörden dürften in den kommenden Tagen gewiss auch ihr Interesse an einem nationalen Interesse entdecken.

*In einer früheren Version des Beitrags stand, dass der FC Chelsea erst am 28. Mai nach Porto flog. Er reiste aber ebenso wie Manchester City schon am 27. Mai an.

DFB - Nationalmannschaft reist in Seefeld an Sportschau 28.05.2021 01:55 Min. Verfügbar bis 28.05.2022 Das Erste

Stand: 29.05.2021, 14:30

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