Verband will Serie A verkleinern: Was für den deutschen Weg spricht

Die Spieler von Inter Mailand feiern die italienische Meisterschaft in der Saison 2020/21

Italienischer Fußball

Verband will Serie A verkleinern: Was für den deutschen Weg spricht

Von Julian Tilders

Die Top-Fünf-Ligen des europäischen Fußballs gehen bis auf Deutschland mit 20 Klubs in die Saison. Italiens Verband plant nun eine Verkleinerung - verschiedene Folgen wären erwartbar.

Die englische Premier League hat 38 Spieltage, die spanische La Liga auch, genauso wie Frankreichs Ligue 1, zudem Italiens Serie A - noch. Denn das könnte sich ändern. Während durch neue Wettbewerbe wie die UEFA Conference League oder die beschlossene Champions-League-Reform ab 2024 der europäische Spielkalender immer mehr unter Druck gerät, gibt es in Italien Bestrebungen, Spiele einzusparen.

Verbandsboss schlägt Änderung der Ligenstruktur vor

Der italienische Fußball-Verband FIGC arbeitet - quasi passend zur geplanten Königsklassen-Umstrukturierung - an einer Reform der Serie A ab der Saison 2024/25 und will die Anzahl der Klubs von 20 auf 18 reduzieren, wie es in Deutschland der Status quo ist.

Gabriele Gravina (v.), Chef des italienischen Fußballverbandes FIGC

Plant die Zukunft des italienischen Fußballs: FIGC-Boss Gabriele Gravina.

Dies geht aus einem Vorschlag von Verbandschef Gabriele Gravina hervor. Dabei könnte eine Reduzierung der Klubs in Serie A, B und C von 100 auf 90 Klubs erfolgen, im Raum steht eine Zusammenlegung der Ligen zwei und drei in einen zweigleisigen Unterbau mit jeweils 18 Mannschaften. Das berichtete die "Gazzetta dello Sport" am Dienstag (27.07.2021). Ziel sei es, die finanziellen Ressourcen besser aufteilen zu können, mehr Stabilität also für die Klubs des italienischen Fußball-Systems. Gravina strebe "eine echte Revolution für eine neue Nachhaltigkeit und Stabilität" an, die "langfristige Perspektiven" biete.

Italienische Spitzenklubs auf der Suche nach mehr Geld

Nun liegt eine "bessere Aufteilung" der Gelder immer im Auges des Betrachters. Andrea Agnelli etwa, Boss von Juventus Turin, einem selbst notorisch überschuldeten Spitzenklub, inszenierte sich Anfang des Jahres mitten in der Corona-Pandemie bei der krachend gescheiterten Super-League-Gründung auch schon als Retter des Systems: "Wenn es Interesse von solchen Finanz-Institutionen (Investment-Bank JP Morgan, Anm. d. Red.) gibt, dann haben wir in unserer Industrie das Potenzial für eine glänzende Zukunft."

Es wirkt tatsächlich so, als profitierten zunächst auch bei Gravinas Plan die Liga-Eliten. Weniger lästige Spiele gegen kleine Klubs wie US Salernitana, Spezia Calcio oder den FC Venedig, die zum Premiumprodukt Serie A vermeintlich wenig beizutragen haben - stattdessen Konzentration auf die Glamour-Auftritte für die ausgeruhten Stars in der Champions League.

Dass die Anzahl der Spiele von 380 pro Saison auf 306 sinken würde und somit weniger Einnahmen aus dem nationalen Geschäft zu erwarten wären, ist die Kehrseite. Das könnten die Königsklassen-Klubs zwar sicher verkraften. Dennoch gibt es einige Vereinsbosse, die angesichts der fehlenden nationalen Spiele um TV-Gelder fürchten. Dies würde auch die kleineren Klubs betreffen. Der Plan des Verbands muss nun von der Liga geprüft werden - Einigkeit in der Serie A ist nicht zu erwarten.

Enttäuschende Rechtevergabe trübt die Stimmung

Die Vorschläge des FIGC-Chefs fallen in eine Zeit des Trübsals nach der für Italien enttäuschend verlaufenen Vergabe der TV-Rechte im Frühsommer. Denn an die schwerreiche Premier League, die für den Zeitraum von 2022 bis 2025 TV-Gelder in Höhe von 5,5 Milliarden Euro einstreichen wird, kommt die Serie A nicht heran.

Von 2018 bis 2021 gab es jährlich 973 Millionen Euro - und eigentlich hatte die Liga-Führungsebene bei der Ausschreibung gehofft, endlich die Milliardenmarke zu knacken, was der deutschen Bundesliga schon längst gelungen ist. Daraus wurde nichts. Denn die Einigung über die Exklusivrechte mit einem Streamingdienst dotierte schließlich sogar nur bei knapp 840 Millionen Euro pro Spielzeit.

Tatsächlicher Reformbedarf: Es krankt im italienischen Unterbau

Doch was sollen erst die chronisch klammen Vereine in der 2. und 3. Liga sagen? Reformbedarf gibt es dort zweifelsohne. "Drei Profi-Stufen sind nicht mehr tragbar", zitierte die "Gazzetta dello Sport" Verbandschef Gravina.

In der Serie B und der dreigleisigen Serie C herrschte in den vergangenen Jahren Chaos. Spielerstreiks, schwindelerregende Verschuldungen von Klubs, Missmanagement und Veruntreuungen, eine zweistellige Anzahl von Insolvenzen - es krankt nicht erst seit der Corona-Pandemie im italienischen Unterbau.

Analog zur für viele Klubs wirtschaftlich schwierigen Lage in der deutschen 3. Liga, die laut Viktoria Kölns Geschäftsführer Andreas Rettig "sehenden Auges Sozialfälle" in ihrer jetzigen Form produziere, ist auch in Italien das finanzielle Gefälle im Halbprofitum steil.

Die angestoßene Reform des FIGC-Chefs würde durch eine zweigleisige 2. Liga mit je 18 Mannschaften zumindest schon mal für niedrigere Reisekosten und einen gesteigerten Regionalfaktor sorgen. Die deutsche 4. Liga ist sogar in fünf Staffeln unterteilt - wobei es dort ebenfalls finanzielle Probleme zuhauf gibt.

Stand: 27.07.2021, 20:16

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