Nations League: Besser als ihr Ruf - aber in Gefahr

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Nations League: Besser als ihr Ruf - aber in Gefahr

Von Chaled Nahar

Die Nations League der UEFA wurde bei ihrer Einführung heftig kritisiert. Doch sie bewährte sich sportlich wie finanziell und hielt einige Verbände in der Coronakrise über Wasser. Längst hat sie das Interesse der FIFA geweckt.

Die Kritik an der ersten Saison der Nations League war groß. "Sinnlos" sei die Einführung des Wettbewerbs, sagte Liverpools Trainer Jürgen Klopp 2019 und kritisierte eine steigende Belastung der Spieler. Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff sagte vor der Einführung der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Man hat am Ende das Gefühl, die UEFA muss nochmal Geld erwirtschaften und macht deshalb den Wettbewerb. Irgendwann knallt es dann mal." Und Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sagte 2018: "Wenn es keine Nations League geben würde, dann würde sie wohl auch niemand vermissen."

Er sollte irren. Das Format hat sich in Europa bislang bewährt und dafür gibt es mehrere Gründe:

  • In ihren nach Spielstärke aufgeteilten Ligen gibt es in der Nations League Spiele zwischen ähnlich leistungsstarken Mannschaften.
  • Die Fans sind zumindest an diesen Spieltagen befreit von langweiligen Testspielen ohne jeden sportlichen Anreiz mit B-Mannschaften auf dem Platz.
  • Im Herbst 2018, während der Gruppenphase der ersten Saison, hatte die DFB-Auswahl durch die Nations League keinen einzigen Termin zusätzlich im Vergleich zu 2016 oder 2014. 2020 sind es nur deshalb zwei Spiele mehr, weil der DFB die wegen der Coronavirus-Pandemie ausgefallenen Testspiele nachholen wollte.
  • Die Nations League öffnet allen Mannschaften die Chance zum Aufstieg, gleichzeitig droht ein Abstieg - das kann für Spannung sorgen.
  • Das Finalturnier mit den vier besten Teams ist sportlich reizvoll, der Titel der "Nebenbei-EM" wird auf Dauer an Prestige gewinnen.
  • Der größte sportliche Reiz liegt in der Verbindung zu den Playoffs der Qualifikation zu Welt- und Europameisterschaften. Hier können sich Teams eine zweite Chance in der Quali besorgen - besonders die Kleineren.
  • Um ihre Auftritte gegen die großen Teamswerden die kleinen nicht geprellt: In den Qualifikationsspielen zu WM und EM kann es weiterhin zu Gruppen mit Frankreich und Färöer oder Deutschland und San Marino kommen.
  • Für die Verbände zahlte sich ein Fakt besonders in der Coronakrise aus: Es gibt im Vergleich zu den Testspielen eine Menge Geld zu verdienen. Und das hielt manchen Nationalverband über Wasser.

Natürlich bleibt Verbesserungsbedarf, denn manche Dinge nehmen nicht jeden Fan mit. Warum der Gruppensieger der Nations-League-Gruppe D4 bei der Zusammenstellung der EM-Playoffs einem C-Ligisten vorgezogen wird, versteht nicht jeder auf den ersten Blick. Genauso wie der Zusammenhang mit der WM-Qualifikation sportlich reizvoll sein mag, für den normalen Fan aber vom Ablauf weiter kaum durchschaubar ist. Und was ein D-Ligist aus der Nations League bei einer EM-Endrunde zu suchen hat, ist ohnehin eine andere Geschichte.

Großes Lob nach der ersten Auflage: "Brillante Idee"

Erster! Portugals Mannschaft mit dem Pokal der Nations League am Ende ihrer ersten Saison

Erster! Portugals Mannschaft mit dem Pokal der Nations League am Ende ihrer ersten Saison

Das Finale im Juni 2019 als Vier-Nationen-Turnier mit Portugal, den Niederlanden, England und der Schweiz wurde ein Erfolg. Deutschland spielte in diesen Tagen gegen Belarus und Estland in der EM-Qualifikation.

Die am Finalturnier im Juni 2019 beteiligten Trainer schwärmten. Niederlandes damaliger Coach Ronald Koeman nannte das Turnier der Deutschen Presse-Agentur zufolge eine "brillante Idee". Portugals Fernando Santos versprach dem Turnier eine Zukunft als "Klassiker". Und der Schweizer Trainer Vladimir Petkovic sagte: "Es ist kein Zufall, dass jede Mannschaft hier in Portugal beim Finalturnier dabei sein wollte." Das Finalturnier 2021 soll wegen der Coronavirus-Pandemie erst im Oktober stattfinden.

Die FIFA will die globale Nations League

Trotz seines bisherigen Erfolgs steht das Turnier in Europa in seiner jetzigen Form bald möglicherweise zur Debatte. Denn die FIFA und ihr Präsident Gianni Infantino wollen die sportlich wie finanziell attraktive Nations League übernehmen und sie weltweit veranstalten. Alle 211 Länder sollen in regionalen Qualifikationsgruppen Auf- und Abstieg sowie die Teilnehmer eines Finalturniers mit acht Mannschaften ermitteln - aus der "Nebenbei-EM" würde die "Nebenbei-WM".

"Eine globale Nations League? Wenn es in Europa funktioniert - und das ist ja der Fall - dann kann es vielleicht auf der Welt auch funktionieren", sagte Infantino 2019. Im Gespräch war zu dieser Zeit ein 25 Milliarden Euro schweres Angebot von nicht genannten Investoren, die der FIFA die Rechte an der globalen Nations League sowie einer vergrößerten Klub-WM abkaufen wollten.

Men in Red - der Bayern-Block im DFB-Team

Sportschau 10.10.2020 01:46 Min. Verfügbar bis 10.10.2021 ARD Von Anne van Eickels

Die UEFA sträubt sich noch gegen beide Ideen, fürchtet bei der Nations League um die neu gewonnene Einnahmequelle. Andere Kontinentalverbände sehen dagegen die Vorschläge positiv. Zurzeit ist die Debatte darüber aber angesichts der Coronavirus-Pandemie zurückgestellt.

Stand: 10.10.2020, 07:00

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