Thomas Müller vor seinem Auftritt auf der DFB-Pressekonferenz im Trainingslager in Blankenhain

EM-Vorbereitung in Blankenhain Thomas Müller - erste Reihe statt erste Elf

Stand: 28.05.2024 18:30 Uhr

Thomas Müller ist als Ergänzungsspieler für die EURO 2024 vorgesehen, die sein achtes großes Turnier sein wird. Dennoch steht er in der ersten Reihe, wie die Vorbereitungstage der deutschen Nationalmannschaft in Blankenhain zeigen.

Von Marcus Bark, Blankenhain

Es ist fast auf den Tag genau acht Jahre her, dass Lukas Podolski in der Vorbereitung auf die Europameisterschaft 2016 gefragt wurde, ob er seine Rolle eher als Maskottchen denn als Nationalspieler für das kommende Turnier sehe. "Ich finde das total respektlos. Ich habe mehr als 100 Länderspiele", antwortete Podolski. Sechs große Turniere hatte er vorher schon gespielt, war zwei Jahre zuvor Weltmeister geworden. Seine Entrüstung war gut zu verstehen.

Allerdings kam er bei der WM in Brasilien schon auf nur zwei Einsätze in der Vorrunde. Die Prognose, dass er zwei Jahre später bei der EM in Frankreich vermutlich anderen für die Startelf den Vortritt würde lassen müssen, war nicht allzu gewagt, und es gab Experten, die hatten seine Nominierung schon kritisiert.

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Letztlich kam Podolski auch nur auf knapp 20 Einsatzminuten, beim 3:0 im Achtelfinale gegen die Slowakei wurde er eingewechselt. Es war eines seiner letzten von 130 Länderspielen.

Rekordliste: Müller kann auf Platz drei vorrücken

In der Rekordliste der deutschen A-Nationalspieler steht er damit auf dem dritten Platz hinter Lothar Matthäus und Miroslav Klose. Schon bald dürfte er allerdings überholt werden von Thomas Müller. Der Münchner kommt auf 128 Einsätze, vielleicht wird er schon vor Beginn der EM Podolski einholen, denn es stehen die beiden Testspiele gegen die Ukraine am 3. Juni in Nürnberg (live in der Sportschau) und vier Tage später in Mönchengladbach gegen Griechenland an.

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Ab 1. Juni in der ARD Mediathek und am 5. Juni ab 20.15 Uhr im Ersten

Müller bereitet sich derzeit mit seinen Kollegen in Blankenhain auf sein achtes großes Turnier vor. Er ist 34 Jahre alt und damit der älteste Feldspieler im Kader. Niemand würde auf die Idee kommen, ihn zu fragen, ob er sich als Maskottchen sehe. Aber die Frage, welche Rolle ihm denn zugedacht sei, weil er ja auch nicht zwingend als einer für die Startelf gesehen wird, die ist legitim.

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Julian Nagelsmann wurde sie am Montag (27.05.2024) gestellt, und der Bundestrainer bestätigte: "Thomas wird keiner sein, der ständig die Spiele von Anfang an bestreitet." Mit dieser Rolle habe sich Müller auch abgefunden. "Er hat die Gewöhnung daran ja schon bei Bayern München gehabt", so Nagelsmann, der selbst Trainer beim Rekordmeister war, als die Gespräche über eine für Müller ungewohnte Rolle anstanden.

"Connector" Müller

Am Dienstag saß Müller dann bei der Pressekonferenz im Schloss Blankenhain, als erster Spieler während des Trainingslagers. Er war auch der erste, der am Tag zuvor beim öffentlichen Training in Jena auf das Feld kam und vom Publikum mehr als andere gefeiert wurde. Im Training am Dienstagvormittag war er beim Warmlaufen in der ersten Reihe. Müller "ist ein Gesicht des deutschen Fußballs und der Fans. Diese Rolle kann er immer ausfüllen", sagte Nagelsmann, der gerne auch mal neue Begriffe in den deutschen Fußball einführt. Müller nannte er den "Connector, der sehr viele in der Gruppe verbinden kann. Er kann mit den Rappern und denen, die jodeln."

Er komme "mehr von den Jodlern, aber ich freue mich immer darauf, die Rapper kennenzulernen", sagte Müller in einer langen, manchmal launigen, manchmal ernsten Pressekonferenz. Auf seine Rolle abseits des Platzes ging der zwölfmalige Deutsche Meister mit dem FC Bayern ausführlich ein. Seine Rolle als Bindeglied zwischen Gruppen und Generationen komme "aus einer Natürlichkeit" heraus, genau wie sein Versuch, "den Spaß am Spiel immer vorzuleben".

Noch kein Treffer bei einer EM

Über die vom Bundestrainer angedachte Rolle als Einwechselspieler, der ohne Eingewöhnungszeit wesentlichen Einfluss auf das Spiel nimmt, sprach Müller nur indirekt: "Es ist immer positiv, die erste Idee des Trainers zu kennen und nicht erst eine halbe Stunde vor dem Anpfiff zu erfahren, was los ist."

Er selber könne niemanden mehr überraschen: "Ich bin ein sehr berechenbarer Spieler. Ich mache seit 15 Jahren das gleiche." Müller gab zu verstehen, dass dies immer noch so gut sei, um beim FC Bayern zu spielen ("Wenn auch nicht immer über 90 Minuten.") und in den Kader der Nationalmannschaft für ein großes Turnier berufen zu werden.

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Es wird Müllers vierte EM. Nach 15 Einsätzen wartet er immer noch auf seinen ersten Treffer. Bei Weltmeisterschaften stehen nach 19 Spielen schon zehn Treffer zu Buche. "Natürlich würde ich auch gerne mal ein Tor bei einer EM erzielen, aber nur, wenn es dem Erfolg zuträglich ist."

Ehrentreffer wären ja auch so etwas wie Maskottchen.