Wer macht's? - Das Rennen um die Löw-Nachfolge

Nachfolge-Kandidaten - von links: Marcus Sorg, Hansi Flick, Ralf Rangnick, Stefan Kuntz

Bundestrainer-Kandidaten

Wer macht's? - Das Rennen um die Löw-Nachfolge

Von Jens Mickler

Das Rennen ist eröffnet: Die Frage nach dem Nachfolger von Bundestrainer Joachim Löw wird Fußball-Deutschland die nächsten Tage und Wochen beschäftigen. Ein Für und Wider möglicher Kandidaten.

Die Nachricht vom überraschenden Abtritt Joachim Löws war keine drei Stunden alt, da nahm Jürgen Klopp gleich das erste Zuspiel auf, um mitzuteilen: "Leute, ich mach's nicht!" Für klare Verhältnisse sorgen - das war Klopps Botschaft. Schließlich ging es um das Amt, das von der Bedeutung her manchmal direkt nach Kanzlerschaft und Bundespräsidentenamt zu kommen scheint.

Klopp kommt also runter von der Liste, die dadurch aber nur ein bisschen von ihrem großen Gesprächwert einbüßt.

Flick - ganz oben auf der Liste

Hansi Flick

Hansi Flick

An Klopps Stelle rückt ein anderer Name ganz nach vorne: Hans-Dieter Flick. Der Bayern-Trainer wäre ein logischer Nachfolger für Löw, oder um es mit ARD-Fußballexperte Bastian Schweinsteiger zu sagen: "Wenn ich als Hansi Flick alles mit dem FC Bayern gewonnen habe, dann versuche ich das Gleiche doch auch mit der Nationalmannschaft."

Flick, Co-Trainer der Weltmeister-Elf 2014, kennt den DFB in und auswendig, es war immer eine harmonische Beziehung. Das lässt sich aktuell von ihm und dem FC Bayern nicht zweifellos sagen. Das Flicksche Verhältnis zu FCB-Sportdirektor Hasan Salimadzic gilt als nicht sehr gut. Ende der Saison verlässt in Karl-Heinz Rummenigge ein großer Fürsprecher Flicks zudem die vorderste Front beim FC Bayern.

Den Namen Flick brachte auch DFB-Generaldirektor Oliver Bierhoff kürzlich ins Gespräch, als es um das Löw- Erbe ging. Bierhoffs Stimme hat großes Gewicht, hat er sich doch auch ein Vorschlagrecht bei der Nachfolgeregelung zusichern lassen. Die große Frage bei Flick: Wie kommt er raus aus dem Vertrag beim FC Bayern, der bis 2023 läuft?

Rangnick - mit Bierhoff vereinbar?

Ralf Rangnick

Ralf Rangnick

Auf der Kandidatenliste steht auch der Name Ralf Rangnick weit oben. Der 62-Jährige ist ausgeruht und derzeit ohne Vertrag. Über sein Fachwissen gibt es keine zwei Meinungen. "Grundsätzlich ist das Amt des Bundestrainers für keinen deutschen Trainer ein Amt, das ihn nicht interessiert", sagte Rangnick erst kürzlich.

Rangnick verfügt über viel Erfahrung, und er hat Autorität. Er gilt als Reformator, der gern die Posten des Managers und Trainers auf sich vereint. Doch lässt sich diese Einstellung mit dem DFB und speziell mit Bierhoff vereinbaren? Konflikte wären anscheinend programmiert, deswegen könnte die Personalie Rangnick scheitern.

Kuntz - der Kumpeltyp aus dem eigenen Stall

Stefan Kuntz

Stefan Kuntz

Da schaut man beim DFB doch lieber im eigenen Hause nach und findet Stefan Kuntz. Der aktuelle U21-Nationaltrainer wäre die bequemste und günstigste Lösung - und wohl nur ein Mann für den Übergang.

Löw selbst hatte den früheren Nationalspieler vor einem Jahr als einen möglichen Nachfolger genannt: Kuntz leiste "hervorragende Arbeit" und habe "eine sehr gute Ansprache an die Mannschaft" mit sehr viel Empathie. Fraglich ist, ob Kuntz' kumpelhafte Art die Mannschaft wirklich weiterbringt, auf ein neues taktisches Niveau dürfte der frühere Torjäger das DFB-Team auch nicht heben.

Auch eine Doppelspitze gemeinsam mit dem jetzigen Co-Trainer Marcus Sorg wäre denkbar. Die Beförderung Sorgs wäre der klassische DFB-Weg. Auch Löw hatte 2006 seinen einstigen Chef Jürgen Klinsmann als Bundestrainer abgelöst. Sorg kennt die Mannschaft, ist in der zweiten Reihe in der breiten Öffentlichkeit aber bislang kaum aufgefallen.

Löw-Nachfolger im Kandidatencheck

Sportschau 10.03.2021 Verfügbar bis 10.03.2022 ARD Von Daniela Müllenborn


Überraschungslösung? Matthäus winkt ab

Oder wird es eine Überraschungslösung geben? ARD-Experte Bastian Schweinsteiger wüsste da eine: "Lothar Matthäus ist einer, der über Fußball alles weiß. Wenn da Deutschland ruft ..."

Der Rekordnationalspieler selbst, der bereits als Nationaltrainer Ungarns arbeitete, schloss das aus. "Natürlich interessiere ich mich für den Fußball und die Nationalmannschaft, aber ich bin mit meinem Leben zufrieden. Damit beschäftige ich mich gar nicht", sagte Matthäus. Wohl wissend, dass auch Schweinsteiger seinen Namen wohl maximal halb im Ernst nannte.

Schweinsteiger zum Löw-Abschied: "Bin mir sicher, dass er auf den EM-Titel fokussiert ist" Sportschau 09.03.2021 08:07 Min. Verfügbar bis 09.03.2022 Das Erste

DFB-Medienrunde bereits am Donnerstag

Beschäftigen wird sich der DFB schon ganz konkret am Donnerstag (11.03.2021) mit der Bundestrainerfrage. Dann lädt DFB-Präsident Fritz Keller zu einer Medienrunde. Der eine oder andere Name von der Kandidatenliste wird sicherlich auch fallen.

Joachim Löw hört auf: Unverständlich und unverstanden

Sportschau 09.03.2021 02:14 Min. Verfügbar bis 09.03.2022 ARD Von Burkhard Hupe


mit sid/dpa | Stand: 10.03.2021, 12:30

Darstellung: