Spielervermittler Raiola poltert gegen die FIFA

Mino Raiola

Interview mit der BBC

Spielervermittler Raiola poltert gegen die FIFA

Mino Raiola gilt als einer der einflussreichsten und zugleich umstrittensten Spielervermittler im Weltfußball. Jetzt gab er der BBC ein Interview und sprach unter anderem über Dortmunds Erling Haaland, das negative Bild seiner Branche und die radikalen Pläne der FIFA zu deren Regulierung.

Der weltweite Profifußball ist ein Milliarden-Geschäft. Immer wenn es um Vertragsverhandlungen und Transfers geht, sind Spielerberater mit dabei. Deren genaue Rolle bleibt teilweise undurchsichtig, und einen besonders guten Ruf genießen sie auch nicht. Einer der einflussreichsten und zugleich umstrittensten Akteure dieser Branche ist Mino Raiola. Beim 105 Millionen Euro schweren Transfer von Paul Pogba von Juventus Turin zu Manchester United im Jahr 2016 soll er laut "Football Leaks" satte 49 Millionen Euro verdient haben.

Immer spektakulärere Deals

Raiola ist der Berater einer ganzen Ansammlung von Top-Stars, die Millionen verdienen und für Ablösen in Millionenhöhe den Verein wechseln. 70 Spieler soll er aktuell betreuen. Der Italiener hat sich selbst zum Star einer Szene gemacht, die immer spektakulärere Deals abwickelt. Neben Pogba und Zlatan Ibrahimovic gehören unter anderem Erling Haaland, Matthijs de Ligt, Romelu Lukaku oder Mario Balotelli zu seinen Klienten.

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FIFA will Regeln verschärfen

Da verwundert es nicht, dass Mino Raiola ein medienscheuer Mensch ist. Interviews gibt der 53-Jährige Italiener nur selten. Für die BBC hat er jetzt eine Ausnahme gemacht. Der Grund: Der Weltfußball-Verband FIFA will die Regeln für Spielerberater verschärfen und damit für mehr Transparenz sorgen. Einer der Kernpunkte der neuen Regularien soll die Wiedereinführung eines Lizenzsystems sein. Zudem geht es um Provisionsobergrenzen. So sollen Agenten nur noch maximal zehn Prozent der Verkaufssumme verdienen dürfen, wenn sie im Auftrag abgebender Fussballklubs tätig sind. Die Szene habe sich, so die FIFA, seit einer Liberalisierung im April 2015 "missbräuchlich und exzessiv" entwickelt. So komme es vor, dass Spielerberater den Spieler und den abgebenden Verein gleichzeitig vertreten - ein klarer Interessenkonflikt.

Raiola droht mit dem Gang vor Gericht

"Ich denke am Ende wird es ein Gerichtsverfahren geben", sagte Raiola, der nicht nur für sich spricht. Er ist Präsident des Fußballforums, einer Organisation, die die Interessen führender Agenten und deren Spieler vertritt. "Ich habe kein Problem mit Transparenz. Ich habe ein Problem mit den Leuten, die nicht wissen, wie ein Transfer funktioniert, und versuchen, Regeln zu erstellen, die lächerlich sind", polterte er gegenüber BBC Sport aus seinem Büro in Monaco.

"Für die Spieler kein Parasit"

Kritik an seiner Person und seiner Arbeit weist er zurück. "Es ist nicht schön, immer das gleiche Vorurteil zu hören", sagte Raiola zum Vorwurf, er sei "gierig". Die Öffentlichkeit solle sich lieber fragen: "Wenn dieser Mann so gierig und so schlecht ist, wie sind seine Spieler alle glücklich und bleiben bei ihm?" Seine Spieler würden ihn jedenfalls nicht als "Parasiten" bezeichnen: "Und dafür arbeite ich. Es ist mir nur wichtig, wie meine Spieler mich nennen."

Respekt eingefordert, Interesse der Spieler im Mittelpunkt

Letztlich mache er nur seine Arbeit: "Ich habe keine Macht und keinen Einfluss. Meine Aufgabe ist es, das beste Angebot für meinen Spieler herauszuholen. Das bedeutet auch, ihm eine ganze Reihe von Dienstleistungen anzubieten, die die Öffentlichkeit nicht einmal kennt." Er wolle respektiert werden, forderte Raiola: "Weil es unsere Aufgabe ist, die Spieler und ihre Interessen zu vertreten." Der FIFA warf er vor, die Branche der Spielervermittler anzugreifen, "weil die zu viel Geld aus dem Spiel genommen" habe. Doch wichtig sei allein das Interesse der Spieler.

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Haaland der künftige Superstar

Einer der nächsten großen Coups für Raiola könnte der Transfer von Borussia Dortmunds Erling Haaland sein. "Er wird einer der zukünftigen Stars des nächsten Jahrzehnts sein", sagte der Agent über den 20-Jährigen Norweger: "Ich glaube, es gibt weltweit keinen Sportdirektor oder Trainer, der sagen würde: nicht interessiert." Allerdings könnten sich "nur maximal zehn Klubs" den Torjäger leisten, sagte Raiola: "Und vier dieser Klubs sind in England."

red/bbc | Stand: 24.02.2021, 14:55

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