Kommentar zum DFB - Wandel durch Vielfalt

Ein alter Sichtschutz mit der Aufschrift "Der neue DFB" hängt an einem Zaun an der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB)

Nach den angekündigten Rückzügen

Kommentar zum DFB - Wandel durch Vielfalt

Von Marcus Bark

Der DFB muss sich neu aufstellen - das ist die gute Nachricht. Aber es wird nur gut, wenn der Verband sich ganz anders aufstellt. Der Wandel muss die Vielfalt des Fußballs abbilden, die Suche nach neuem Personal darf ruhig dauern. Der Kommentar.

Der Bundestrainer wird bald ein anderer sein. Der FC Bayern wechselt seinen Vorstandsvorsitzenden. Die Deutsche Fußball Liga wird Christian Seifert verlieren.

Der Headhunter, der gerade einen Nachfolger für den obersten Vertreter des deutschen Profifußballs sucht, hat vor etwa zwei Jahren auch einen Nachfolger für Reinhard Grindel als DFB-Präsidenten gesucht. Er fand Fritz Keller. Damals schien das eine gute Auswahl zu sein. Nicht der große Wurf, aber okay. Selbst in den Kurven der Stadien gab es eine leise Hoffnung, dass der Verband ein wenig zur Ruhe und zur Besinnung kommt.

Keller erreicht sein Ziel, ist trotzdem ein Verlierer

Es ist anders gekommen, und daran trägt Fritz Keller eine Schuld, aber eben auch andere. Sticheleien, Durchstechereien, Hausdurchsuchungen, und und und.

Am Ende führte eine Entgleisung sondergleichen dazu, dass es knallte.

Keller wusste, dass er abtreten muss, nachdem er seinen internen Gegner Rainer Koch mit dem Nazi-Richter Roland Freisler verglich. Er - und auch seine Unterstützer aus dem Lager der Profis - wollte aber, dass die anderen mitgerissen werden. Ziel erreicht. Jetzt geht die Suche wieder los.

Neuausrichtung und Neuaufstellung

Der DFB schreibt in der Überschrift seiner Mitteilung, dass die Weichen für die "Neuausrichtung" gestellt worden seien. Im ersten Satz ist dann von einer "Neuaufstellung" die Rede. Beides ist nötig.

Zur Aufstellung: Der DFB muss weiblicher, diverser, transparenter werden. Er hat nur 27 Mitglieder: 21 Landesverbände, fünf Regionalverbände und die DFL. Alle werden von Männern geführt, die Rainer, Gundolf, Hermann oder Günter heißen. In ihren 25.000 Vereinen, in denen etwa sieben Millionen Fußballerinnen und Fußballer angemeldet sind, gibt es die Vielfalt. Sie muss künftig abgebildet werden, und sei es durch eine Helga oder einen Bernhard, der das vorantreibt.

Ein Problem bleibt, aber das ist nicht schlimm

Wer auch immer neu an die Spitze des DFB gewählt wird, er muss mit einem Problem leben. Der Interessenkonflikt zwischen Profis und Amateuren wird weiter bestehen. Er ist dem Verband in seiner jetzigen Struktur immanent, und niemand sollte die Einheit, die formell besteht, gefährden.

Der neue Grundlagenvertrag muss so ausgehandelt werden, dass die Amateure mehr Geld bekommen. Das täte den Profis nicht weh, aber es würde auch den vielen kleinen Vereinen nicht entscheidend weiterhelfen. Diese Klubs setzen auch gar nicht darauf. Sie wollen vielmehr, dass sie verstanden werden. Sie wollen, dass die Profis merken, dass sie alle denselben Sport betreiben, manche nur eben viel besser.

Wandel durch Annäherung

Die neue Ausrichtung muss durch die Personen, die sie ausgestalten werden, zu einer Annäherung führen. Es ist in den vergangenen Jahren genug Zeit verplempert worden mit immer dem gleichen Gelaber, dass das Rad nicht überdreht werden dürfe. Das ist längst passiert. Selbst in der Pandemie gibt es nur erzwungene Veränderungen, die zu beobachten sind, aber keinen glaubwürdigen Willen.

Die Wahl muss eine Wahl sein

Es ist gut, dass die Voraussetzungen für eine Wende durch den kollektiven Rückzug geschaffen worden sind. In den kommenden Tagen, Wochen und Monaten muss nun sorgfältig gesucht, abgewogen und diskutiert werden. Es muss vor allem Optionen geben. Einen Wahlkampf, verschiedene Ansätze, Ideen.

Es darf nicht sein, dass hunderte Männer in dunklen Anzügen (die es auf jeden Fall sein werden) beim Bundestag einen Mann im dunklen Anzug abnicken, auf den sich hinter verschlossenen Türen geeinigt wurde. Der Abgang von Fritz, Rainer, Friedrich und Stephan muss den Fußball nach vorne bringen, indem er seiner Vielfalt eine Chance gibt.

Stand: 12.05.2021, 08:13

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