Verband gegen Liga: Spanien diskutiert Saisonabbruch

Real Madrids Marcelo (l.) gegen Barcelonas Arturo Vidal

Spanien

Verband gegen Liga: Spanien diskutiert Saisonabbruch

Spanien ist besonders betroffen vom Coronavirus. Trotzdem wird nun darüber diskutiert, wann die Primera División wieder starten kann. Sollte die Saison abgebrochen werden, könnte der aktuelle Meister profitieren.

Es könnte der 26. und wohl merkwürdigste Titel für den FC Barcelona werden. Spanien diskutiert über einen Saisonabbruch der Primera División. Der spanische Fußballverband RFEF verkündete in dieser Woche, dann den derzeitigen Tabellenstand werten zu wollen - der Meister Barcelona führt die Tabelle mit zwei Punkten Vorsprung auf Real Madrid an.

Ende Mai oder im Juni soll es weitergehen

Die Liga lehnt diesen Plan allerdings ab. Stattdessen soll weiter intensiv an einem Weg gearbeitet werden, um die Saison doch noch zu beenden. Liga-Präsident Javier Tebas hatte bereits Anfang des Monats betont, dass man Ende Mai sowie Anfang und Ende Juni als mögliche Termine für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs festgelegt habe.

Seit dem 11. März liegt der Spielbetrieb in der Primera División aufgrund der Corona-Pandemie still. Spanien ist mit am schlimmsten betroffen und verzeichnete bereits 13.798 Menschen, die an COVID-19 gestorben sind. Fast 200.000 Menschen haben sich bisher (Stand: 17.04.2020) in Spanien mit dem Virus infiziert.

Tebas rechnet mit 150 Millionen Euro Verlust

Laut Liga-Boss Tebas sei allerdings aufgrund der strikten Ausgangsbeschränkungen nicht vor dem 26. April an Training zu denken. Sollten diese gelockert werden, könnten die Teams auch wieder das Training aufnehmen. Tebas will die Saison auf jeden Fall zu Ende bringen, ansonsten droht ein Verlust im Milliarden-Bereich. Schon jetzt muss mit einem Verlust von mindestens 150 Millionen Euro für La Liga gerechnet werden, so Tebas.

Würde bei einem Abbruch wirklich die aktuelle Tabelle gewertet, wären neben Meister Barcelona und Vize-Meister Real Madrid auch der FC Sevilla und das Überraschungsteam Real Sociedad für die Champions League qualifiziert. Der FC Getafe und Atlético Madrid würden im kommenden Jahr in der Europa League starten. Die Absteiger hießen dann Real Mallorca, CD Leganes und Espanyol Barcelona. Die UEFA hat sich zu einem solchen Prozedere jedoch noch nicht geäußert.

Barcelonas Trainer ist skeptisch

Trainer Quique Setién vom aktuellen und eventuell auch kommenden Meister FC Barcelona glaubt jedoch ohnehin nicht an eine baldige Wiederaufnahme des vom Coronavirus unterbrochenen Spielbetriebs. Er halte die Absicht der La Liga, die Saison der Primera División schon ab Ende Mai, spätestens aber Ende Juni mit "Geisterspielen" und unter strengsten Sicherheitsbedingungen fortzusetzen, für kaum realisierbar, sagte Setién am Donnerstag (16.04.2020) im Interview des katalanischen Radiosenders "RAC1".

Setién: "Das geht zu weit"

"Ich habe gehört, dass die Liga vorhat, dass alle Teams für einige Monate an einem Ort isoliert werden sollen. Ich denke, das geht zu weit, das kann man nicht machen. Das würde zu viele Probleme verursachen", sagte der 61 Jahre alte Coach, der das Team um Weltfußballer Lionel Messi und Nationaltorwart Marc-André ter Stegen erst seit Januar trainiert. Es gebe außerdem zu viele Regeln und Auflagen, die "logistisch kaum durchführbar" seien.

Seine Skepsis wiederholte Setién auch in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". "Was ist wichtiger? Das Geld? Oder die Gesundheit? Da sage ich: Mein Geld schenke ich euch!", sagte er. Die Coronavirus-Krise habe eine "Dimension, die uns alle übersteigt". "Es gibt nichts Wichtigeres als das Leben und die Gesundheit. Die ganze Welt wird Folgen dieser Krise tragen müssen, auch der Fußball. Wenn Spiele bedeuten, dass wir ein Risiko eingehen müssen, würde ich das ablehnen."

sid, dpa | Stand: 18.04.2020, 09:10

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